Passwesen Der Umgang mit saisonalem Besucheransturm

Ein Gastbeitrag von Mandy Reckert 5 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Zur Urlaubszeit warten jährlich unzählige Bürger darauf, ihre Ausweisdokumente kurzfristig verlängern zu können. In den Niederlanden wird ab diesem Jahr ein besonders großer Bedarf erwartet. Grund hierfür: eine Gesetzesnovelle. Was der deutsche Public Sector von seinen Nachbarn lernen kann.

Die Bürgerämter in den Niederlanden müssen aktuell so viele Reisepässe erneuern wie selten zuvor. (©  AVC Photo Studio - stock.adobe.com)
Die Bürgerämter in den Niederlanden müssen aktuell so viele Reisepässe erneuern wie selten zuvor.
(© AVC Photo Studio - stock.adobe.com)

Paspoortpiek. Dieses Wort dominiert seit einiger Zeit die niederländische Medienlandschaft. Mit diesem „Piek“ ist die stark erhöhte Anzahl an Anträgen für neue Personalausweise und Reisepässe gemeint, die sich auf eine Gesetzesänderung im Jahr 2014 zurückführen lässt. Damals hatte die Regierung in Amsterdam die Gültigkeitsdauer von Ausweisdokumenten von fünf auf zehn Jahre angehoben. Dies führte kurzfristig zu einem Rückgang der Anträge sowie einer Entlastung der Öffentlichen Verwaltung. Ab diesem Jahr werden jedoch mehr als doppelt so viele Anträge wie üblich erwartet.

Die aktuelle Lage in den Niederlanden

Das niederländische Innenministerium schätzt, dass pro Jahr etwa 1,6 bis 1,7 Millionen Reisepässe sowie zwischen 1,2 und 1,3 Millionen Identitätskarten – so nennen die Niederländer ihre Personalausweise – erneuert werden müssen. Übertragen auf Deutschland würde das zwischen 13 und 14 Millionen Ausweisdokumenten entsprechen. Eine Mammutaufgabe.

Ab März 2024 hat auch die Stadtverwaltung Midden-Groningen einen starken Anstieg an Anfragen im Passwesen zu verzeichnen. Der Trend wird schätzungsweise noch jahrelang anhalten.(©  Stadtverwaltung Midden-Groningen)
Ab März 2024 hat auch die Stadtverwaltung Midden-Groningen einen starken Anstieg an Anfragen im Passwesen zu verzeichnen. Der Trend wird schätzungsweise noch jahrelang anhalten.
(© Stadtverwaltung Midden-Groningen)

Um die Anzahl der Anträge besser einschätzen zu können, hat die „Niederländische Vereinigung für Bürgerangelegenheiten“ in Zusammenarbeit mit dem „Ministerium für Inneres und Königreichsbeziehungen“ ein Rechenmodell entwickelt, das den Gemeinden helfen soll, die erwarteten Antragszahlen vorherzusagen. Es prognostiziert beispielsweise der Gemeinde Enschede rund 40.000 Anträge für 2024. Das entspricht in etwa einer Verdoppelung des Vorjahresniveaus.

Dieser Trend wird voraussichtlich bis ins Jahr 2029 anhalten und könnte sich in Zukunft wiederholen.

Die Situation in Deutschland

Seit der Pandemie befindet sich Deutschland – in Sachen Passwesen – in einer ähnlichen Lage wie die Niederlande. Aufgrund der Reisebeschränkungen hatten viele Bürger ihre Ausweisdokumente nicht verlängert, da sie darin keine Notwendigkeit sahen. Im Anschluss ist die Nachfrage nach Ausweisdokumenten deutlich gestiegen. Die Einwohnermeldeämter und Bürgerbüros sind nun jährlich zur Urlaubssaison überlastet. Vor allem in Großstädten führt das aktuell zu langen Wartezeiten.

Dieser Umstand kollidierte mit dem Zeitraum, in welchem ebenfalls mehr Anträge erwartet wurden als sonst. Seit 1990 müssen nämliche viele Bürger aus den neuen Bundesländern ihren Personalausweis ebenfalls regelmäßig erneuern. Dieses Ereignis wiederholt sich aktuell immer zum vollen Jahrzehnt. 2020, inmitten der Hochzeit der Pandemie, war die Gültigkeit von vielen Passdokumenten erneut abgelaufen.

Hinzu kommt, dass für Reisen nach Großbritannien seit 2021 kein Personalausweis mehr akzeptiert wird und dadurch die Nachfrage nach Reisepässen zusätzlich gestiegen ist.

Eine Maßnahme, die langfristig die Anzahl der Anträge im Pass- und Meldewesen reduzieren soll, wird in diesem Jahr voraussichtlich für zusätzlichen Aufwand innerhalb der Öffentlichen Verwaltung sorgen: Der Wegfall des Kinderreisepasses. Kinder, die mit ihren Eltern in den Urlaub reisen, benötigen seit kurzem einen eigenen Personalausweis oder Reisepass. Das Ausweisdokument ist bei geplanten Reisen bereits ab der Geburt erforderlich und ist bis zum 24. Lebensjahr für jeweils sechs Jahre gültig.

In diesem Jahr wird zwar eine hohe Nachfrage nach Reisepässen und Personalausweisen erwartet. Das niederländische Niveau wird jedoch wahrscheinlich nicht erreicht werden. Gezielte Digitalisierungs- und Kommunikationsmaßnahmen können dabei helfen, die jährliche Antragswelle besser zu meistern und die Angestellten im Public Sector zu entlasten.

Auf der nächsten Seite: Wie sich die Niederländer auf den Piek vorbereitet haben.

(ID:49975187)

Jetzt Newsletter abonnieren

Wöchentlich die wichtigsten Infos zur Digitalisierung in der Verwaltung

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung