Live aus dem CDO-Zirkel Deep Design, Donuts und CDOs

Ein Gastbeitrag von Andreas Steffen & Maximilian Düerkop 6 min Lesedauer

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Achtung: Nachhaltigkeit! Dieser Begriff ist inflationär überstrapaziert und wird oft mit Öko-Labels, fiesen Pflichten und anstrengenden Auflagen verbunden. Doch wenn man sich zwei Modelle genau anschaut, können CDOs wertvolle Chancen in Donuts & Co. entdecken, die wirkungsvoll für die eigene Organisation, deren Digitalisierung und auch für die Gesellschaft sind.

Deep Design und Donut-Ökonomie für CDOs.(©  ChatGPT/Andreas Steffen/KI-generiert)
Deep Design und Donut-Ökonomie für CDOs.
(© ChatGPT/Andreas Steffen/KI-generiert)

Als CDO stellt man sich die Frage: Wie kann ich meine Rolle möglichst wirkungsvoll gestalten? Für wen? Wie lang? Wer definiert, was „nachhaltige Wirkung“ bedeutet? Wer sind eigentlich meine Zielgruppen – innerhalb und außerhalb der Organisation? Und: Warum sollte ich mich überhaupt mit Wirkung beschäftigen?

Zeitsprung in die Zukunft: An einem Donnerstagvormittag im Mai 2035 sitzen Silke H. und Dominik T., das dynamische CDO-Duo der Verwaltung von Smarthausen, in einem hybriden Büro, umgeben von Pflanzen, deren Photosynthese Energie für die Arbeitsplatzbeleuchtung liefert. Auf ihren holographischen Dashboards werden durch eine KI-Engine mit neutralem CO2-Fußabdruck Echtzeitdaten zur sozialen und ökologischen Wirkung laufender Projekte angezeigt – darunter eine neue digitale Plattform, die Bürgerinnen und Bürger mit lokalen Kreislaufwirtschaftsinitiativen verbindet. Während einer virtuellen Besprechung mit ihrem interdisziplinären Team wird Silke & Dominik ein neues Service-Design vorgestellt, das barrierefrei und ressourcenschonend Bürgeranliegen bearbeitet. Regenerative Arbeitsprinzipien werden durch flexible Zeitgestaltung und die Integration von BGM-Modulen wie digitalen Meditationseinheiten gefördert, sodass die CDOs und ihr Team fit, kreativ und wirkungsvoll arbeiten können. Der Tag endet für das CDO-Duo und einige ihrer Kolleginnen und Kollegen mit dem Walk'n'Talk, einem täglichen Spaziergang im Park, der bewusstes Denken und Innovation anregen soll.

Zurück in die Gegenwart

Für Chief Digital Officers (CDOs) in der deutschen öffentlichen Verwaltung sollte es lohnenswert sein, sich heute schon mit Deep Design und der Donut-Ökonomie zu beschäftigen, weil beide Konzepte entscheidend dazu beitragen können, die digitale Transformation wirkungsvoll, nachhaltig und bürgerorientiert zu gestalten. Das klingt nett? Ist es, hier sind die Gründe:

Donuts sind fettig, lecker und unschuldig. Donuts stehen für die Zukunft der Wirtschaft – und auch der Verwaltung. Eingebettet in einem natürlichen und dynamischen Gleichgewicht zwischen zwei Teigschichten. Die innere Schicht ist das soziale Fundament, die menschlichen Grundbedürfnisse. Wenn wir diese nicht erfüllen, fallen wir in ein Loch. Die äußere Teigschicht bilden die sogenannten planetaren Grenzen. Wenn wir diese Schwellen strapazieren oder ignorieren, fallen wir über den Rand. Dazwischen, in diesem saftigen inneren Teil, liegt also der zu gestaltende Raum für Gesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung, in dem gutes Leben möglich ist. (Wenn Sie Donuts nicht mögen, dürfen Sie ihn gegen einen Gugelhupf, einen Bagel oder ein Simit austauschen. Das Gebäck mag sich verändern, die Grundbedingungen für eine ­zukunftsfähige Wirtschaft und ­Verwaltung jedoch nicht.)

Gemeinwohl als Ziel

Das von der Ökonomin Kate Haworth 2012 vorgestellte Frittierteig-Gleichnis bietet einen anschaulichen Rahmen, um das Nummer-1-Ziel der Verwaltung zu erreichen, einen alle zufriedenstellenden Doppik-Hausha… – äh, nein: das Gemeinwohl. Was bedeutet das überhaupt für die öffentliche Verwaltung? Für meine Abteilung? Für mich als CDO? Und was ist meine Wirkung darauf? Und die meiner Abteilung? Und die der Verwaltung als Ganzes? Woran genau messen wir, ob wir wirkungsvoll sind? Die Antwort darauf können nur Daten liefern. Und menschliche Intuition. Und wo laufen diese beiden Sachen zusammen? Richtig, im Hausha... – ha! Nein: im CDO-Office.

Das CDO-Office ist also nicht nur Treiber der digitalen Transformation, sondern auch noch Treiber der nachhaltigen Transformation? Na, vielen Dank dafür. Genau die zusätzliche unlösbare undankbare Aufgabe, die sich alle (nicht!) gewünscht haben. Und dafür gibt es doch bitte das Nachhaltigkeitsbüro. Und ist Nachhaltigkeit nicht nur diese lästige Pflicht fürs Klima? Oder ist damit gemeint, die digitale Transformation nachhaltig zu gestalten? Oder soll die nachhaltige Transformation digital gestaltet werden? Das klingt schon mehr nach CDO-Office. Wie aber bringt man nun das Digitale in diesem Teigstück unter?

Die Donut-Ökonomie soll als Modell die wirtschaftliche Entwicklung innerhalb sozialer und ökologischer Grenzen sicherstellen; sie kann gewissermaßen das „Warum“ hinter all der Transformation verdeutlichen und ist aus folgenden Gründen für CDOs relevant:

  • Digitale Nachhaltigkeit: Digitalisierung verbraucht Ressourcen (z. B. Energie für KI, Rechenzentren etc.). CDOs können durch die Prinzipien der Donut-Ökonomie sicherstellen, dass digitale Lösungen ressourcenschonend gestaltet werden.
  • Soziale Gerechtigkeit: Öffentliche Dienstleistungen müssen ­alle Bürgerinnen und Bürger erreichen, unabhängig von deren sozialem oder wirtschaftlichem Hintergrund. Die Donut-Ökonomie betont die Bedeutung sozialer Mindeststandards und kann als Leitfaden dienen, um digitale Gräben zu schließen.
  • Strategische Planung & Resilienz: CDOs können durch Anwendung der Donut-Ökonomie sicherstellen, dass digitale Strategien langfristig sozial und zugleich ökologisch nachhaltig sind. Dies hilft der Verwaltung, sich auf die Herausforderungen des Klimawandels und gesellschaftlicher Veränderungen vorzubereiten.
  • Innovation: Die Donut-Ökonomie fördert zukunftsorientiertes Denken und kann neue Ansätze für nachhaltige digitale Projekte inspirieren, wie z. B. smarte Städte oder nachhaltige Mobilitätslösungen.

Daseinsvorsorge mit Wirkung

Deep Design, das ist kein neues Gebäckstück. Dieses Modell dient der Veranschaulichung, dass eine Organisation über tiefgreifende Gestaltungsmechanismen verfügt, mit denen sich Projekte und Maßnahmen realisieren lassen, die langfristig auf ein gleiches Ziel einzahlen. Im direkten Einzugsbereich des CDO-Office gehören hierzu beispielsweise die Daseinsvorsorge, die mit digitalen Mitteln effizienter und menschenzentrierter vonstatten geht, und das Wirkungsmanagement, das u.a. von einer ­effektiven Datenstrategie abhängt. Das CDO-Office muss es also mal wieder allein richten? Nein, vielmehr geht es darum, dass sich die öffentliche Verwaltung in komplexen Systemen befindet. Der Welt ging es gleichzeitig nie so gut und auch so schlecht wie heute – und dazwischen herrscht hochgradige Komplexität. Das Bild des Donuts liefert einen verständlichen Handlungsrahmen, um dieser Komplexität zu begegnen. Die Prinzipien des Deep Designs – verbunden mit der Frage: Womit habe ich wirklich langfristig positiven Einfluss? – können helfen, das komplexe ­Labyrinth der Möglichkeiten mit begehbaren und wirkungsvollen Pfaden zu versehen. Und das CDO-Office hat die Mittel der Gegenwart, um diese Pfade zu gehen.

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Fragen für die Zukunft

Deep Design betrachtet die tiefliegenden und grundlegenden organisationalen Bestandteile, die auf eine gesamte Organisation einwirken. Sie bilden das Fundament jeglichen Handelns und jedweder Praktiken. Und die beste Nachricht: Jede Führungskraft kann Einfluss nehmen und dadurch entscheidend Verantwortung übernehmen! Die Relevanz für CDOs besteht u.a. in den folgenden Themenbereichen.

  • Daseinsvorsorge: Deep Design stellt die Frage in den Mittelpunkt: Was wollen wir wirklich mit dieser Maßnahme erreichen? Damit stellt es bei digitalen Dienstleistungen die Bedürfnisse und Erwartungen der Bürger und Unternehmen in den Mittelpunkt, widmet sich zugleich der Frage nach der Wirkung der umgesetzten Maßnahme. Dies ermöglicht es, digitale Dienstleistungen so zu gestalten, dass sie den Bedürfnissen und Erwartungen der Bürger besser entsprechen, wenn also z. B. digitale Antragsverfahren vereinfacht und barrierefreier gestaltet werden.
  • Entscheidungsstrukturen: Im Deep-Design-Ansatz wird genau hingeschaut, wie Entscheidungen getroffen werden. Welche Lernmechanismen gibt es in der Entscheidungsfindung? Werden Anstrengungen unternommen, vielfältige Perspektiven einzunehmen? Dies dient auch dem Ziel, digitale Abläufe effizienter und nutzerfreundlicher zu gestalten und iterativ nachzubessern, indem diverse Interessensgruppen frühzeitig in Prozesse einbezogen werden.
  • Wirkung: Die Wirkung einer Maßnahme kann unterschiedliche Formen annehmen. Mit Deep Design wird identifiziert, welche verschiedenen Wirkungsformen es gibt, welche für die jeweilige Maßnahme priorisiert werden und wie die Organisation von der Wirkungsmessung lernen kann.
  • Systemische Problemlösung: Öffentliche Verwaltungssysteme sind oft komplex und fragmentiert. Zudem sind sie selber in mindestens komplizierten, meist hochkomplexen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Systemen aktiv. Deep Design hilft dabei, diese Systeme zu analysieren, Silos abzubauen und langfristige, nachhaltige Lösungen durch wirkungsorientiertes strategisches Zusammenspiel zu entwickeln.

Im Sinne von ganzheitlicher Transformation betonen beide Ansätze die Notwendigkeit, nicht nur auf kurzfristige Effizienz zu setzen, sondern systemweite Veränderungen voranzutreiben. Wenn man beide Konzepte klug verknüpft, ­also Nachhaltigkeit und cleveres Design mit zukunftsorientierten Fragestellungen zusammenführt, können durch die Kombination von Deep Design und Donut-Ökonomie digitale Angebote für die Gesellschaft, für Bürgerinnen, Bürger und die Wirtschaft entstehen, die innovativ, nutzerfreundlich und nachhaltig sind. Gleichzeitig wird das CDO-Office zu einer Vorbild-Organisationseinheit, die aus ihren Entscheidungen und Maßnahmen lernt, indem sie aktiv deren Wirkung misst und kommuniziert. Davon könnten andere Abteilungen wiederum lernen. Darauf einen Donut!

Andreas Steffen(©  NEGZ)
Andreas Steffen
(© NEGZ)

Die Autoren:

Andreas Steffen ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des NEGZ, dort auch Co-Sprecher des CDO-Zirkels und beschäftigt sich seit 1996 mit Digitalisierung, Transformation und Innovation. Er ist Gründer und Managing Director der Berliner Beratungsagentur 5STEP.

Maximilian Düerkop(©  privat)
Maximilian Düerkop
(© privat)

Der Wirtschaftswissenschaftler Maximilian Düerkop mit Schwerpunkten in Psychoökonomie und nachhaltiger Transformation ist freiberuflicher Berater bei 5STEP und berät Unternehmen zu regenerativem Wirtschaften, Sustainability und Wirkungsanalyse.

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