Über 950 Jahre Stadtgeschichte – und tausend persönliche Geschichten

Das Digitale Stadtgedächtnis Coburg

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Dialog zwischen den Generationen

Jeder Bürger hat seine eigene Geschichte. Das Leben und die Atmosphäre einer Stadt werden von den Erlebnissen der Einwohner geprägt. Die historischen Fakten und die Erinnerungen bilden eine Schnittstelle zwischen der Vergangenheit und Gegenwart. Das Digitale Stadtgedächtnis sucht nicht die ganz großen Geschichten, sondern die vielen kleinen Erlebnisse – sie alle gehören zu einem Stadtgedächtnis. Das Herz des Digitalen Stadtgedächtnisses ist daher auch die Zeitzeugenarbeit. Ziel ist es, möglichst viele Bürger – und insbesondere die Senioren – dazu zu bewegen, ihre Erinnerungen niederzuschreiben und auf der Internetplattform zu veröffentlichen.

Die Barriere „Internet“ muss allerdings dazu für die Senioren durchbrochen werden. Ängste und Zweifel dem neuen Medium gegenüber müssen ausgeräumt und technische Fragen erklärt werden. Gemeinsam mit dem AWO-Mehrgenerationenhaus wurde daher eine Kooperation gebildet. Schüler einer Coburger Realschule erklären Senioren, wie sie eigene Beiträge in das Digitale Stadtgedächtnis einstellen können und helfen, die Erinnerungen zu formulieren. Dies fördert den Dialog zwischen den Generationen: Die Jungen lernen etwas aus der jüngeren Geschichte und die Senioren den Umgang mit dem PC und dem Medium Internet.

„Die Kombination aus dokumentierter, also wissenschaftlich fundierter Geschichte und den ganz individuellen Geschichten der Bürger, eben „G´schichtla“ wie man in Oberfranken sagt, ist ungemein spannend“, so Oberbürgermeister Norbert Kastner. „Wir konservieren auf diese Art eine unglaubliche Menge an Informationen für die nachfolgenden Generationen, die sonst in vielen Fällen verloren gehen würde. Unser Bezirksheimatpfleger hat bei der Auftaktveranstaltung ein afrikanisches Sprichwort zitiert, das das Ziel des Digitalen Stadtgedächtnisses hervorragend beleuchtet: ‚Wenn ein alter Mensch stirbt, verbrennt eine Bibliothek‘ – in Coburg haben wir mit der Internet-Plattform jetzt die Chance dem entgegenzuwirken und unseren nachfolgenden Generationen eben nicht nur belegte, sondern auch erlebte Geschichte und Geschichten zu hinterlassen.“

Im Januar 2010 startete das Digitale Stadtgedächtnis mit einer „Zeitzeugenreihe“. Schüler verschiedener Coburger Gymnasien und Realschulen interviewten und filmten Senioren zuhause, bereiteten die Beiträge auf und stellen sie ins Digitale Stadtgedächtnis. Die Schüler haben zuvor eine Schulung erhalten, in der sie die Techniken des Zeitzeugeninterviews erlernen konnten. Das Besondere an dieser Projektarbeit: der persönliche Kontakt zu den Bewohnern von Pflegeheimen und Senioren, die ihre Wohnung nicht mehr verlassen können.

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