Besuch des Bundesdigitalministers in Augsburg Bund und Freistaat im Projekt mit bayerischen Pilotkommunen

Von Nicola Hauptmann 4 min Lesedauer

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Beim Besuch von Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger in Augsburg am 27. Oktober 2025 standen zwei Themen im Fokus: Ein KI-Modellprojekt und – für die Verwaltungsdigitalisierung – das gemeinsame Projekt von Bund und Freistaat mit sechs bayerischen Pilotkommunen, darunter Augsburg.

Für die Verwaltungsdigitalisierung ein ungewohntes Ambiente: Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber, Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger, Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring und MdB und Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Digitales und Staatsmodernisierung Hansjörg Durz bei ihrem Rundgang im KI-Produktionsnetzwerk Augsburg.(Bild:  Nicola Hauptmann)
Für die Verwaltungsdigitalisierung ein ungewohntes Ambiente: Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber, Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger, Bayerns Digitalminister Dr. Fabian Mehring und MdB und Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Digitales und Staatsmodernisierung Hansjörg Durz bei ihrem Rundgang im KI-Produktionsnetzwerk Augsburg.
(Bild: Nicola Hauptmann)

Der Besuch von Bundesdigitalminister Dr. Karsten Wildberger in Augsburg begann inmitten von Robotern, im KI-Erlebnisraum „Halle 43“ des KI-Produktionsnetzwerks Augsburg. Gefördert vom Freistaat arbeitet der Verbund bereits seit fünf Jahren mit inzwischen schon knapp 800 Unternehmen zusammen: Vom Start-ups bis hin zu großen Unternehmen können sich alle mit ihren Projekten und Anliegen zum KI-Einsatz an das Netzwerk wenden. Was mit Hilfe von künstlicher Intelligenz bereits möglich ist, dazu gab es für die Gäste – neben dem Bundesdigitalminister auch der bayerische Digitalminister Dr. Fabian Mehring, Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber und der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Digitales und Staatsmodernisierung MdB Hansjörg Durz –direkte Einblicke an den einzelnen Stationen der Halle. Ein Beispiel: Die Eigenschaften der eingesetzten (recycelten) Materialien schwanken, mit Hilfe von KI sollen die Prozesse so gesteuert und optimiert werden, dass im Ergebnis trotzdem stets die gewünschten Resultate in gleichbleibender Qualität erzielt werden.

Prozesse, die sich anpassen und auch bei ganz unterschiedlichen Voraussetzungen den besten Output liefern? Man mag hier kurz versucht sein, von einem Pendant für die Verwaltungsdigitalisierung zu träumen – in der anschließenden Pressekonferenz kamen reale Vorhaben und Herausforderungen zur Sprache: Dr. Wildberger ging auf die Modernisierungsagenda näher ein, die Anfang Dezember verabschiedet werden soll, und auf die „Brettbohrungen“ zur Digitalisierung: Zentralisierung von Leistungen, Prozessautomatisierung mit KI und die Zusammenarbeit mit Ländern und Kommunen – wie die Projekte des Bundes mit Pilotkommunen in Bayern und Hessen, die als Fokusthema der Pressekonferenz angekündigt waren. Diese Projekte sollen eruieren, welche Kriterien für einen schnellen Roll-out von digitalen Verwaltungsleistungen entscheidend sind und Blaupausen für ein flächendeckendes Angebot an digitalen Verwaltungsleistungen entwickeln.

Bayern-Packages als Blaupause?

Dass die Wahl auf Bayern gefallen sei, habe damit zu tun, „dass wir beim Ranking des Bundes im Sommer in der Erhebung die ersten 50 Plätze deutschlandweit belegt haben“, erklärte Dr. Fabian Mehring, „Augsburg ist die Nummer 1 in ganz Deutschland gewesen, 90 der ersten 100 Plätze waren bayerisch“. Als Erfolgsfaktoren für die Vorreiterstellung Augsburgs nannte Oberbürgermeisterin Eva Weber den strategischen Digitalisierungsansatz seit 2017, die Zusammenarbeit mit München und Nürnberg sowie die Gründung des Digitalrats 2021.

Was ist im Pilotprojekt nun genau geplant? Bereits bekannt waren die beteiligten Kommunen. In Bayern sind das neben Augsburg die Stadt Aschaffenburg, die Landkreise Kelheim und Regensburg sowie die Kommunen Meitingen und Pullach (Gemeinde). Weitere Informationen gab es in der Konferenz sowie auf Nachfrage der Redaktion.  Was bringt der Bund mit? Man lerne dazu, so der Bundesdigitalminister, bringe auch etwas Geld mit. Es sei das schnellste Pilotprojekt, das er je erlebt habe, sagte Fabian Mehring: Zwei Wochen nach der Vereinbarung habe schon die erste Kick-off-Veranstaltung stattgefunden. An den Workshops, die Anfang Oktober starteten, hätten jeweils Vertreter der kommunalen Verwaltung, des bayerischen Digitalministeriums sowie des BMDS teilgenommen.

Als entscheidend für die Vorreiterstellung Bayerns und somit auch für die Auswahl als Pilotland beschrieb er die „BayernPackages“ – gebündelte digitale Verwaltungsleistungen, die von Freistaat und Kommunen gemeinsam finanziert werden. Das Land übernimmt dabei 50 Prozent der Kosten sowie die Implementierungskosten. Die Idee sei jetzt, „aus diesen Bayern-Packages sozusagen Deutschland-Packages zu machen“, so der bayerische Digitalminister.

Die Workshops mit den Kommunen sind inzwischen abgeschlossen, wie das Bayerische Digitalministerium informierte. Das strukturierte Vorgehen über die BayernPackages sei dabei besonders hervorgehoben worden. Nun würden die Ergebnisse analysiert und die nächsten Schritte in einem iterativen Prozess definiert, erläuterte Fabian Mehring. „Aber das Ziel ist schon, dass wir es schaffen wollen, innerhalb eines Jahres die ausgerollten Leistungen zu verdoppeln".

Aus Sicht des Bundes

MdB Hansjörg Durz, Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Digitales und Staatsmodernisierung, erläuterte den Hintergrund des Pilotprojekts aus Sicht des Bundes: Davon ausgehend, dass der Rollout der OZG-Leistungen nicht funktioniert habe, obwohl es jeweils Pilotprozesse gab, solle nun mit Pilotkommunen der unterschiedlichsten Größenordnungen herausgefunden werden, welche Hindernisse es beim Rollout gab. Wie eine Sprecherin des BMDS auf Nachfrage erklärte, ist es das Ziel der Einbindung von Pilotkommunen, sowohl Erfolgsfaktoren als auch „Pain Points“ beim Thema „Bereitstellung von EfA-Diensten für die Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen“ gemeinsam zu erarbeiten, erklärte eine Sprecherin des BMDS auf Nachfrage.

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Ergebnisse bis Frühjahr 2026 erwartet

Wie die Sprecherin weiter erläuterte, sollen nach Abschluss der Workshops mit den Kommunen „weitere Gespräche mit Verbänden und Dienstleistern und ggf. weiteren in den Workshops identifizierten Stakeholdern“ folgen. Im Anschluss solle dann die Analyse der Ergebnisse bzw. die Identifikation der Erfolgsfaktoren erfolgen. „Diese Ergebnisse fließen in die Erstellung der Blaupause für ein flächendeckendes Angebot an digitalen Verwaltungsleistungen ein, welche im Frühjahr 2026 finalisiert werden wird." Dieses solle sowohl für Bayern als auch für andere Bundesländer genutzt werden. Eine Verschriftlichung der Ergebnisse sei vorgesehen. Noch nicht entschieden sei, „ob und in welcher Form eine Veröffentlichung stattfinden soll“.

Über das KI-Produktionsnetzwerk Augsburg

Das KI-Produktionsnetzwerk Augsburg ist ein Verbund der Universität Augsburg, des Fraunhofer-Instituts für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV, des Zentrums für Leichtbauproduktionstechnologie (ZLP) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Augsburg und der Technischen Hochschule Augsburg. Gemeinsam mit weiteren beteiligten Industriepartner aus der Region wollen sie KI-basierte Produktionstechnologien an der Schnittstelle zwischen Werkstoffen, Fertigungstechnologien, datenbasierter Modellierung und digitalen Geschäftsmodellen erforschen. Der Freistaat Bayern fördert das Projekt mit 92 Millionen Euro im Rahmen der Hightech Agenda Plus. Das Netzwerk berichtet über inzwischen knapp 800 Firmenkontakte, 198 geförderte Projekten mit einem Gesamtvolumen von knapp 400 Millionen Euro sowie die Betreuung von 26 Start-up-Teams (davon 16 gefördert).

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