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„Bei Fachverfahren drängt sich Open Source geradezu auf“

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Das ZenDiS gibt es seit rund ­einem Jahr. Sind Sie mit der bisherigen Bilanz zufrieden?

Horstmann: Als ich im Oktober 2024 die Geschäftsführung des ZenDiS übernommen habe, war ich beeindruckt davon, was das Team in so kurzer Zeit aufgebaut hat. Dieser Eindruck hält sich bis heute.
Mit openDesk steht der Verwaltung eine Office & Collaboration Suite zur Verfügung, die die bestehenden Arbeitsplatzanwendungen gut ersetzen kann. Wenige Monate nach dem Launch liegen mehr als 1.500 Projektanfragen zu openDesk vor – aus Bund, Ländern und Kommunen – und fast 70.000 Enterprise-Lizenzen sind aktiv. Auch unsere Plattform openCode hat sich in dieser Zeit stark weiterentwickelt. Ursprünglich als Software-Verzeichnis gestartet, hat sie den Sprung zur Plattform für die Digitale Souveränität geschafft – mit einer Vielzahl an Services, die die Verwaltung zum Einsatz von Open Source befähigen, beispielsweise ein Lizenzclearing und eine große Wissensdatenbank. Mehr als 5.500 Nutzende arbeiten heute in über 2.400 Projekten föderal übergreifend gemeinsam auf openCode an Software, Rahmenarchitekturen und Standards.
Ganz neu auf openCode ist ein Badge-Programm – das sind digitale Siegel –, das die Qualität und Sicherheit von Software transparent macht. In der ersten Ausbaustufe deckt die automatische Prüfung Lizenzierung, Pflege und Nachnutzung ab. Die Sicherheitsprüfung ist in Arbeit.

Wir kennen Fälle, in denen Anbieter proprietärer Fachverfahren die mit Steuergeldern entwickelte Software abkündigen. Die Verwaltung steht dann ohne Lösung da, obwohl sie unter Umständen über Jahre hohe Summen in die Entwicklung investiert hat.

Ist es überhaupt möglich, die öffentliche Verwaltung komplett auf Open Source umzustellen? Wie sieht es zum Beispiel mit den Fachanwendungen aus?

Horstmann: Die Abhängigkeit beim PC-Arbeitsplatz können wir auflösen, indem wir openDesk ausrollen. Die Software ist verfügbar und erste große Behörden haben die Migration erfolgreich abgeschlossen. Auf der Betriebssystemebene bietet sich Linux an, das läuft seit über 30 Jahren stabil. Dasselbe gilt für Datenbanken: Mit PostgreSQL steht seit Jahrzehnten eine hochperformante Open-Source-Lösung zur Verfügung. Etwas herausfordernder wird es bei der Virtualisierung – doch auch hier gibt es mit Proxmox und OpenStack valide Alternativen.
Bei Fachverfahren drängt sich Open Source geradezu auf. Wir haben allein 11.000 Kommunen in Deutschland und sehen unglaublich viele Parallelentwicklungen für dieselben Anwendungsfälle. Das ist ineffizient, teuer und langsam. Auch kennen wir Fälle, in denen Anbieter proprietärer Fachverfahren die mit Steuergeldern entwickelte Software abkündigen. Die Verwaltung steht dann ohne Lösung da, obwohl sie unter Umständen über Jahre hohe Summen in die Entwicklung investiert hat. Wäre die Software Open Source, könnte sie von einem anderen Dienstleister weiter betrieben und entwickelt werden. Das wäre nachhaltiger und günstiger.
In allen Fällen kommt unserer Plattform openCode eine elementare Rolle zu: Auf ihr können Verwaltung und Hersteller gemeinsam und effizient Anwendungen und Fachverfahren entwickeln und nachnutzen – und tun das bereits umfangreich.

Was ist vonseiten des ZenDiS für das laufende Jahr geplant?

Horstmann: Neben der Verstetigung und Weiterentwicklung unserer bestehenden Angebote und der Arbeit an einer sicheren und souveränen Videokonferenzlösung planen wir, unser Produktportfolio um souveräne Lösungen in den Bereichen KI, Datenbanken und Virtualisierung zu ergänzen. Außerdem steht der Aufbau eines weiteren Geschäftsbereichs mit Fokus auf Beratung auf der Agenda. Hier geht es darum, die Verwaltung zu Auswahl, Beschaffung, Betrieb und (Nach-)Nutzung von Open-Source-­Software zu befähigen. Dazu gehört die Entwicklung von Exit-Szenarien und Migrationsstrategien ebenso wie Technologie-Scouting. Auch der Souveränitätscheck und das Lagebild sollen hier entstehen.
Es kann aber auch alles ganz anders kommen. Sobald die Trump-Administration die digitale Abhängigkeit Deutschlands als Hebel nutzt, um die eigene Agenda umzusetzen, wird es zu einer Situation kommen, in der wir in kürzester Zeit auf alternative Lösungen umsteigen müssen. Dann werden wir – den politischen Willen und die entsprechenden Investitionen vorausgesetzt – beim ZenDiS als Speerspitze dieser Umstellung agieren und sehr schnell in die Skalierung gehen. Die ursprünglichen Planungen für das laufende Jahr sind dann ganz schnell obsolet.

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