Mit Projekten wie KIPITZ unterstreicht die Bundesregierung ihre Ambitionen, den KI-Einsatz zur Verbesserung von Behörden auszuweiten. Ein Bereich, in dem Behörden agentische KI bereits einsetzen können, ist die Softwareentwicklung im öffentlichen Sektor.
Agentische KI-Systeme können eigeninitativ Entscheidungen treffen und gemeinsam mit dem Development-Team komplexe Aufgaben bewältigen.
Die Bundesregierung treibt den KI-Einsatz in Behörden voran. KI-Werkzeuge und Algorithmen sollen allen behördlichen Nutzern zur Verfügung stehen, einschließlich der öffentlichen Verwaltungen. Ziel ist es, den Nutzen für Steuerzahler zu steigern, die Qualität lokaler und nationaler öffentlicher Dienstleistungen zu verbessern und die operative Effizienz zu erhöhen.
Agentische KI-Systeme sind in der Lage, eigenständig Initiative zu ergreifen, Entscheidungen zu treffen und komplexe Aufgaben in Zusammenarbeit mit Entwicklungsteams auszuführen. Dies beschleunigt den Software-Lebenszyklus und ermöglicht es Teams, Software schneller bereitzustellen bei gleichzeitiger Einhaltung von Sicherheits- und Compliance-Standards. Diese Funktionen bieten praktische Anwendungen für Behörden: automatisierte Fehlerbehebung, Code-Reviews, Testgenerierung, Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien und Change-Management.
Über eine gesteigerte Effizienz hinaus unterstützen agentische KI-Systeme kosteneffiziente Modernisierungsvorhaben: die Reduzierung technischer Schulden, die Behebung von Sicherheitslücken und das Refactoring von Legacy-Anwendungen, auf die Bundesbehörden seit langem angewiesen sind. Agentische KI könnte Lösungen für langjährige Herausforderungen bieten, beispielsweise die Ablösung veralteter Systeme und Legacy-Code wie COBOL.
Rahmenbedingungen für den Einsatz in Bundesbehörden
Die Nutzung von KI-Agenten in Behörden erfordert eine grundlegende Anpassung bestehender Entwicklungsprozesse in Richtung Mensch-KI-Zusammenarbeit. Dabei geht es nicht darum, qualifizierte Softwareentwickler zu ersetzen, sondern ihre Fähigkeiten zu erweitern und ihre Rollen neu zu definieren, um die spezifischen missionskritischen Herausforderungen des öffentlichen Sektors zu adressieren.
Agentische KI-Systeme müssen europäischen Datenschutzstandards entsprechen und die Anforderungen des EU AI Act erfüllen. Die Nutzung von Open-Source-Ansätzen und europäischen KI-Modellen kann Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern reduzieren. Behörden können durch selbstverwaltete KI-Agenten sowohl Effizienzgewinne als auch Technologiesouveränität erreichen.
Um langfristige Vorteile zu realisieren, müssen Bundesbehörden ihre Entwicklungsrahmen und -prozesse überdenken. Dies beginnt mit einem iterativen Ansatz zur Implementierung von KI und entwickelt sich zu einem kontinuierlichen Verbesserungszyklus.
Systematische Implementierung in vier Schritten
Schritt 1: Grundlegende Vertrautheit mit KI-Unterstützung aufbauen
Für Entwicklungsteams, die neu im Umgang mit KI sind, besteht der erste Schritt darin, Vertrautheit mit KI-gestützter Programmierung, Dokumentation und einfacher Problemlösung in risikoarmen Bereichen aufzubauen. Dies stellt sicher, dass Behörden Best Practices entwickeln können, während sie Fallstricke wie Datenlecks und Sicherheitslücken vermeiden.
Sobald Entwicklungsteams ein grundlegendes Maß an Vertrautheit mit KI aufgebaut haben, können sie die KI-Anwendungsfälle im gesamten Software-Lebenszyklus erweitern. Der Fokus liegt dabei auf repetitiven, zeitintensiven Workflows, in denen KI unmittelbaren Nutzen schaffen kann bei minimaler Störung bestehender Prozesse. Dies entlastet Entwickler von monotonen Aufgaben und ermöglicht es ihnen, sich auf kritische Herausforderungen und strategisches Denken zu konzentrieren.
Schritt 2: Governance- und Interoperabilitätsstandards etablieren
Wenn Teams sich im Umgang mit KI-Unterstützung für einzelne Anwendungsfälle sicherer fühlen, können Behörden klare Richtlinien für die Nutzung von KI-Werkzeugen entwickeln. Diese umfassen Datenzugriffsberechtigungen, Sicherheitsprotokolle und Qualitätsstandards.
Die Bundesregierung hat Behörden und Datenverantwortliche auf Bundesebene ermutigt, Kriterien für Dateninteroperabilität zu etablieren, Datenformate zu standardisieren und Prozesse zur Bewältigung von Sicherheitsrisiken zu entwickeln. Für Bundesbehörden, die vertrauliche Informationen verwalten, ermöglichen diese Standards den Betrieb von Agenten innerhalb der Parameter behördlicher Compliance-, Sicherheits- und Missionsanforderungen.
Stand: 08.12.2025
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Diese Standards schaffen Handlungsfähigkeit, anstatt zu beschränken. Datenprotokolle standardisieren, wie KI-Systeme Informationen austauschen und plattformübergreifend zusammenarbeiten können. Dies stellt sicher, dass Behörden Dateninteroperabilität und konsistente Datenformate aufrechterhalten und KI-Werkzeuge abteilungsübergreifend nutzen können.
Schritt 3: KI-Agenten strategisch einführen und skalieren
Behörden sind nun bereit, KI-Agenten für in sich geschlossene Entwicklungsaufgaben mit einem gewissen Grad an Autonomie einzusetzen.
Die Ermöglichung von Autonomie erweitert den Umfang der Aufgaben, die Agenten bewältigen können, über die Fähigkeiten eines einzelnen Agenten hinaus. Sie ermöglicht es mehreren Agenten, gemeinsam an komplexen Projekten zu arbeiten.
Agenten können zu einem integralen Bestandteil des End-to-End-Software-Lebenszyklus werden. Agenten können auf einer einzigen Plattform residieren und interagieren, was die Bereitstellung vollständigen Kontexts für agentische KI-Interaktionen vereinfacht und ermöglicht.
Bundesbehörden sollten Entwickler darin fördern, die Fähigkeiten zu verfeinern, die für eine effektive KI-Zusammenarbeit wesentlich sind: kritisches Denken, komplexe Problemlösungsfähigkeiten und Kreativität. Die Partnerschaft zwischen KI-Agenten und qualifizierten, KI-versierten Entwicklern ermöglicht neue Anwendungsfälle und eine schnellere, sicherere Software-Bereitstellung zur Unterstützung der Missionen der Bundesregierung.
Schritt 4: Kontinuierliche Verbesserung durch Feedback und Schulung
Behörden müssen ihre KI-Implementierungs-Workflows kontinuierlich iterieren, auch wenn KI-Agenten autonome Fähigkeiten und Kollaborationsmöglichkeiten erreichen. Um den Nutzen der KI-Investition zu maximieren, sind Systeme erforderlich, die die Leistung von Agenten mit klaren Metriken und Korrekturprotokollen überwachen.
Fortlaufende Schulungsprogramme für Entwickler, IT-Führungskräfte und andere Bundesmitarbeitende sind für nachhaltigen Nutzen entscheidend, insbesondere solche mit Fokus auf KI-Kompetenz. Behörden können in KI-Kompetenz investieren durch Schulungsprogramme mit Schwerpunkt auf Prompt Engineering, KI-Kollaborationstechniken und effektiver Systemüberwachung. Diese Kompetenzen sind für die effektive Nutzung agentischer KI-Systeme in Behörden entscheidend.
Herausforderungen bei der Implementierung
Die Integration agentischer KI-Systeme in Behördenstrukturen bringt spezifische Herausforderungen mit sich: Die föderale IT-Struktur in Deutschland erschwert einheitliche Datenformate und Standards. Budgetbeschränkungen im öffentlichen Sektor erfordern sorgfältige Priorisierung von Investitionen. Vergabe- und Beschaffungsverfahren verlängern Implementierungszyklen. Change-Management-Prozesse müssen die Akzeptanz bei Mitarbeitenden gewährleisten und umfassende Schulungsprogramme berücksichtigen.
Perspektiven für KI-gestützte Entwicklung in Behörden
Agentische KI erweitert die Möglichkeiten, wie Software konzipiert, entwickelt, bereitgestellt und gewartet wird, die die Bundesregierung betreibt.
Der Übergang zu KI-gestützter Softwareentwicklung stellt sowohl erhebliche Chancen als auch strategische Herausforderungen für Behörden dar. Behörden, die KI-gestützte Entwicklung strategisch nutzen, erzielen messbare Effizienzgewinne. Organisationen, die neue Anwendungsfälle systematisch erschließen statt defensiv zu reagieren, setzen ihre Missionen am schnellsten um. Genau hier erweitern KI-Fähigkeiten die menschliche Kreativität und das strategische Denken – und ermöglichen damit eine effizientere Erfüllung des öffentlichen Auftrags.
André Braun ist seit 2020 Head of DACH bei GitLab. Mit über 30 Jahren Erfahrung in der IT-Branche hat er in führenden Management- und Landesleiterpositionen bei Unternehmen wie Acer, EMC und Dell gearbeitet. Vor seinem Wechsel zu GitLab baute und leitete er das Hybrid-Cloud-Geschäft von NetApp in der DACH-Region. Als gefragter Experte für DevOps und Cloud-Technologien teilt er sein Wissen regelmäßig als Referent auf renommierten IT-Veranstaltungen, darunter die IDC DevOps Conference.