Die eID überträgt die Sicherheit der analogen Welt in die digitale Welt. Doch auf der eID-Fachkonferenz in Berlin zeigte sich schnell: Für die Akzeptanz der eID muss noch einiges getan werden. Es braucht beispielsweise einfache, simple Anwendungsfälle.
Die deutsche eID gilt als eines der weltweit besten Produkte für die sichere digitale Identität.
(Bild: Arnon – stock.adobe.com)
Erst mit der BundID anmelden, die neue Adresse eingeben, auf einen Brief mit Code warten, nochmals mittels BundID anmelden und den Code eingeben, anschließend auf das zugeschickte Adressaufkleber warten – das ist der Prozess, wenn man sich digital ummelden möchte. Die Adresse, die auf dem Ausweis gespeichert ist, ist dann allerdings noch nicht geändert. Das kann spätestens am Flughafen zu Problemen führen. „Das ist kaum an Absurdität zu übertreffen“, so Hauke Haverkamp, Bezirksamt Reinickendorf von Berlin, Leitung BüD AL, auf dem eID-Fachkongress. Natürlich gebe es bestimmte Rechtsvorschriften, die zu entsprechenden Prozessen führten, aber dies schaffe solche Probleme, dass man auf den Behörden keine Angst habe, dass die Arbeit ausgehe könnte.
Doch nicht vorhandene beziehungsweise zu umständliche digitale Verfahren, sind nicht die einzige Hürde, vor der sich die eID sieht. Sie sind nur Teil eines Teufelskreises: Zu wenig Anwendungen führen dazu, dass es zu wenige Nutzer für die eID gibt und das führt wiederum dazu, dass keine Eile besteht, neue Anwendungen zu entwickeln. Das bestätigte auch Robin Mesarosch, Mitglied im Ausschuss für Digitales und im Ausschuss für Klimaschutz und Energie.
Lydia Hüsken ist Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH/Natalie Ziebolz)
Wichtig sei bei den Anwendungen jedoch, das das Ausweisen im Digitalen einfach gestaltet sei. Schließlich sei dies kein alltäglicher Prozess, so Lydia Hüsken, Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt: „Ich meine, richtig simple.“ Sie veranschaulicht das Ganze anhand des Beispiels Flughafen: Hier seien die meisten Menschen auch nicht täglich, und bereits kleine Änderungen wie das eigenständige Wiegen des Koffers führten dazu, dass die meisten Reisenden gestresst seien. „Das ist ein Bild, dass wir uns, glaube ich, immer wieder vergegenwärtigen müssen, wenn wir über digitale Vorgänge sprechen, denn wir erwarten von den Menschen, dass sie etwas anders machen, als sie bisher getan haben – und in diesem Fall etwas, dass sie eher selten im Jahr tun.“
Gleichzeitig ist es nötig, konkrete Anwendungsfälle zu implementieren, wie Haverkamp aus der Praxis berichtet. So ließen sich die Kunden am einfachsten überzeugen. Wenn die Mitarbeiter in Bezirksamt Reinickendorf Kunden etwa darauf hinwiesen, sie könnten ihr Führungszeugnis auch am Serviceterminal selbst beantragen, nehmen 20 Prozent diese Gelegenheit war.
Werbung, Promotion, Marketing, darauf wies auch Rudolf Philipeit, Vorstandsvorsitzender buergerservice.org e.V., mehrfach hin, seien das A und O, um die eID zum Erfolg zu führen. Doch genau daran hapere es aktuell: Wenn man sich die vier Ps des Marketing anschaue, dann käme der Bund mit seinen Bemühungen hier nicht gut weg. Geht es um die Themen Product (Produkt) und Price (Preis), so seien die Anforderungen noch erfüllt. Bereits beim Place (Ort) jedoch nicht mehr. Es fehle eindeutig an Schulungen für die Verwaltungsmitarbeitenden, die Bürger und Bürgerinnen würden zu wenig über die eID informiert und damit würde auch nicht ihr Interesse geweckt. Ähnlich schlecht sieht es in puncto Promotion (Werbung) aus: Es gibt keine Öffentlichkeitsarbeit, keinen Produktauftritt auf Social Media, keine Messen und Verkaufsveranstaltungen, Partnerschaften oder Sponsoring, kein Produkt-Placement und kein Online-Marketing – kurz um: es passiert hier nichts.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH/Natalie Ziebolz)
Die Menschen seien ja neugierig, so Philipeit. „Es ist nicht so, dass sie sagen, dass wollen wir gar nicht wissen.“ Sobald man sie darauf hinweise, was der Online-Ausweis leisten kann, wecke man diese Neugier. Und hier kann jedes Amt selbst ansetzen: In Kassel etwa wird über Bildschirme im Wartebereich auf die eID hingewiesen. Dort lässt sich beispielsweise auch der QR-Code zur Ausweis-App integrieren.
Buergerservice.org nannte jedoch noch weitere Ansatzpunkt, wie das eID-Transformationsmanagement sinnvoll vorangebracht werden könnte: So könnte es auch helfen, den eID-Einsatz im persönlichen Alltag anzubieten, so dass die Nutzung des Ausweises zu etwas Alltäglichem wird. Dafür bietet sich beispielsweise der Einsatz zum Login am eigenen PC oder für fälschungssichere Unterschriften an. Es sollten aber auch die eID-Einbindung und Geschäftsmodelle unterstützt werden. Anstelle einer händischen Unterschrift könnte beispielsweise die eID mit PIN gefordert werden, es könnten aber auch eID-Geschäftsmodelle für Anbieter erlaubt werden (VideoIdent, Gegenmaßnahme zu Hate im Internet, DMS).
Doch nur die Bürgerservices zu betrachten wird auf Dauer auch nicht zielführend sein. „Ich denke, wir haben uns jetzt sehr stark Richtung Bürgerservice orientiert, aber trotzdem werden wir die eID nicht über dieses Thema etablieren“, so Ralf Degner, Leiter Digital Offices bei der Techniker Krankenkasse. Im Laufe der Veranstaltung sei bereits angesprochen worden, dass die Bürger und Bürgerinnen lediglich 1,5 Kontakte pro Jahr mit den Behörden hätten. Dies sei bei weitem nicht ausreichend, um die eID zu etablieren. „Deswegen wäre es umso wichtiger, dass wir in die Breite gehen“, folgert Degner. Das heiße auch, es sollten nicht mehrere Systeme gleichzeitig existierten. Dies würde die Verbreitung nur erschweren. „Wir als Gesundheitssektor gehören auch zur öffentlichen Verwaltung, wir unterliegen auch dem OZG, aber trotzdem nutzen wir nicht einmal in diesem Bereich, wo es nur um Politik geht, nicht um Markt und Wettbewerb, das gleiche System.“ Dabei würden mit der Integration des Gesundheitssystems in die eID schlagartig ein ganzer Lebensbereich Einzugerhalten, mit dem die Leute weit öfter in Interaktion treten.
Stand: 08.12.2025
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