Verwaltung

Warum die Digitalisierung noch nicht stattfindet

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Für das digitale Zeitalter muss Verwaltung in Deutschland jedoch komplett neu sowie gänzlich anders gedacht und eine ausufernde Bürokratie gegen eine kundenzentrierte Serviceorientierung ausgetauscht werden. Wo heute noch persönlich ein Antrag gestellt werden muss, sollte morgen das neue Zielbild vorherrschen, dass der „Kunde“ von der Verwaltung automatisch seine Leistungen ohne Antrag erhält, weil diese aufgrund von gespeicherten Daten errechnet und ihm direkt zugewiesen werden können.

Auch besteht immer noch die Vorstellung, dass der gesamte technologische, organisatorische und regulatorische Aufwand von jeder Verwaltungseinheit einzeln und selbst erbracht werden soll. Diese Erwartungshaltung zeigt, dass keine realistische Vorstellung davon existiert, wie komplex dieses Unterfangen ist. Es wird auch weiterhin damit geplant, dass unterschiedliche Akteure einzelne isolierte digitale Leistungen erstellen wie z.B. beim EFA-Prinzip, die sich am Ende ohne jegliche Planung oder Steuerung wundersam zu einem harmonischen digitalen Umfeld zusammenfügen sollen, welches nahtlos ineinandergreift und eine moderne digitale Verwaltung ergeben soll.

Die Realität zeigt, dass dieser „by Magic“-Ansatz noch nie funktioniert hat. Es wird langsam Zeit, auf ein professionelles Niveau in Planung, Steuerung und Umsetzung umzuschalten, welches sich durch eine hohe Ziel- und Ergebnisorientierung nach marktüblichen Standards auszeichnet, allein schon aus rein wirtschaftlichen Gründen ist eine solche Vorgehensweise unumgänglich.

Es ist keine bundesweite einheitliche Digitalstrategie vorhanden – und auch nicht absehbar

Eine durchgängige Digitalstrategie für Deutschland gibt es immer noch nicht, einzelne Ministerien habe erste Ansätze, die jedoch partikulär und wenig visionär ausfallen. Eine zielführende und durchdachte Strategie ist jedoch unabdingbar, wenn in einem so komplexen Umfeld eine erfolgreiche Umsetzung angestrebt wird. Eine Strategie stellt sicher, dass man zuerst die richtigen Dinge tut, bevor man die Dinge richtig tut.

Aufgrund der fehlenden strategischen Grundlage passen schon jetzt absehbar wesentliche Teile nicht zusammen und haben, wenn überhaupt, einen überschaubaren Nutzen. Es ist kennzeichnend für den Zustand in Deutschland, dass man sich auf den politischen Ebenen noch immer vermeintlich ziel- und orientierungslos im digitalen Zeitalter bewegt und dabei von Verdiensten und Erfolgen aus der Vergangenheit zehrt, die jedoch absehbar und immer schneller aufgebraucht sein werden.

Die aktuelle Verwaltung ist so nicht digitalisierbar – zuerst muss eine digitale Transformation erfolgen

Vor der Digitalisierung der Verwaltung muss erst die digitale Transformation derselben stehen, welche wesentliche Inhalte außerhalb der reinen Technologie adressiert. Das aktuelle System und die Strukturen der öffentlichen Verwaltung sind in der heutigen Form nicht zielführend digitalisierbar. Das bisherige bürokratische System einfach online zu stellen, sollte nicht das Ziel der deutschen Digitalisierung sein. Gesetze, die sich teilweise widersprechen oder eine digitale Umsetzung ausschließen, Überregulierung, völlig überzogene Standards usw. verhindern, dass eine ausreichende Grundlage gefunden werden kann, damit intelligente Maschinen diese bürokratische Konfusion überhaupt digital umsetzen könnten.

Vor einer großflächigen Digitalisierung im Verwaltungsumfeld ist es daher unumgänglich, dass alle relevanten Prozesse überprüft und für eine digitale Umsetzung optimiert werden. Dies ist auch der eigentliche Grund, warum sich die bisherige deutsche Scheindigitalisierung lediglich auf Online-Formulare reduziert, da das bisherige System nicht digitalisierbar ist. Eine nicht unerhebliche Zahl von Verwaltungsprozessen ist im Kern darauf ausgelegt, dass sich die Verwaltung selbst absichert und nicht darauf, dass das Ergebnis oder die Prozesslaufzeit optimiert werden.

In der deutschen Bürokratie ist es wesentlich wichtiger sich selbst rechtssicher im Prozess zu bewegen, als einen hohen Nutzen für Bürgerinnen und Bürger oder ein gutes Ergebnis zu erzielen, welches z.B. eine hohe Wirtschaftlichkeit ausweist. Diese veraltete und überholte Denk- und Handlungsweise verschlingt inzwischen unglaubliche Mengen an Ressourcen, die damit für andere wichtige Themen nicht zur Verfügung stehen.

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