Bitkom-DESI-Index 2025 „Unter der Ampelregierung ist Deutschland digital zurückgefallen“

Von Serina Sonsalla 2 min Lesedauer

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Trotz kleiner Fortschritte bleibt der Rückstand groß: Deutschland rutscht im EU-Digitalvergleich weiter ab – besonders bei der digitalen Verwaltung. Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst fordert nun mehr Tempo, klare Ziele und ein digitales Umdenken. Digitalisierung müsse endlich zur Gemeinschaftsaufgabe werden.

Für den Bitkom-Präsidenten sei Deutschland mit der Ampelregierung digital ins Hintertreffen geraten. (Bild:  © Bitkom)
Für den Bitkom-Präsidenten sei Deutschland mit der Ampelregierung digital ins Hintertreffen geraten.
(Bild: © Bitkom)

Auch kleine Schritte führen auf Dauer zu Erfolg. Doch der Digitalisierungsfortschritt lässt laut Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst wohl zu wünschen übrig, denn er kommentiert die aktuellen Zahlen des EU-Länderrankings wie folgt: „Das neue EU-Ranking zeigt, dass Deutschland seine Anstrengungen steigern muss, um bei der Digitalisierung mit den anderen Nationen nicht nur Schritt zu halten, sondern nach vorne zu kommen.“ Bitkom hat dieses Jahr zu den 31 publizierten Einzelindikator-Bewertungen der EU eine eigene DESI-Rangliste (Digital Economy and Society Index, kurz: DESI) entworfen.

Diese Zahlen sprechen für sich: Deutschland mag sich bei der Digitalisierung im EU-Vergleich zwar leicht verbessert haben – von Rang 16 im Vorjahr zu Rang 14 –, doch hat das Land auch schon viel bessere Werte erzielt. Rang 14 sei nur der Startplatz für Schwarz-Rot. Wintergerst stellte damit klar: „Jedes Jahr zwei Plätze nach vorne und eine Positionierung im vorderen Drittel, das muss das Minimalziel für die neue Bundesregierung sein.“

Gerade im Bereich digitale Verwaltung ist Deutschland weit abgesunken. Unter allen Kategorien, wie etwa digitale Transformation in Unternehmen, Qualität der digitalen Infrastruktur oder digitale Kompetenzen, sei das sogar der schlechteste Platz. EU-weit belegt Deutschland Rang 21 von 27. Nur 38 Prozent der Formulare werden mit bereits bekannten Daten vorausgefüllt, während der EU-Durchschnitt bei 71 Prozent liegt. Auch die Nutzung digitaler Verwaltungsdienste bleibt mit 64 Prozent weiterhin zehn Prozentpunkte unter dem EU-Schnitt. An der Spitze des Rankings stehen Malta, Estland und Finnland. Insgesamt erreicht Finnland im Bitkom-DESI-Index auch den ersten Platz. Weiter platziert sich Deutschland im Segment digitale Wirtschaft aktuell auf Rang 8, in der Netzqualität auf 9 und bei digitalen Kompetenzen auf 15.

Mit der Einführung eines Digitalministeriums sei schließlich der erste Schritt zum Fortschritt getan. In Zukunft könnte das den Weg nach oben ebnen. Auch die neue Bundesregierung wird am Donnerstag schon 100 Tage im Amt sein– und was sie nun brauche sei ein digitalpolitischer Fahrplan, der ein Zielbild definiere, Prioritäten setze und konkrete Maßnahmen festlege, so Wintergerst. Wie dieser Fahrplan aussehen könnte, zeigt Bitkom mit 16 Vorschlägen für die Bundesregierung:

Er erklärte: „Jetzt müssen Bürokratie abgebaut und digitale Kompetenzen aufgebaut werden, in der Wirtschaft wie in der Gesellschaft. Parallel muss die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltungen massiv beschleunigt werden. Dabei genügt nicht, wenn der Bund seine Hausaufgaben macht.“ Der Bund müsse von nun an viel mehr Unterstützungsarbeit bei den Bundesländern, Städten und Gemeinden leisten und beispielsweise bessere Angebote machen, die auf der anderen Seite wiederum angenommen werden müssen.

Ein Hauptaugenmerk bei der Verbesserung der Digitalisierung öffentlicher Verwaltungen sieht der Bitkom-Präsident auch bei der Abschaffung der Schriftformerfordernisse – und zwar per Generalklausel und einer gesetzlichen Verankerung des Once-Only-Prinzips. Zusätzlich müsse die Digital- und Medienkompetenz in Schulen und beruflichen Weiterbildungen gestärkt werden.

„Der Bitkom-DESI-Index zeigt: Digitalisierung kann nur gelingen, wenn sie als Gemeinschaftsaufgabe verstanden wird. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, Rankings zu gewinnen – es geht um ein digital souveränes, effizientes und resilientes Deutschland“, erklärte Wintergerst.

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