Smart ohne Index Smart City? Machen wir einfach!

Von Serina Sonsalla 9 min Lesedauer

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Smart City Index? Spielt für Ingolstadt keine Rolle – die Stadt ist trotzdem ganz vorne mit dabei. Bernd Kuch, Referent für Personal, Organisation und IT-Management erklärt, wie die Stadt es an die Spitze geschafft hat und weshalb auch die digitale Verwaltung mehr braucht als nur Technik.

Bernd Kuch, Referent für Personal, Organisation und IT-Management in Ingolstadt.(Bild:  Foto: Stadt Ingolstadt / Roessle)
Bernd Kuch, Referent für Personal, Organisation und IT-Management in Ingolstadt.
(Bild: Foto: Stadt Ingolstadt / Roessle)

In den vergangenen Jahren erreichten Sie immer wieder vordere Plätze im Smart City Index des Digitalverbands Bitkom – zuletzt 2024 den ersten Platz in der Kategorie „Energie und Umwelt“. Auch in der digitalen Verwaltung gehört Ingolstadt seit Langem zu den Vorreitern. Wie haben Sie diese Erfolge erzielt? Sicher spielte die Digitalstrategie auch eine Rolle?

Kuch: Auf jeden Fall. Es gab ja 2018 den Beschluss zur Digitalisierungsstrategie. Damit wurden klare strategische Ziele festgelegt und andere Dinge sehr weit operativ weiterentwickelt. Das war eine gute Basis, auf der wir 2023 die Digitalisierungsstrategie fortgeschrieben haben. Mit der Firma KPMG haben wir uns zudem einen externen Berater an Bord geholt – weniger wegen der fachlichen Zielsetzungen oder der notwendigen Anpassungen, sondern mehr aus dem Grund, auch die internen Strukturen im Blick zu haben. Oft hat man selbst einen blinden Fleck und denkt, dass alles gut passt und das Ziel klar ist. Daher war es uns wichtig, jemanden von außen zu holen, der das objektiv beobachtet und hinterfragt.
In Zusammenarbeit mit KPMG sind Themen wie eine zentrale Portfolio-Planung und ein zentrales Projektmanagement aufgekommen. Es gab zu wenig Abstimmung darüber, wo es parallele Ansätze gibt, die man bündeln könnte. Wo kann man aus verschiedenen Projekten Synergien schaffen und eine strategische Bewertung der Digitalisierungsprojekte vornehmen? Was ist aus strategischer Sicht wichtiger als anderes? Mit der Stabsstelle, die wir seit August 2024 haben – eine Initiative, die aus der Fortschreibung der Digitalisierungsstrategie entstanden ist – haben wir nun gute Strukturen geschaffen, um diese Fragen zu adressieren.

Im Verwaltungsbereich haben wir damals beim Smart City Index gepunktet, weil wir sehr viele Online-Dienste angeboten haben – auch bayernweit waren wir wirklich sehr weit vorne. Vor fünf Jahren hatten wir 30 Online-Dienste. Doch im Vergleich dazu, bieten wir heute schon knapp 250 an.

In Ingolstadt haben wir die Aufgabenbereiche in der Digitalisierung weiter aufgeteilt und spezialisiert: Mein Fokus liegt intern auf der Stadtverwaltung und auf den Dienstleistungsangeboten der Stadtverwaltung gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern.
Zum Thema Smart City hatten wir im vergangenen Jahr ein Förderprogramm für Photovoltaik aufgelegt, das sehr erfolgreich war, beispielsweise für Minisolaranlagen, kleine Balkonkraftwerke, und auch grüne Wärme war ein großes Thema – also das Fernwärmenetz der Stadtwerke Ingolstadt oder das Low-Ex-Netz am IN-Campus Gelände, bei dem mittels reversibler Wärmepumpen Gebäude mit der Abwärme anderer Gebäude beheizt werden. Bei der städtischen Verkehrsgesellschaft wurden emissionsarme Busse eingesetzt: Wir haben zwölf Elektrobusse (BEV-Busse, Batterie Electric Vehicle) und ein Wasserstoff-Müllauto beschafft. Und wir haben 2019 bei der Straßen- und Gehwegbeleuchtung auf den LED-Standard umgestellt. Mit 50 Prozent Dimmung leuchten sie nun in der Zeit von 23 bis 5 Uhr morgens.

Sie erwähnten bereits, dass etwa 250 Online-Dienste verfügbar sind. Welche sind besonders beliebt in Ingolstadt?

Kuch: Interessanterweise die im Schul-, Kita- und Sozialbereich. Die Anmeldung für die Kita sowie für die Mittagsbetreuung an den Grundschulen läuft sehr gut. Außerdem geht man von knapp 500 Anträgen pro Monat für das Bürgergeld aus. Darunter zählen die Beantragungen, die Änderungen und die Zusatzanträge.
Der digitale Bauantrag wird bei uns momentan umgesetzt und läuft auch schon ganz gut. Ich bringe hier tatsächlich schon Erfahrung aus meiner Zeit im Landratsamt Fürth mit. Dort waren wir 2019 einer der Pilotanwender in Bayern. Hier in Ingolstadt gehören wir zwar nicht zu den Pilotanwendern, aber die Kundenzahl ist deutlich höher als an einem Landratsamt.

Was war noch Teil der Digitalisierungsstrategie?

Kuch: Wir haben auch eine IT-Technologie-Strategie, die zu diesen fachlichen strategischen Zielen passt. Es erfordert eine klare Strategie im Datenmanagement, einheitliche Standards beim KI-Einsatz und natürlich, je weiter die Digitalisierung voranschreitet, auch eine verstärkte Aufmerksamkeit auf Informationssicherheit und Datenschutz. Insgesamt braucht es aber eine übergeordnete Strategie, wo sich die einzelnen Digitalisierungsprojekte spiegeln können.

Im Sommer sollte die Umsetzung der Maßnahmen aus der digitalen Agenda erfolgen. Wie sieht der aktuelle Stand aus?

Kuch: Neben dem reinen Verwaltungsteam, wollten wir auch den Aspekt Smart City stärker vorantreiben. Auch die Wirtschaftsförderung spielt eine Rolle. Im Wirtschaftsreferat behandeln sie u. a. das Thema „Urban Air Mobilität“. An dieser Initiative ist eine Allianz von 90 nationalen und internationalen Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Behörden beteiligt.
Mittlerweile sind zahlreiche Forschungsobjekte umgesetzt worden – vom Fluggerät über Luftraumerprobung bis hin zur Bodeninfrastruktur für die Geräte. Praxisbeispiele sind u. a. die Unterstützung bei Sicherheitsaufgaben im medizinischen und rettungsdienstlichen Bereich sowie der Lage-Erkundung durch Polizei, Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Bergwacht.

Auf der nächsten Seite geht es weiter mit digitalen Angeboten wie dem Bürgerservice-Portal und den Potenzialen in der Digitalisierung.

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