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„Schulen in ärmeren Kommunen haben das Nachsehen“

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Weniger Bürokratie, mehr Unterstützung!

Natürlich hängt es auch von den finanziellen Mitteln der Schulen ab, welche Lösungen sie sich leisten können und wie sie die Digitalisierung im Haus voranbringen. „Meiner Meinung nach ist das ein Fehler im Konzept, dass die Sachaufwandsträger für die Ausstattung der Schulen zuständig sind. Schulen in ärmeren Kommunen haben hier das Nachsehen“, so Müller und schlägt vor: „Die Finanzierung sollte daher direkt von der Staatsregierung ausgehen, damit man eine gewisse Gerechtigkeit hat.“ Auch Anja Bensinger-Stolze, Vorstandsmitglied Schule bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), meint Bildung dürfe nicht von der Finanzlage einzelner Kommunen oder digitalisierungsaffiner Lehrkräfte abhängen.

Die Fördermittel die Bund und Länder bereitstellen sind, in diesem Punkt herrscht Einigkeit, sind in ihrer bisherigen Form auch kaum zu gebrauchen: zu umständlich, zu langwierig oder kurz gesagt, zu bürokratisch sei der Prozess. „Es gibt viele Risiken und Hürden und jemand muss die Verantwortung übernehmen“, so Seifert. Das wolle kein Schulleiter ohne die rechtlichen Vorkenntnisse – und die Systemadministratoren erst recht nicht. „Es müsste mehr Unterstützung geben bei den Förderverfahren. Zudem sollte man darüber nachdenken die Teilförderungen in Vollförderungen umzuwandeln. Ich meine, wenn wir jetzt von Null auf Hundert durchstarten wollen, müssen wir All-in gehen. Dann sollen die Schulen ein Konzept erstellen, das von geeigneter Stelle geprüft wird und für die Umsetzung erhalten sie dann eine einmalige Förderung. Das würde eine deutliche Beschleunigung bedeuten – und vor allem Bürokratieabbau.“

Genauso sieht es Müller: „Ich finde die Förderprogramme sind falsch konzipiert. Man sollte eher eine Bedarfsanalyse für die einzelnen Schulen machen, um den Ist-Zustand zu ermitteln“, erklärt Müller. Ausgehend davon sollten die Schulen dann die Mittel erhalten, die sie benötigen, um den Soll-Zustand zu erreichen. IServ-Geschäftsführer Ludwig würde die Schulen direkt fördern: „Ich halte die Einrichtung von eigenverantwortlichen Schul-Budgets, aus denen sie nach ihren Bedarfen auch flexibel und kurzfristig Lösungen finanzieren können, für sinnvoll. Man kann die Schulen mit Beratungsangeboten unterstützen, damit die Anschaffungen den individuellen Anforderungen und Bedürfnissen der Schulen entsprechen.“

Dass die Fördermittel nur langsam fließen, zeigt auch der Digitalpakt Schule: Ende 2021 waren mit 1,2 Milliarden Euro erst 20 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel des Digitalpakts abgeflossen. Immerhin 2,4 Milliarden Euro wurden insgesamt bereits bewilligt.

Nicht nur eine Frage der Technik

Doch nicht nur der zähe Fördergeldfluss macht den Schulen zu schaffen, oft scheitert es schon an den Grundlagen der Digitalisierung: „Die Hälfte der Schulen hat einen DSL-Zugang für eine gesamte Schule mit 1000 Schülern“, so Ludwig. „Das ist vollkommen inakzeptabel. Hier hätte man vor Jahren auf Glasfaser umstellen müssen.“ Ein entscheidender Punkt seien auch Lehrerfortbildungen. „Man konnte in Niedersachsen bis letztes Jahr Lehramt studieren, ohne einmal mit digitalen Unterrichtsmethoden gearbeitet zu haben.“ Auch Müller kennt das Problem: „Wir hatten bis vor wenigen Monaten einen Kollegen an der Schule, der noch nicht einmal einen Internetanschluss beziehungsweise einen Rechner hatte.“ Die Lösung sieht Ludwig in verpflichtenden Weiterbildungen, „um die Angst zu nehmen.“

Aktuell sieht es jedoch so aus, dass die Weiterbildungen – egal ob allgemein oder für die Schulplattform – oft von den Lehrern selbst organisiert und veranstaltet werden. „Bei uns verwalte ich die Computersysteme selbst“, erklärt beispielsweise Müller. Viel Zeit für aufwendige Schulungen bleibe da nicht. Für Mebis habe er daher Anleitungen erstellt, mit denen die Kollegen arbeiten können. Dazu kommen jedes Jahr zwei allgemeine Computer-Einführungen für neue und interessierte Lehrer. „Darüber hinaus stehe ich jederzeit für Fragen zur Verfügung und helfe bei Detail. Das ist jedoch insgesamt sehr aufwendig, zu mehr reicht es daher leider nicht.“ Schließlich übernehmen die Lehrkräfte entsprechende Aufgaben meist zusätzlich zu den eigentlichen Stunden.

Ein ähnliches Bild ergibt sich in puncto IT-Support. Auch hier sind die Schulen meist sich selbst überlassen. „Ich verbringe gerade meine Ferien in der Schule, da 18 Paletten Hardware ausgerollt werden mussten“, veranschaulicht Seifert die aktuelle Situation. Er schätzt, dass das Problem am Anfang einfach übersehen wurde. Nun versuche man gegenzusteuern, aber der Markt sei leer. Je nach Konzept erhalten die Schulen jedoch zumindest ein bisschen Unterstützung: „Support erhalten wir, wenn ein Rechner Hardware-seitig defekt ist. Ein Anruf reicht und die Firma kommt und tauscht die defekten Komponenten aus“, so Müller. Der Service ist in den Verträgen enthalten, die die Stadt mit dem Technik-Lieferanten ausgehandelt hat.

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„Wir müssen hierzulande das Stolpern über die technische Infrastruktur überwinden, hin zum mühelosen Beherrschen und Spielen der Klaviatur der digitalen Instrumente“, fasst Dr. Sarah Henkelmann, Sprecherin des Netzwerks Digitale Bildung, hat die Thematik treffend zusammengefasst. „Dabei ist es nicht damit getan, Kreidetafeln durch digitale Whiteboards zu ersetzen – und ansonsten weiterzumachen wie bisher.“ Dazu gehöre auch, das Lehren und Lernen neu zu gestalten. „Schulgebäude, Unterrichtsformate, Zeitpläne müssen sich verändern, um Schule im digitalen Zeitalter sinnvoll und mit Mehrwert für alle zu gestalten.“

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