Brüssel steht kurz vor der Vorlage des überarbeiteten EU-Cybersicherheitsgesetzes. Casper Klynge von Zscaler EMEA beleuchtet die Revision des Gesetzes und warnt vor fragmentierter Umsetzung und uneinheitlichen Definitionen, die beeinträchtigen könnten.
Brüssel steht kurz vor der Vorlage des überarbeiteten EU-Cybersicherheitsgesetzes – und damit vor einer Gelegenheit, Interoperabilität und Cyberresilienz in der gesamten EU spürbar zu stärken.
Brüssel plant in naher Zukunft, den Entwurf des überarbeiteten EU-Cybersicherheitsgesetzes vorzulegen. Dies bietet die Möglichkeit, ein stärkeres und ambitionierteres Gesetz zu schaffen, das den Fokus auf Interoperabilität legt und die Cyberresilienz in der gesamten EU stärkt. Seit der Verabschiedung des Gesetzes im Jahr 2019 hat die Cybersicherheitsbranche erhebliche Veränderungen erlebt. Die breite Anwendung generativer KI sowie der Anstieg agentenbasierter KI-Projekte haben dazu geführt, dass böswillige Akteure immer innovativere Angriffstechniken entwickeln und konventionelle Abwehrstrategien überlisten.
Cybersicherheitsvorschriften werden immer komplexer
Casper Klynge ist Head of Government Partnerships bei Zscaler EMEA.
(Bild: Zscaler)
Caspar Klynge, Head of Government Partnerships bei Zscaler EMEA, sieht diese Entwicklung mit einigen Herausforderungen für das EU-Cybersicherheitsgesetz einhergehen: Zusätzlich zur Diversifizierung der Angriffsvektoren führe das schnelle Tempo des Wandels in der Technologiebranche sowie die fortschreitende Digitalisierung in sämtlichen Sektoren dazu, dass die Anpassung der Cybersicherheitsvorschriften zunehmend komplex wird.
Klynge spricht sich deshalb für dafür aus, dass jede Überarbeitung des EU-Cybersicherheitsgesetzes sich darauf konzentrieren soll, „die Union mit den Mitteln auszustatten, um Cybersicherheitsvorschriften und Zertifizierungsrahmen in allen 27 EU-Mitgliedstaaten effektiv umzusetzen. Diese Anstrengungen sollten mit den internationalen Rahmenwerken in Einklang stehen, die Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor verbessern und die Marktakzeptanz fördern.“
Das ursprüngliche EU-Cybersicherheitsgesetz bot ein notwendiges Regelwerk und hat zweifellos zur Verbesserung der Cybersicherheit in der EU beigetragen. Klynge ist jedoch auch der Meinung, dass durch durch eine intensivere Zusammenarbeit erheblich mehr für die Widerstandsfähigkeit erreicht werden könnte.
Derzeit existieren verschiedene Cybersicherheitsvorschriften, die mit unterschiedlichem Tempo und Reifegrad umgesetzt werden. Dies führt dazu, dass einige der Vorgaben in den EU-Mitgliedstaaten auf mindestens 27 verschiedene Arten interpretiert werden. Lokale Anpassungen sowie das Fehlen harmonisierter Definitionen und Meldepflichten haben die beabsichtigte Wirkung des EU-Cyber-Acquis auf die Resilienz der Cybersicherheit eher untergraben.
Die EU führt derzeit den sogenannten „Digitalen Omnibus“ ein. Dieses Gesetzespaket der EU-Kommission zielt darauf ab das digitale Rechtssystem der EU zu vereinfachen und zu harmonisieren. Mithilfe des Digitalen Omnibus sollen verschiedene Meldepflichten für Vorfälle angeglichen werden, die in den zahlreichen bestehenden Rechtsvorschriften festgelegt sind.
Um dieses Ziel vollständig umzusetzen, muss sichergestellt werden, dass das überarbeitete Mandat der ENISA mit ihren neuen Verpflichtungen gemäß NIS2 und dem Cyber Resilience Act in Einklang steht.
Jede Überarbeitung des EU-Cybersicherheitsgesetzes darauf abzielen, die Probleme der Fragmentierung und Isolation durch stärkere Harmonisierung und Zusammenarbeit anzugehen.
Caspar Klynge, Head of Government Partnerships bei Zscaler EMEA
Mehr Finanzmittel für die ENISA
Klynge fordert als ersten Schritt zur Überwindung der Fragmentierung dazu auf, der EU-Cybersicherheitsagentur ENISA signifikant mehr Ressourcen und Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, die der übertragenen Aufgabe angemessen sind. Klynge meint, dass die ENISA mit ausreichenden Ressourcen in die Lage versetzt werden könne, enger mit den nationalen Cybersicherheitsbehörden zusammenzuarbeiten und wirksame sowie grenzüberschreitende Rahmenwerke zu entwickeln, um einheitliche Standards und Leitlinien mit der Dringlichkeit zu liefern, die die Bedrohungslage erfordere. Über die Koordinierung hinaus müsse die Rolle der ENISA bei der Überwachung der Bedrohungslage und der Bereitstellung zentraler Informationen im Rahmen der Überarbeitung erheblich gestärkt werden. Nur so könne sichergestellt werden, dass Organisationen neuen Risiken einen Schritt voraus sind.
Neben der Diversifizierung der Angriffsvektoren bedeuten das rasante Tempo des Wandels in der Technologiebranche und die zunehmende Digitalisierung über alle Sektoren hinweg, dass die Aktualisierung von Cybersicherheitsvorschriften immer komplexer wird.
Fokussierung auf IKT-Zertifizierung
Die Überarbeitung des Cybersicherheitsgesetzes sollte sich auf die Vereinheitlichung neuer IKT-Zertifizierungssysteme konzentrieren. Der Zertifizierungsprozess hat sich als komplex erwiesen, da bisher nur ein EU-System geschaffen wurde. Ein Rahmen, der die Einbeziehung von Experten in die Entwicklung technischer Kriterien unterstützt, ist laut Klynge jedoch entscheidend für eine schnellere und skalierbare Einführung solcher Systeme.
Stand: 08.12.2025
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Was sind IKT-Zertifizierungssysteme?
IKT-Zertifizierungssysteme sind standardisierte Nachweise für Kompetenzen und Sicherheitsanforderungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Diese Systeme bieten eine einheitliche Grundlage für die Bewertung und Zertifizierung von IKT-Produkten und -Dienstleistungen in Bezug auf deren Sicherheit und Qualität. Die Europäische Union hat einen umfassenden Zertifizierungsrahmen für IKT-Produkte entwickelt, der die Fragmentierung nationaler Sicherheitszertifizierungssysteme reduzieren soll
Ein bekanntes Beispiel für eine Sicherheitszertifizierung ist die ISO 27001, die auf dem IT-Grundschutz basiert und für Informationssicherheitsmanagementsysteme empfohlen wird.
Angesichts der Bedrohungslage sollte laut Klynge „jede Überarbeitung des EU-Cybersicherheitsgesetzes darauf abzielen, die Probleme der Fragmentierung und Isolation durch stärkere Harmonisierung und Zusammenarbeit anzugehen. Die Bedrohungsakteure werden nicht tatenlos zusehen, und die ENISA muss das Potenzial zur Vereinheitlichung erhalten, damit grenzüberschreitende Bedrohungsinformationen vorangetrieben werden können und eine Grundlage für gemeinsame Praktiken geschaffen wird, die in der gesamten Region übernommen werden können.“ Nur auf diese Weise könne eine Grundlage für gemeinsame Praktiken geschaffen werden, die in der gesamten Region übernommen werden können.