IT-Sicherheit Quelloffene Lösungen für mehr Cybersecurity

Ein Gastbeitrag von Alexander Wallner 4 min Lesedauer

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Die Infrastruktur des öffentlichen Sektors lockt Cyberkriminelle an. Ein Teil der Lösung ist der Einsatz von Open Source Software, die aufgrund der Transparenz und Anpassbarkeit gerade die (Daten-)Sicherheit mit im Blick hat. Es muss daher ein Umdenken stattfinden in den Amtsstuben, fordert Alexander Wallner, CEO von plusserver in seinem Gastbeitrag.

Der Fokus von Open Source liegt auf Datenhoheit, Transparenz und Sicherheit.(©  ar130405 – stock.adobe.com)
Der Fokus von Open Source liegt auf Datenhoheit, Transparenz und Sicherheit.
(© ar130405 – stock.adobe.com)

Im November 2023 geschah es erneut: Cyberkriminelle griffen einen kommunalen IT-Dienstleister mit Ransomware an, sodass Service und Betrieb von mehr als 70 kommunalen Verwaltungen in Nordrhein-Westfalen nur noch eingeschränkt funktionierten. Die Bereinigung der Systeme und die vollständige Wiederherstellung dauerten viele Wochen.

Laut dem aktuellen Lagebericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gibt es pro Jahr mindestens zwei Dutzend Zwischenfälle. Im Berichtszeitraum zwischen Juni 2022 und 2023 wurden beispielsweise 27 kommunale Verwaltungen und Betriebe Opfer solcher Angriffe. Neben Stadtverwaltungen waren auch Nahverkehrsbetriebe, städtische Energieversorger, Wohnungsbaugesellschaften sowie Stadtreinigungsbetriebe betroffen.

Der Schutz von IT-Infrastrukturen wirkt wie ein Rennen zwischen Cyberkriminellen und Security-Experten: Jede neue Maßnahme wird nach einiger Zeit ausgetrickst, jede neue Masche der Hacker erzeugt ausgeklügelte Absicherungsmechanismen. Doch die Risiken steigen. So entdeckten die Security-Profis der deutschen Regierungsnetze im Berichtszeitraum an jedem Tag durchschnittlich 775 E-Mails mit Schadprogrammen und mussten täglich etwa 370 schädliche Webseiten sperren.

Der Ausweg aus dem Cybersecurity-Rennen

Kurz: Der Aufwand für IT-Security steigt permanent, ein Ausweg scheint nicht in Sicht. Doch ist das wirklich so? Ein genauer Blick auf die technologische Basis der IT-Infrastrukturen im öffentlichen Sektor zeigt, dass ein Teil der Probleme durch den Einsatz von geschlossener Software entsteht.

Für diese kommerziellen Produkte ist der vollständige Quellcode normalerweise nicht verfügbar und Interna werden meist sparsam kommuniziert. Dies betrifft auch moderne Cloudservices. Viele Anbieter erzeugen ihre Marktposition durch proprietäre Lösungen, die den Status von Geschäftsgeheimnissen haben – nur der Betreiber weiß genau, was im Maschinenraum abläuft.

Hinzu kommt die Popularität einiger kommerzieller Systeme. Wegen der großen Verbreitung gibt es viele Cyberkriminelle, die sich auf die Suche nach Sicherheitslücken und Hintertüren machen. Demgegenüber steht dann die Verschlossenheit der Anbieter. Es kommt leider immer wieder vor, dass sie nicht alle Sicherheitslücken kurzfristig beheben.

Trotzdem sind solche Angebote verführerisch. Denn im Moment geht es darum, die Digitalisierung des öffentlichen Sektors zu beschleunigen. Da ist es natürlich einfach, auf die bewährten Angebote der Hyperscaler zu setzen. Aber dadurch entstehen Abhängigkeiten und Schwierigkeiten mit dem Datenschutz, denn häufig landen die Daten von Bürgerinnen und Bürgern auf US-Servern – ein Widerspruch zur DSGVO.

Open Source als sichere und souveräne Alternative

Eine sichere und in der IT-Branche mit Expertise unterfütterte Alternative sind Ökosysteme und Angebote auf Basis von bewährter Open Source Software (OSS). Ihr wichtigstes Kennzeichen ist die Verfügbarkeit des vollständigen Quellcodes. Jeder Experte kann ihn einsehen und analysieren. Denn der Fokus von Open Source liegt auf Datenhoheit, Transparenz und Sicherheit. Dies betrifft einzelne Anwendungen ebenso wie ganze Cloud-Stacks.

OSS-Lösungen bieten eine höhere Datensouveränität. Der Begriff bezieht sich auf das Recht und die Fähigkeit von Personen oder Organisationen, selbst über die Verwendung ihrer Daten zu bestimmen. Dazu gehört die Kontrolle, wer Zugang zu den Daten hat und auf welche Weise sie genutzt werden. Das geht am besten mit einer offenen Lösung.

Ein entsprechendes Angebot existiert. Es ist grundsätzlich möglich, alle typischen Anforderungen an eine IT-Infrastruktur mit Open Source-Anwendungen abzudecken. Der Zugriff auf den Quellcode gibt den Behörden zudem die Möglichkeit, Anwendungen zu auditieren, Fehler auszubessern und Sicherheitslücken sofort nach Bekanntwerden zu schließen. Darüber hinaus lassen sie sich sehr leicht an die individuellen Bedürfnisse der Behörde anpassen.

Ein weiterer Vorteil für die Sicherheit: Quelloffene Software wird üblicherweise dezentral und kollaborativ entwickelt. Auf Plattformen wie GitHub oder GitLab gibt es eine Vielzahl von Projekten, an denen sich unterschiedliche Entwickler:innen gemeinsam und freiwillig beteiligen. Allein die weltweit mehr als 60 Millionen OSS-Entwickler auf GitHub sind eine schlagkräftige Truppe im Kampf gegen Schwachstellen.

Hohe Innovationsstärke durch Open Source Software

Doch in vielen Behörden gibt es Bedenken. Open Source Software haftet bei einigen Entscheider:innen immer noch ein Bastler-Image an. Die zahlreichen OSS-Anwendungen in Unternehmen zeigen aber deutlich: Derartige Sorgen sind unberechtigt. Mittlerweile gibt es spezialisierte Anbieter ganzer Open-Source-Ökosysteme, die den entsprechenden kommerziellen Angeboten in nichts nachstehen.

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Organisationen, die OSS-Anwendungen einsetzen, werden nicht mit unzureichendem Support allein gelassen. Bei quelloffener Software gibt es eine breite Palette an Dienstleistern, die sich um die gleichen Software-Pakete kümmern und entsprechenden Support offerieren. So entpuppt sich der vermeintliche Nachteil schnell als Vorteil.

Mehr noch: Open Source besitzt eine hohe Innovationsstärke. Ein Bereich, der das besonders gut aufzeigt, ist die Künstliche Intelligenz (KI). Je mehr Entwickler:innen gemeinschaftlich an Open-Source-Modellen für maschinelles Lernen arbeiten, desto höher ist die Geschwindigkeit der Weiterentwicklung im Vergleich mit Closed Source Software.

Dies bedeutet für die Öffentliche Hand: Statt sich an veralteten Lösungen festzuklammern, muss sie umdenken und sich dem Einsatz von OSS öffnen. Auf diese Weise können die Herausforderungen der Digitalisierung im öffentlichen Sektor von OSS-Entwicklern und Behörden gemeinsam gemeistert werden. Am Ende stehen bei guter Herangehensweise fortschrittliche Digitallösungen, die durch ihre Transparenz Vertrauen schaffen und die digitale Souveränität der Verwaltung sichern.

Alexander Wallner
CEO von plusserver

Bildquelle: plusserver

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