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Wie erfolgreich ist die Digitalisierung bislang?
Reinhardt: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Für die Verwaltung gilt: Die Versäumnisse lagen überwiegend vor der Zeit des Inkrafttretens des OZG. Jetzt wird mit großer Intensität und Dynamik gearbeitet. Das zeigen auch die Ergebnisse der Umfrage. Die öffentliche Hand stuft ihren Erfolg etwas höher ein als im Vorjahr, aber insgesamt ist er immer noch mäßig. Das sehen die Teilnehmer aus der Wirtschaft in Bezug auf ihren eigenen Erfolg aber ähnlich. Es ist daher nicht so zu verstehen, dass man nicht vorankommt, sondern dass man gerade bei der Abarbeitung der Digitalisierung merkt, dass in Staat und Wirtschaft noch viel zu tun ist – beziehungsweise auf beiden Seiten weiterhin Luft nach oben ist.
Die wichtigsten Maßnahmen für den bisher schon erreichten Erfolg waren zum einen die Bildung interdisziplinärer Teams und zum anderen die gezielte Einstellung von Mitarbeitern mit dem entsprechenden Know-how. Auch diese Einschätzung deckt sich mit den Antworten aus der Wirtschaft. Der Fachkräftemangel macht es beiden Gruppen allerdings schwer, geeignetes Personal zu finden. Ein markanter Unterschied findet sich in Bezug auf die Analyse und Vernetzung von Daten, die in der Privatwirtschaft eine größere Rolle für den Erfolg der Digitalisierung spielt als für Verwaltungen und Behörden.
Das wird sich in Zukunft ja vielleicht ändern, Stichwort Open Data. Die Landesregierung Niedersachsen hat vor kurzem mit der Erstellung einer entsprechenden Strategie begonnen. Sie soll bis zur Sommerpause fertig sein, das Land wird auch der Plattform GovData beitreten. Sehen Sie das eher als Einzelfall oder zeichnet sich ein neuer Trend ab?
Reinhardt: Laut den Studienergebnissen hat Open Data im Moment keine hohe Priorität. Da hat sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren, in denen wir das Thema immer mal wieder abgefragt haben, leider wenig geändert. Vermutlich ist es aber so, dass im Moment die Umsetzung des OZGs im Vordergrund steht und angesichts knapper und endlicher Ressourcen andere Themen hinten an gestellt werden müssen. Dennoch gibt es ja einige Aktive, die das Thema weiter vorantreiben und auch die anstehende Nachschärfung des Open-Data-Gesetzes wird das Thema auf die Agenden bringen. Daher ist auch die Initiative aus Niedersachsen sehr zu begrüßen – so wie sich in diesem Land aktuell generell eine Menge bewegt!
Aber letztlich geht es ja darum, alle Daten stärker zu nutzen. Auch persönliche Informationen sollen ja im Sinne des Once-Only-Prinzips deutlich stärker ausgetauscht und genutzt werden. In diesem Zusammenhang ist natürlich auch die Registermodernisierung von größter Bedeutung – dieses Thema wird, ebenso wie die Vertiefung der Digitalisierung von Fachverfahren, sicher im Kern des zunehmend diskutierten OZG 2.0 stehen.
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