OSBA positioniert sich zum Deutschland-Stack Open Source: Strategie statt Bruchstücke

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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„Wer den Deutschland-Stack abschalten kann, kann Deutschland abschalten“: In ihrer Stellungnahme zum aktuellen Stand des Deutschland-Stacks legt die OSBA den Schwerpunkt auf die digitale Souveränität – und fordert den verpflichtenden Einsatz von Open-Source-Lösungen.

In ihrer aktuellen Stellungnahme zum D-Stack setzt sich die OSBA für eine „durchgängige und ausnahmslos auf Open Source ausgerichtete Strategie" ein.(Bild: ©  Janis Smits - stock.adobe.com / KI-generiert)
In ihrer aktuellen Stellungnahme zum D-Stack setzt sich die OSBA für eine „durchgängige und ausnahmslos auf Open Source ausgerichtete Strategie" ein.
(Bild: © Janis Smits - stock.adobe.com / KI-generiert)

Während die Auswertung der zweiten Konsultationsrunde zum Deutschland-Stack noch ansteht, hat sich die Open Source­ Business Alliance (OSBA) zum aktuellen Stand positioniert. Digitale Souveränität als Ziel des Deutschland-Stacks sei unstrittig, heißt es in der Stellungnahme vom 15. Februar. Aber sind die bislang geplanten Maßnahmen geeignet, um echte digitale Souveränität und eine leistungsfähige, sichere Verwaltung zu erreichen? Dazu gibt die OSBA ihre Einschätzung. Auf der Haben-Seite stehen demnach einige Open-Source-­Aspekte im Gesamtbild des Stacks wie der Vorrang von Open-Source-­Lösungen oder Lösungen europäisch souveräner Anbieter, die Entwicklung notwendiger eigener Anteile als Open Source, die Vorgabe von Cloud-Standards (DVC, OpenStack, Sovereign Cloud Stack) oder die Nutzung von openCode. Doch auf das Gesamtbild bezogen wirkten diese wie Bruchstücke, so die Kritik. Für Zukunftsfähigkeit, digitale Souveränität, Innovationskraft und -geschwindigkeit sei Open Source unverzichtbar. Die OSBA plädiert für „eine durchgängige und ausnahmslos auf Open Source ausgerichtete Strategie, die keine alternativen Lizenzmodelle zulässt und z. B. weitere Vorgaben in Bezug auf Engagement im Open-Source-Ökosystem definiert“.

Noch zu viele Schlupflöcher für Closed-Source-Angebote

Kritisiert werden, zweitens, die Formulierungen zum vorrangigen Einsatz von „Open Source Lösungen oder Lösungen europäisch souveräner Anbieter“: Vorrangiger Einsatz könne eben auch bedeuten, dass zu fast 50 Prozent Lösungen eingesetzt würden, die weder europäisch noch Open Source seien. Auch sei nicht klar, wie „europäisch souveräner Anbieter“ zu definieren ist. Die OSBA sieht hier die Gefahr des Souveränitäts-Washings, wenn Closed-Source-Lösungen europäischer Anbieter genutzt werden – ohne die Möglichkeit, den Quellcode zu prüfen und die Software selbstständig anzupassen oder weiterzuentwickeln – oder wenn Software außereuropäischer Closed-Source-Anbieter eingebettet wird. Trotz europäischer Mantelunternehmen oder Rechenzentren bestehe hier immer „die Gefahr von Abschaltung, Schadcode, Hintertüren, Einflussnahme oder verweigerten Updates“. Auch weiterhin gelte: „Wer den Deutschland-Stack abschalten kann, kann Deutschland abschalten."

Rückschritt beim Reifegradmodell

Ein weiterer Punkt bezieht sich auf die Kriterien im Stack, für die auch ein Reifegradmodell entwickelt wurde. In ihrer ersten Stellungnahme zum D-Stack im November 2025 ist die OSBA ausführlich auf die einzelnen Kriterien eingegangen. Sie hat grundsätzlich auch die Anwendung von Reifegraden positiv bewertet und Konkretisierungen der einzelnen Stufen gefordert. Dass nunmehr – um in eine beschleunigte Umsetzung zu kommen – die Weiterentwicklung dieses Reifegradmodells zurückgestellt werden soll, wertet die OSBA als Rückschritt.

Schließlich geht es auch um den Begriff der digitalen Souveränität selbst: Eine Definition der digitalen Souveränität dürfe nicht hinter der aktuellen Definition des IT-Planungsrates zurückbleiben, die Wechselmöglichkeit, Gestaltungsfähigkeit und Einfluss auf die Anbieter beinhaltet. Wie Peter Ganten, Vorstandsvorsitzender der OSBA, zusammenfasst: „Wenn der Deutschland-Stack keine durchgängige und ausnahmslos auf Open Source ausgerichtete Strategie erhält, bleibt echte digitale Souveränität unerreichbar. Denn nur Open Source gewährleistet Wechselmöglichkeit, Gestaltungsfähigkeit und Einfluss auf Software-Anbieter." Nur so könne die Software und damit auch der Schutz von Daten unabhängig überprüft werden.“

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