KI-Chatbot Niedersachsen führt telli landesweit an Schulen ein

Von Stephan Augsten 2 min Lesedauer

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Das Land Niederaschsen macht den KI-Chatbot telli nach erfolgreicher Pilotierung mit 30 Schulen nun über die Niedersächsische Bildungscloud landesweit verfügbar. Das datenschutzkonforme Tool soll sowohl Lehrkräfte als auch ihre Schützlinge unterstützten.

Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg unterstreicht die Notwendigkeit, junge Menschen auf eine zunehmend KI-geprägte Lebens- und Arbeitswelt vorzubereiten. (Bild: ©  brauers.com)
Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg unterstreicht die Notwendigkeit, junge Menschen auf eine zunehmend KI-geprägte Lebens- und Arbeitswelt vorzubereiten.
(Bild: © brauers.com)

Niedersachsen stellt den KI-Chatbot telli ab sofort all seinen Schulen zur Verfügung. Die Anwendung wird über das Medienregal der Niedersächsischen Bildungscloud (NBC) bereitgestellt. Kultusministerin Julia Willie Hamburg begründet den Schritt mit der Notwendigkeit, junge Menschen auf eine zunehmend KI-geprägte Lebens- und Arbeitswelt vorzubereiten. „Dafür müssen auch unsere Lehrkräfte Zugriff auf leistungsstarke KI-Modelle haben“, so die Ministerin. „Mit telli treiben wir den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Niedersachsens Schulen voran.“

Anwendungsfälle sind beispielsweise die Unterrichtsvorbereitung oder auch das individuelle Lernen. Hamburg nennt als Beispiel den Deutschunterricht: „Die KI kann beispielsweise so eingestellt werden, dass telli als Schreib-Coach für die Erörterung von ‚Woyzeck‘ dient und den Schülerinnen und Schülern Feedback gibt.“ Währenddessen bleibe der Lehrkraft mehr Zeit für die individuelle Förderung und die Lernenden erführen, wie sie KI gezielt nutzen könnten.

Länderübergreifendes Projekt mit Fokus auf Datenschutz

telli wurde im Rahmen des länderübergreifenden Projekts AIS (Adaptives Intelligentes System) entwickelt, das im Auftrag der Länder durch das FWU (Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht) umgesetzt wird. Die Anwendung ist speziell für den schulischen Einsatz konzipiert und an verschiedene Sprachmodelle angebunden, darunter mehrere aktuelle GPT-, Llama- und Mistral-Varianten.

Ein zentraler Aspekt ist der Datenschutz: Alle Systeme werden auf Servern innerhalb der EU betrieben. Nutzungsdaten werden weder an Dritte weitergegeben noch zum Training der KI verwendet. Seit 2024 wird telli als Open-Source-Lösung entwickelt und kontinuierlich für den pädagogischen Einsatz optimiert. Niedersachsen pilotierte den Chatbot zunächst mit 30 Schulen und vier Studienseminaren, um Erkenntnisse zur Weiterentwicklung und zum Unterstützungsbedarf zu gewinnen.

Praxiserfahrungen aus der Pilotphase

Die Rückmeldungen aus der Erprobungsphase zeigen dabei neben den Möglichkeiten auch Verbesserungspotenzial auf. Bettina Heck, Lehrerin am Gymnasium „In der Wüste“ in Osnabrück, die telli mit ihrer zwölften Klasse im Deutschunterricht getestet hat, hält es für unabdingbar, die Schülerinnen und Schüler auf die Chancen und Gefahren von KI vorzubereiten. Ihr Schulleiter Nils Fischer betont die Bedeutung von KI-Kompetenz: „In wenigen Jahren ist KI so normal wie Elektrizität: Sie wird überall sein. Entscheidend ist, dass Menschen sie kompetent für ihre Arbeit einsetzen. Wer gestalten und verbinden will, muss sie souverän nutzen können, dazu muss Schule befähigen.“ Nils Diener, Fachbereichsleiter Gesellschaftslehre sowie Arbeit-Wirtschaft-Technik an der IGS Lengede im Landkreis Peine, wünscht sich noch mehr Optionen, etwa eine Sprachauswahl für den Fremdsprachenunterricht, sowie zusätzliche Kontrollmechanismen.

Fortbildungen und Informationsmaterial

Begleitend zur telli-Einführung stellt das Land Lehrkräften Informationsmaterial im Niedersächsischen Bildungsportal zur Verfügung. Das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) bietet zudem Fortbildungen zum Thema Künstliche Intelligenz an.

Mit der landesweiten Freigabe reiht sich Niedersachsen in eine wachsende Zahl von Bundesländern ein, die telli einsetzen. Bremen führte den Chatbot als erstes Bundesland ein, es folgten Brandenburg, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, das Saarland und Nordrhein-Westfalen. Weitere Länder planen die flächendeckende Einführung.

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