Live aus dem CDO-Zirkel New Work – viel mehr als Obstkorb und Kickertisch

Ein Gastbeitrag von Andreas Steffen & Alexander Bierl 6 min Lesedauer

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New Work? Ist doch gar nicht neu! Stimmt. Und gerade deshalb umso wichtiger, um auf dem noch weiten Weg der Digitalisierung deutscher Amtsstuben ein gutes Stück voranzukommen.

Du warst noch niemals in New Work? (Bild:  KI-generiert/ChatGPT)
Du warst noch niemals in New Work?
(Bild: KI-generiert/ChatGPT)

Der Begriff „New Work“ wurde bereits Mitte der 1980er Jahre vom Sozialpsychologen Fritjof Bergmann geprägt. Die grundsätzliche Idee liegt darin, dass beim Übergang vom maschinell-geprägten Industriezeitalter in die digitale Wissensepoche auch neue Arbeitsformen relevant werden. Allerdings ist dies kein Wandel, der erst bevorsteht. Wir befinden uns längst mittendrin – und sollten gleichzeitig in vielen Bereichen noch weiter ankommen und vorankommen.

In den 40 Jahren, die „New Work“ als Idee existiert, sind mit diesem Label viele Dinge ausprobiert und zum Teil auch etabliert worden. Was davon kann die hiesige Verwaltungswelt gut gebrauchen, um ein adäquates und modernes Umfeld zu schaffen, damit all die digitalen Dinge gelingen?

Denn wer Digitalisierung ernst meint, muss vielerorts die Art der Zusammenarbeit verändern – nicht nur die IT. Digitalisierung ist kein Technikprojekt – und New Work kein nettes Wohlfühlprogramm. Beides zusammen kann jedoch zum Schlüssel für eine moderne Verwaltung werden. Genau hier setzt New Work an: als reale Kulturtechnik für vernetzte Zusammenarbeit, digitale Reife und Veränderungsfähigkeit, für Vertrauen, gelebte Beteiligung und ­flexibles Reagieren auf den bereits laufenden und zukünftigen Wandel.

Das bayerisch-berlinerische Autoren-Duo blickt hierfür sowohl kurz kritisch und leicht ironisch in die deutsche Bundeshauptstadt als auch ausführlich konstruktiv und zukunftsorientiert auf die Aktivitäten der Landeshauptstadt München (LHM).

Du warst noch niemals in New Work?

Dann komm' nach Berlin! Hierher in die Hauptstadt, die so gern eine echte Metropole wäre. If You can make it here – You can make it … maybe somewhere.

Seit Stunden im Café in Mitte vor demselben Latte Macchiato sitzen und multivisionär von all den vielen Projektideen plaudern, die Dich zum Glück davon abhalten, in einem dieser fiesen „Corporates“ zu arbeiten? (Für Fachfremde: Das sind Unternehmen, die kein Start-up und damit per Definition alt, groß und böse sind.) Oder mit ­megakrassem Job-Title – beispielsweise „Head of Yourself“ oder ­„Vicepresident of Something” – in einem Fabrikloft am Kickertisch schuften und dabei Club Mate schlürfen, weil's alle tun, bevor es in den Yogakurs Deines Start-ups geht? Nee, das ist nicht wirklich „New Work“, wie es Herr Bergmann meinte, das ist eher typisch Berlin. Auch Homeoffice und Slack oder Scrum, über den Haufen geworfene Hierarchien, tägliche Stand-ups und Hipster-Büroausstattung hätten den guten Fritjof vermutlich nicht zum Jubeln gebracht. New Work? Das ist sehr viel mehr. Vor allem, wenn's wirkungsvoll für die weitere Modernisierung und Digitalisierung sein soll.

  • Reality Check 1: Tischkicker und Yogakurs – solche Benefits können Ausdruck einer neuen Arbeitskultur sein. Sie sind aber nicht das Ziel, sondern bestenfalls ein Nebeneffekt von echter Selbstbestimmung und Flexibilität.
  • Reality Check 2: Homeoffice und mobiles Arbeiten sind mögliche Werkzeuge. New Work meint jedoch vor allem die Frage, wie und warum wir arbeiten, nicht nur wo.
  • Reality Check 3: Äußere Form ersetzt nicht die innere Kultur. Augenhöhe, Sinnorientierung und Autonomie sind zentrale Bausteine – nicht das stylische Büro und hippe Start-up-Atmosphäre.
  • Reality Check 4: Digitale Tools wie Slack, Miro oder Notion können Kollaboration erleichtern, jedoch ersetzen sie keine echte Kultur des Vertrauens und der Mitgestaltung.
  • Reality Check 5: Agilität ist ein möglicher Weg zu mehr Flexibilität und Sinn – aber ohne echte Haltungsänderung wird es zur leeren Methode, Agilität darf also kein reiner Selbstzweck sein.
  • Reality Check 6: Es geht nicht um das Ende jeglicher Struktur, sondern stattdessen um verantwortungsvolle Selbstorganisation, wo es sinnvoll ist – mit klaren Rollen, nicht ohne Klarheit.

Das wollte mal ausgesprochen und aufgeschrieben werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Auch wenn dem Berliner Teil des schreibenden Duos hierbei leicht das ­lokalpatriotische Herz blutet, lohnt es sich, zum Verstehen von New Work in echter Anwendung nach München zu schauen – denn dort geschieht schon sehr viel Gutes zum Anschauen und Nachmachen.

Mia san mia?

Mia san wir alle gemeinsam! New Work in München: Haltung und Selbstverständnis statt Hype.

Den FC Bayern kann man lieben oder hassen – etwas anderes scheint im Fußball nicht erlaubt zu sein. Und natürlich kann man aus den ungefähr fünfzehn anderen Bundesländern neidisch (lies: kritisch) in die bajuwarische Region schauen. Oder man kann es lassen, im Kopf einen konstruktiven Schalter umlegen und zum Lernen & Nachmachen dorthin blicken. (Wichtiger Hinweis: Wenn bei ­Ihnen & Euch alles, was gleich folgt, längst etabliert ist und noch viel mehr „Good New Work“ funktioniert, freuen wir uns auf sachdienliche Hinweise, um auch „von anderswo“ zu lernen und gute, erfolgreiche Beispiele in die breitere Breite zu bringen!)

Auf der nächsten Seite: In München ist New Work ein strategisches Angebot mit Haltung.

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