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New Work – viel mehr als Obstkorb und Kickertisch

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New Work ist in München nicht bloß ein Etikett für neue Möbel oder moderne Meetingräume. Auch nicht das Überbügeln von Agile oder Scrum. Es ist ein strategisches Angebot mit Haltung. Im Zentrum steht dabei eine einfache, aber wirkmächtige Frage: Warum arbeite ich gern? Die Antwort soll zu echter, sicht- und spürbarer Sinnhaftigkeit führen, gleichermaßen zu Autonomie und mehr Flexibilität – an den richtigen Stellen. Kurzum: zu einem Arbeitsumfeld, das Menschen befähigt, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam bessere Ergebnisse für das Gemeinwohl zu erzielen.

Dabei macht die Stadtverwaltung deutlich: Ein offenes Bürokonzept braucht mehr New Work, aber New Work braucht nicht zwingend ein offenes Bürokonzept. Entscheidend ist, WIE gearbeitet wird, nicht bloß WO. New Work bedeutet bei der Landeshauptstadt München deshalb auch, vorhandene Ressourcen – Zeit, Geld, Kompetenzen und vor allem Menschen – so einzusetzen, dass diese ihr volles Potenzial entfalten können. Und zwar nicht punktuell, sondern als stadtweites Angebot für alle Interessierten. Bis Ende 2025 soll New Work in diesem Sinne strategisch etabliert sein.

Strategie mit Struktur und viel Community-Spirit

Was auf dem Papier ambitioniert klingt, zeigt in der Praxis bereits konkrete Wirkung. München hat eine New Work Community aufgebaut, die aus rund 120 Mitarbeitenden aus den verschiedensten Referaten und Eigenbetrieben besteht. Diese Menschen verbindet, dass sie sich für neue Formen der Zusammenarbeit interessieren – ob aus Verwaltung, Architektur, IT, Pädagogik oder auch der Feuerwehr. Unterstützt durch ein zentrales New Work Team, werden Experimentierräume geschaffen, Formate erprobt sowie Wissen und Best Practices miteinander geteilt.

Zur Community gehören digitale Austauschformate wie „Let's talk about New Work“, begleitende Angebote zur Selbstorganisation, ein internes Podcast-Format („New Work! New What?“), eine Toolbox für den Alltag sowie ein eigener New Work Award. Darüber hinaus entstehen E-Learnings, Seminare, ein News-Blog, Impulsvorträge und sogenannte Learning Nuggets – alles mit dem Ziel, Lernen zum Nochbesserwerden niederschwellig und praxisnah zu gestalten.

New Work Coaches: ­Möglichmacher im System

Ein zentrales Element sind die New Work Coaches. Sie werden über ­eine eigens entwickelte modulare Qualifizierungsreihe auf ihre Rolle vorbereitet. Ziel ist es, eigene Projekte begleiten, kollegial beraten und andere Menschen im Veränderungsprozess unterstützen zu können. Die Teilnahme ist freiwillig und kostenfrei – getragen vom Personal- und Organisationsreferat der LHM, durchgeführt durch das New Work Team. Entscheidend: Die Coaches sind keine „Missionare“, sondern Möglichmacher (w/m/d). Sie bringen den Kulturwandel in die Teams und Referate: Schritt für Schritt, mit Fingerspitzengefühl und Fachkenntnis.

Und? Wirkt's? Ja.

Die Münchner New Work Community wurde Ende 2024 evaluiert – mit klaren Ergebnissen:

  • 83 % der befragten Menschen erleben, dass sie durch die Community New Work (Elemente) ausprobieren und erleben können.
  • 92 % schätzen die Möglichkeit zum stadtweiten Austausch.
  • 87 % haben ihr Wissen zum Thema New Work deutlich erweitert.
  • 77 % erkennen einen aktiven ­Beitrag der Community zum Kulturwandel bei der LHM.

Der Wunsch nach noch mehr Praxisbeispielen und informellem Austausch wurde aufgegriffen. Neue Formate wie „New Work Coffee“, ein Onboarding für neue Mitglieder und ein verstärkter Peer-to-Peer-Austausch sind bereits in Umsetzung.

Fazit: Lernen von ­München? Gerne.

Wenn Behörden plötzlich mutiger experimentieren als so manches Start-up, lohnt es sich, genauer hinzusehen. Die Landeshauptstadt München zeigt, dass New Work in der Verwaltung nicht nur möglich ist, sondern sinnstiftend und wirksam. Und das ganz ohne hippen Hype – sondern mit Haltung, Struktur und der Bereitschaft, wirklich etwas zu verändern

Die Autoren

Alexander Bierl ist Geschäftsbereichsleiter Organisation & Transformation bei der Landeshauptstadt München. Er beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit verschiedensten Themen im Organisationskontext. Eines seiner Anliegen: den Menschen zu zeigen, wie cool Verwaltung sein kann.

Andreas Steffen ist Gründungs- und Vorstandsmitglied des NEGZ, Co-Sprecher des CDO-Zirkels und beschäftigt sich seit 1996 mit Digitalisierung, Transformation und Innovation. Als Gründer und Managing Director der Beratungsagentur 5STEP arbeitet der Betriebswirt und Ex-Innovationsmanager als Strategieberater, Executive Coach und Moderator für Organisationen und Führungskräfte aus dem Public Sector und der Wirtschaft.

Infos zum CDO-Zirkel

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