Best Practice: Fachkräfteausbildung Nachwuchskräfte übernehmen früh Verantwortung

Von Nicola Hauptmann 2 min Lesedauer

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Wie bildet man fähige Nachwuchskräfte für die Verwaltung aus? Indem man ihnen etwas zutraut – und ihnen zuhört. Wie wichtig das ist, zeigt das Projekt „Team OnlineRathaus“ der Stadt Wiesbaden.

Generationenwechsel und Umbruch in den Verwaltungen: Schon die Ausbildung muss sich an den zukünftigen Anforderungen orientieren(© Mathias Weil – stock.adobe.com)
Generationenwechsel und Umbruch in den Verwaltungen: Schon die Ausbildung muss sich an den zukünftigen Anforderungen orientieren
(© Mathias Weil – stock.adobe.com)

Der öffentliche Sektor steuert auf einen Engpass zu: Aktuell sind laut einer Studie von McKinsey gut 360.000 Stellen nicht besetzt; bis 2030 sollen die Lücke auf 840.000 anwachsen. Während Mitarbeitende altersbedingt aus dem Dienst ausscheiden, fehlt der Nachwuchs. Umso wichtiger wird es für Behörden und Verwaltungen, als Arbeitgeber attraktiv zu sein, um künftige Fachkräfte zu gewinnen und zu begeistern.

In Wiesbaden gelingt das mit dem Projekt „Team OnlineRathaus“. Das Besondere: Der Urkundenservice des Standesamtes liegt komplett in der Hand der Nachwuchskräfte. Sie beraten die Bürgerinnen und Bürger bei der Urkundenbestellung, kümmern sich um alle nötigen Recherchen sowie die Rechnungserstellung.

Gemeinsam verantwortlich als Team

Das selbstständige Arbeiten und die frühe Übernahme von Verantwortung komme bei den Auszubildenden sehr gut an, sagt der Standesbeamte und Leiter des Teams OnlineRathaus, Jan Klumb. Er leitet die 2009 gestartete Initiative praktisch schon in zweiter Generation. Lag der Fokus zu Beginn auf Optimierung von Abläufen, steht jetzt die Digitalisierung im Vordergrund. Von Anfang an aber ging es darum, die junge Generation mit ihrer eigenen Sichtweise, ihren Erwartungen und ihrem Technikwissen einzubinden: „Wir wollen wichtige Inhalte von eGovernment schon in der Ausbildung vermitteln, gleichzeitig aber auch die Ideen für eine moderne Verwaltung unserer Nachwuchskräfte mit aufgreifen“, so Klumb. Die parallele Theorie-Ausbildung hält mit diesem Anspruch nicht immer Schritt: „In der Praxis beschäftigen sich bei uns zum Beispiel Auszubildende zum Verwaltungsfachangestellten mit Themen wie eIDAS oder der OZG-Umsetzung, während sie nach dem Ausbildungsrahmenplan noch lernen, wie eine Hängeregistratur funktioniert“, erläutert Jan Klumb.

Voneinander lernen

Mit der Nachwuchsgewinnung setzt man in Wiesbaden schon bei den Schulen an – mit Erfolg: Der Weg zur Ausbildung führe oft über ein Schülerpraktikum, berichtet der Teamleiter. Im Schnitt würden 40 Nachwuchskräften pro Jahr ausgebildet. Für deren Einarbeitung, die gewöhnlich mit einigem personellen Aufwand verbunden ist, hat man in Wiesbaden eine andere Lösung gefunden. Das übernehmen die Azubis nämlich zum großen Teil selbst, indem sie sich gegenseitig anlernen. Sie erstellen dazu kurze Übersichten „Readmes“, die digital oder auch analog, als Aufsteller direkt an den jeweiligen Arbeitsplätzen, hinterlegt sind.

Team OnlineRathaus: Für die gemeinsame Projektarbeit steht den Auszubildenden ein eigener Projektraum zur Verfügung (© Rathaus Wiesbaden)
Team OnlineRathaus: Für die gemeinsame Projektarbeit steht den Auszubildenden ein eigener Projektraum zur Verfügung
(© Rathaus Wiesbaden)

Zur Ausbildung gehört neben der Arbeit in den Fachabteilungen auch die gemeinsame Projektarbeit. Bei einem „Jour Fixe“, der alle zwei Wochen stattfindet, werden die aktuellen Projekte vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht; aber auch Wünsche oder Kritik können geäußert werden.

Über das Thema Fachkräftemangel und das Nachwuchsprojekt in Wiesbaden sprechen wir auch in unserem Podcast „Unbürokratisch“.

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