Berlin Kiezlabor: ein offener Ort für Bürger und Verwaltung

Von Susanne Ehneß 4 min Lesedauer

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Auf dem diesjährigen Sommerfest des Berliner CityLAB wurde das sogenannte Kiezlabor offiziell eröffnet. Das energieautarke Tiny House, das aus einem alten Schiffscontainer entstanden ist, soll die Bürger bei der digitalen Transformation mit an Bord holen – gemäß dem Motto „Ohne dich sind wir nur ein Container“.

Dr. Benjamin Seibel mit Berlins CDO Martina Klement(©  Florian Reimann)
Dr. Benjamin Seibel mit Berlins CDO Martina Klement
(© Florian Reimann)

Auf der Digitalkonferenz re:publica wurde das Kiezlabor des CityLAB getestet, nun lässt das Projekt seinen Beta-Status hinter sich, ab sofort sind die Bürger zum Mitmachen eingeladen. „Ohne dich sind wir nur ein Container“, lautet das Motto des Projekts, das von der Senatskanzlei Berlin gefördert wird und ein Projekt der Technologiestiftung Berlin ist.

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Und genau dieses Motto soll hier gelebt werden, wobei der lokale Ansatz entscheidend ist: Vielseitige Veranstaltungen wollen Bürger und Initiativen aus dem Stadtviertel – dem Kiez – mit der Öffentlichen Verwaltung zusammenbringen und zu Diskussionen einladen. Dabei soll nicht nur mit, sondern auch von den ­Kiezen gelernt werden – um eine bedarfsgerechte digitale Stadtentwicklung zu fördern.

„Das Kiezlabor ist ein Projekt, das im Rahmen der Smart-City-Strategie ‚Gemeinsam Digital: Berlin‘ umgesetzt und vom Land Berlin ­finanziert wird“, kommentiert Berlins CDO Martina Klement. „Deshalb freue ich mich über die Einweihung des Kiezlabors und hoffe, dass es von den Berlinerinnen und Berlinern – egal ob jung, alt, digitalaffin oder nicht – als offener Ort angenommen und als Zukunftswerkstatt, Workshop, Bühne, interaktive Ausstellung, Netzwerktreffen oder auch einfach zum gemütlichen Austausch genutzt wird.”

Dr. Benjamin Seibel, Leiter des ­CityLAB, erläutert im Interview, was das Kiezlabor kann und wie es von den Bürgern angenommen wird.

Das Kiezlabor wurde kürzlich offiziell eröffnet. Was sind die Ziele dieses Projekts?

Seibel: Im CityLAB führen wir regelmäßig Partizipationsprojekte durch – bislang zumeist in unseren eigenen Räumen direkt im ehemaligen Flughafengebäude in Berlin-Tempelhof. Mit dem mobilen Kiezlabor können wir unser Angebot nun auch zu den Menschen vor Ort bringen. Das gibt uns die Möglichkeit, ganz neue Zielgruppen zu erreichen und mit neuen Formaten zu experimentieren. Wir arbeiten dabei an jedem Standort mit lokalen Initiativen zusammen, aber auch mit der Öffentlichen Verwaltung. So gab es an unserem ersten Teststandort vor den Toren der re:publica zum Beispiel ein mobiles Bürgeramt, wo quasi im Vorbeigehen ein Ausweis verlängert oder eine Wohnungsummeldung erledigt werden konnte.

Wie können sich die Bürger konkret beteiligen?

Seibel: Wir arbeiten an jedem Standort mit einem eigenen Themenschwerpunkt und immer mit einem starken lokalen Bezug. Wenn im Kiez aktuell zum Beispiel über Verkehrsberuhigung diskutiert wird, dann greifen wir so etwas auf. Menschen vor Ort können dabei unsere Workshopangebote nutzen oder eigene Ideen für Formate einbringen und umsetzen. Nicht zuletzt zeigen wir im Kiez­labor digitale Prototypen, die bei uns im CityLAB entstanden sind. Das Feedback nutzen wir dann, um unser Angebot zu verbessern.

Wie wird das Kiezlabor bisher von den Berlinern angenommen?

Seibel: Durchgehend sehr gut. Der schön gestaltete Container weckt natürlich Neugier und Interesse, und wenn die Leute dann noch merken, dass wir nicht einfach ­irgendwas verkaufen wollen, sondern zum Mitgestalten einladen, nehmen sie sich gerne etwas Zeit. Gerade auch bei den mobilen Bürgerdiensten war die Begeisterung sehr groß. In Berlin ist es ja notorisch schwierig, zeitnah einen ­Termin beim Amt zu bekommen. Als die Leute hörten, dass sich das im Kiezlabor mal eben so erledigen lässt, konnten viele das kaum glauben.

Wie schafft man es, auch jene Bürger anzusprechen und mitzunehmen, die bisher kein Interesse an einer Mitgestaltung gezeigt haben oder wenig digitalaffin sind?

Seibel: Ganz zentral ist die niedrigschwellige Gestaltung des Angebots. Das Kiezlabor wirkt einfach einladend, es gibt Liegestühle, Schatten, kühle Getränke und Musik. Wenn sich jemand nur ein wenig ausruhen und eine Limo trinken möchte, ist das auch völlig okay. Zudem setzen wir auf zielgruppenspezifische Formate, machen also auch mal Workshops ­speziell für Kinder oder Senioren. Das ist wichtig, weil Bedürfnisse und Interessen, aber auch die Art der Ansprache eben sehr unterschiedlich sind.

Welche Projekte sind in naher Zukunft geplant?

Seibel: Wir haben weitere Berliner Standorte in diesem Jahr geplant und experimentieren dabei ständig mit neuen Angeboten. Auf dem Tempelhofer Feld haben wir uns zuletzt mit lokalen Strategien zum Umgang mit der Klimakrise befasst, nun geht es für uns vom 4.9. bis 18.9. in den Graefekiez mit dem Fokus auf die Neugestaltung öffentlicher Plätze. Anschließend steht ein Besuch in Marzahn-Hellersdorf an. Das Kiezlabor ist auch Teil der Berliner Smart-City- und Digitalstrategie „Gemeinsam Digital: Berlin“. Hier entstehen in den nächsten Monaten und Jahren zahlreiche Smart-City-Projekte, die im Kiezlabor erprobt und mitgestaltet werden können.

Kooperieren Sie mit anderen Städten oder Kommunen?

Seibel: Wir haben uns während der Konzeption mit verschiedenen anderen Städten und Kommunen ausgetauscht, die bereits Erfahrungen im Bereich mobiler Partizipationsangebote gemacht haben. Daraus ist die Idee für ein „Netzwerk mobile Stadtlabore“ entstanden, in dem wir uns nun regelmäßig austauschen wollen.

Standorte

Im Laufe des Jahres wird das Kiezlabor an mehreren Orten in Berlin zu finden sein. Bisher bestätigt sind folgende Standorte:
• Friedrichshain-Kreuzberg: Im Graefekiez, voraussichtlich Dieffenbachstraße, 04.09. bis 18.09.2023
• Marzahn-Hellersdorf: Am Alice-Salomon-Platz, 16.10. bis 20.10.2023

citylab-berlin.org
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