Sprachmodell trifft auf Persona

KI-Agenten in der Verwaltung

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Erprobung hinter verschlossener Tür

Aktuell testet die Bundesagentur für Arbeit (BA) den Einsatz von KI-Agenten auf Basis großer Sprachmodelle innerhalb ihrer Verwaltungsorganisation. Die Erprobung zielt darauf ab, die gleichermaßen zeitintensive wie fehleranfällige manuelle Übertragung von Änderungsanforderungen (RfC-Dokumente) sowie Nutzeranforderungen (User Stories) in Jira-Tickets zu automatisieren.

Das IT-Verfahren ALLEGRO bildet zentrale Förderprozesse nach dem SGB II ab und wird von über 40.000 Anwenderinnen und Anwendern im gesamten bundesdeutschen Gebiet genutzt. Innerhalb dieses Systems haben Software-Architekten der BA gemeinsam mit KI-Expertinnen und Experten des Beratungsunternehmens Capgemini zahlreiche Use Cases für KI-Agenten entwickelt und diese in den operativen Betrieb befördert.

Während der Pilotierungsphase kommen mehrere hochspezialisierte KI-Agenten zum Einsatz. Zunächst werden relevante Inhalte aus RFCs oder User Stories von einem Reader-Agenten extrahiert. Daraufhin zerlegt ein Planning-Agent die Aufgabe in konkrete kleinteilige Arbeitsschritte. Ein Creator-Agent erstellt daraufhin automatisch ein Jira-Ticket. Dieses wird mit einem entsprechenden Titel sowie einer Beschreibung versehen. Gleichzeitig weist dieser KI-Agent dem Ticket eine (vorläufige) Priorität und eine Kategorie zu. Im Nachgang überprüft ein Review-Agent die Ergebnisse der anderen KI-Agenten auf Konsistenz und Plausabilität und sortiert eventuell aufgetretene Dubletten aus.

Technische Umsetzung innerhalb der BA

Um eine möglichst sichere Testumgebung zu kreieren, haben die IT-Verantwortlichen der Bundesagentur für Arbeit entschieden, dass die Implementierung der KI-Agenten ausschließlich mit lokal betriebenen Modellen zu erfolgen hat. Zum Einsatz kommen dabei Modelle von Herstellern wie Aleph Alpha, Meta, Mistral oder auch Alibaba. Die zentrale Steuerung der KI-Agenten erfolgt über CrewAI. Dabei handelt es sich um eine Open-Source-Plattform für Multi-Agenten-Systeme. Um weitere Sicherheitsbedenken auszuräumen, wurde die Pilotumgebung vollständig in die lokale Jira-Instanz der Bundesagentur für Arbeit inte­griert. Den Anlern- und Trainingsprozess sowie die testweise Verwendung der KI-Agenten finden in der geschlossenen On-Premise-IT-Infrastruktur des Systemhauses der BA statt. Laut den Verantwortlichen verbleiben dabei sämtliche Daten innerhalb der hauseigenen Infrastruktur. Eine externe Datenübertragung ist ausgeschlossen.

Erste Ergebnisse stimmen positiv

Nach eingehenden Tests haben die Verantwortlichen der BA ein zwischenzeitliches Fazit gezogen und festgestellt, dass die automatisierte Erstellung von Tickets in den meisten Fällen reibungslos funktioniert. Lediglich sehr umfangreiche RfC-Dokumente würden noch gelegentliche Ausnahmen darstellen. Der wiederkehrende Aufwand für die manuelle Ticket-Erstellung entfalle durch den Einsatz der Agenten. Die vom System erstellten Tickets würden zumeist über die geforderten Eigenschaften verfügen. Die Integration in eine hochsichere On-Premise-Architektur erfordere umfangreiche Abstimmungen zwischen verschiedenen Einheiten. Unklare oder widersprüchliche Anforderungen können zu Fehlern führen. Die Modelle müssten dazu regelmäßig aktualisiert werden, was in einer lokalen Umgebung mehr Aufwand bedeutet. Darüber hinaus seien Mitarbeiterschulungen notwendig, um die KI-Systeme effektiv zu nutzen. Eine weitere potentielle Fehlerquelle sind große RfC-Dokumente. Bei deren Verarbeitung können Token-Limits überschritten werden, was eine Anpassung der Eingabedaten und dementsprechend menschliches Eingreifen erfordert. Das Pilotprojekt der BA zeigt das Potenzial für eine breitere Anwendung von künstlicher Intelligenz in der öffentlichen Verwaltung auf. KI-Agenten könnten künftig auch bei Fachverfahren, im Dokumentenmanagement oder für Bürgerkommunikation eingesetzt werden. Entscheidend wird jedoch sein, dass die Technologie eben dort eingesetzt wird, wo sie einen praktischen Mehrwert schafft und Mitarbeitern monotone Arbeitsschritte abnehmen kann.

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