Gleich zu Beginn des Jahres 2025 überschlagen sich die Ereignisse – was es nicht gerade einfacher macht, sich auf die kommenden Monate einzustellen. Martin Zingsheim von Alcatel-Lucent Enterprise hat sich trotzdem daran gewagt, sieben Thesen für das laufende Jahr aufzustellen.
Ob auf politischer, technischer oder wirtschaftlicher Ebene: der Informationstechnik stehen stürmische Zeiten bevor.
(Bild: Midjourney / KI-generiert)
IT-Trends für 2025 zu prognostizieren, ist ungleich schwieriger als in früheren Jahren. Denn dieses Jahr ist alles andere als normal. Gerade hat Deutschland vorgezogene Neuwahlen hinter sich und die Regierungsbildung könnte könnte sich hinziehen. Das westliche Bündnis ist angezählt, ehemalige Partner könnten zu Gegnern werden – und gesetzliche Vorhaben verzögern sich. Das bremst das NIS2-Umsetzungsgesetz ebenso wie die Einführung der elektronischen Patientenakte. Welche Entwicklungen sind dennoch im öffentlichen Bereich für das laufende Jahr zu erwarten?
1. Die politischen Rahmenbedingungen in Deutschland werden schwieriger
Unternehmen brauchen Stabilität und verlässliche Vorgaben. Nach der Bundestagswahl darf die Regierungsbildung nicht zu lange dauern, denn der Markt ist ohnehin verunsichert. Welche finanziellen Mittel zukünftig bereitstehen ist unklar, Entscheidungen werden vertagt, Projekte neu überdacht.
2. Der Fachkräftemangel spitzt sich zu
Die öffentliche Verwaltung leidet zunehmend unter Personalmangel. Im Herbst 2024 warnte der Vorsitzende des Deutschen Beamtensbundes (dbb), Ulrich Silberbach, vor einer Lücke von 570.000 Beschäftigten. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte vor einem Zusammenbruch der Verwaltung – und rechnet mit 230.000 fehlenden Arbeitskräften bis 2030. Es würde zu wenig Personal gefunden und gleichzeitig gingen immer mehr Mitarbeitende in Rente. Der Personalstand in der öffentlichen Verwaltung wird denn auch drastisch zurückgehen. Der Fachkräftemangel führt dazu, dass IT-Dienste bei öffentlichen Dienstleistern zentralisiert werden. Immer mehr Städte und Gemeinden nutzen die Rahmenverträge ihrer zentralen, öffentlichen Servicedienstleister.
3. Europas digitale Souveränität gewinnt an Bedeutung
Angesichts der aktuellen drastischen Veränderungen in den transatlantischen Beziehungen muss Europa eigenständiger werden. Zumal die technologische Abhängigkeit Europas von den USA, aber auch China besorgniserregend groß ist. Laut einer Bitkom-Studie sehen 91 Prozent diese Abhängigkeit bei digitalen Technologien und Dienstleistungen kritisch. Der Bitkom-Präsident fordert, die neue Bundesregierung müsse „die digitale Souveränität zum Top-Thema machen”. Unternehmen sollten bei geschäftskritischen Anwendungen verstärkt auf europäische Anbieter setzen.
Europa muss sich verteidigungspolitisch und wirtschaftlich auf eigene Stärken besinnen. Große Tech-Konzerne wie Microsoft, AWS und Google dominieren den Markt und geben den Ton bei Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz an. Es gibt aber europäische Alternativen. Diese decken nur Teilaspekte ab, doch offene Ökosysteme, standardisierte Schnittstellen und strategische Partnerschaften können helfen, europäische Alternativen zu stärken. Die Investition in solche Ansätze wird 2025 im Fokus stehen.
4. Die Verteidigungsausgaben werden selbst in politisch stabilen Nationen steigen
Unabhängig von der Regierungsform oder der Konfliktlage erhöhen wohlhabende Länder ihre Verteidigungsausgaben. Besonders Staaten, die Angriffe fürchten, investieren mehr in innere und äußere Sicherheit sowie in die Infrastruktur, um den Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten. Dies wird aller Voraussicht nach dem Amtsantritt des neuen US-Präsidenten alle NATO-Länder betreffen, weil dieser eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsproduktes fordert. Auch wenn dies kurzfristig unrealistisch ist, werden die Budgets in diesem Bereich deutlich wachsen.
Neuartige, KI-gestützte Angriffstechniken erfordern ständig aktualisierte Sicherheitssysteme. Neue Gesetze zwingen Unternehmen, in Cybersicherheit und Resilienz zu investieren. Organisationen müssen die Kosten der Compliance gegen die Risiken von Untätigkeit abwägen. Regulierungsvorschriften wie NIS-2 verlangen von Organisationen, Ausgaben für Cybersicherheit zu priorisieren, doch die Umsetzung bleibt den einzelnen Unternehmen überlassen. Strategische Planung wird unverzichtbar. Dieser Trend wird mindestens die nächsten drei Jahre prägen.
6. Nachhaltigkeit und Klimaschutz bleiben zentral für die Regierungen in Europa
Nach den Klimakatastrophen des Vorjahres – besonders in Spanien, Italien und Griechenland – setzen europäische Regierungen verstärkt auf umweltfreundliche IT-Lösungen. Energieeffiziente Rechenzentren, papierlose Prozesse und IoT-Anwendungen zur Umweltüberwachung gewinnen an Bedeutung. Smart Cities werden weiter ausgebaut, um Energie-, Transport- und Abfallmanagement effizienter zu gestalten. Ziel ist es, nachhaltige und lebenswerte Städte zu schaffen.
Stand: 08.12.2025
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7. Der Bürgerservice wird wichtiger
In Westeuropa arbeiten Regierungen und Behörden weiter daran, den Bürgerservice zu verbessern. E-Services wie die elektronische Steuererklärung und die Online-Verlängerung von Führerscheinen und barrierefreie Technologien stehen im Mittelpunkt. In Deutschland wird ab Mai 2025 die Barrierefreiheit gesetzlich verpflichtend. Auch unterversorgte Bevölkerungsgruppen sollen besser erreicht werden.
Die IT-Welt 2025 wird von Unsicherheit, Fachkräftemangel und geopolitischen Spannungen geprägt sein. Doch sie bietet auch Chancen: für mehr digitale Souveränität, stärkere Sicherheit und nachhaltige Innovationen.
Martin Zingsheim ist Sales Director Germany, Government & Education, bei Alcatel-Lucent Enterprise.