27. Europäischer Verwaltungskongress In Bremen Mut zu Fehlern gefordert

Von Johannes Kapfer 3 min Lesedauer

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Unter dem Motto: „Aufbruch: Nachhaltig gestalten – oder scheitern“ fanden vergangene Woche rund 250 Verwaltungsfachkräfte und Wissenschaftler in Bremen zusammen. In vier parallel stattfindenden Foren wurden Innovationen und Strategien diskutiert.

Beim Abschlusspanel des 27. Europäischen Verwaltungskongresses wurden die Ergebnisse der vier Fachforen zusammengetragen und Impulse für den Arbeitsalltag in der Verwaltung gesetzt.(©  Vogel IT-Medien GmbH / Johannes Kapfer)
Beim Abschlusspanel des 27. Europäischen Verwaltungskongresses wurden die Ergebnisse der vier Fachforen zusammengetragen und Impulse für den Arbeitsalltag in der Verwaltung gesetzt.
(© Vogel IT-Medien GmbH / Johannes Kapfer)

Bereits zum 27. Mal fand Ende Februar der Europäische Verwaltungskongress in Bremen statt. Nur einen Steinwurf von der berühmten Statue der Bremer Stadtmusikanten entfernt – im Festsaal des Hauses der Bürgerschaft –, eröffnete Dr. Konrad Wolf, Rektor der Hochschule Bremen, die Veranstaltung. In seiner Begrüßungsrede formulierte er den Bedarf, Verwaltung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz nicht getrennt voneinander, sondern vielmehr als Teil eines Ganzen zu betrachten. Anschließende Keynote-Speaches und die ebenfalls am Vormittag stattfindende Podiumsdiskussion schlugen in eine ähnliche Kerbe und forderten zudem die Einführung einer positiven Fehlerkultur. Die Panelisten um Dr. Martin Hagen, Staatsrat beim Senator für Finanzen der Freien Hansestadt Bremen, Dr. Uwe Schneidewind, Oberbürgermeister der Stadt Wuppertal, Dr. Diana Wehlau, Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft Freie Hansestadt Bremen, sowie Dr. Konrad Wolf gaben den anwesenden Kongressbesuchern verschiedene Arbeitsaufgaben rund um das Oberthema „Transformation“ für die Fachforen mit auf den Weg.

Data-Mining, Chatbots und der Blick über den Tellerrand

Die vier, parallel stattfindenden Fachforen „Personal“, „Strategie und Steuerung“, „Digitalisierung“ sowie „Verwaltung in Europa“ behandelten unter anderem die nachhaltige Personalplanung in der Öffentlichen Verwaltung, den Einsatz agiler Arbeitsmethoden und den aktuellen Herausforderungskatalog von Städten und Gemeinden.

Dass die Öffentliche Verwaltung sich nicht immer bierernst nimmt, bewiesen die beiden Vertreter der Stadt Bad Oeynhausen Julia Kleinert und Patrick Höwener. Sie stellten im Rahmen des Forums Digitalisierung den Chatbot „Colon Sültemeyer“ vor. Der nach einem bedeutenden Bürger Bad Oeyenhausens benannte Chatbot verfügt über einige Besonderheiten, die ihn von anderen Lösungen abheben. Durch geschickte Interaktion mit den Bürgerinnen und Bürgern können diese mit der Stadtverwaltung in Kontakt treten und unter anderem niederschwellig rechtsgültige Formulare aus dem Bereich des Steuerwesens ausfüllen und übermitteln lassen. Seitdem der Chatbot den Betrieb aufgenommen hat, konnten rund 20 Prozent der Personalstunden aus diesem Ressort eingespart und an anderer Stelle eingesetzt werden, weiß Höwener zu berichten. Zudem seien sämtliche Antworten des Chatbots im Vorfeld durch eine interne Fachgruppe erstellt und eingepflegt worden. Dies verhindere Fehlinformationen und stärke das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Verwaltung sowie deren Chatbot.

Weitreichende Einblicke in den Umgang mit Stammdaten stellten ein weiteres Schmankerl des Forums Digitalisierung dar. Dr. Felix Kruse, Gründer der Datenschmiede, einem Start-up, das sich auf das Organisieren von unstrukturierten Datensätzen spezialisiert hat, legte dar, welche immensen Potentiale in der Öffentlichen Verwaltung bislang ungenutzt blieben. Der Public Sector bestehe aus unüberschaubaren Menge an Datensilos, deren umfangreiche Vernetzung eine der wichtigsten Aufgaben der Verwaltungsdigitalisierung darstelle.

Das Forum „Verwaltung in Europa“ feierte in diesem Jahr Premiere. Die Initiatorin des Forums, Professor Dr. Christiane Trüe von der Hochschule Bremen, sprach über die Regulierung von Künstlicher Intelligenz auf europäischer Ebene. Insbesondere die Frage, welches Vertrauensniveau eine KI für den Einsatz in der Öffentlichen Verwaltung benötigt, sorgte für eine angeregte Diskussion im Fachforum.

Dr. Wolfgang Meyer-Meisner, der den Europäischen Verwaltungskongress seit Mitte der 90er Jahre organisiert, zeigte sich sehr erfreut über die rege Teilnahme an der Fachtagung. Das Ziel des Formats sei es schon immer gewesen, den operativen Bereich der Öffentlichen Verwaltung explizit mit einzuschließen, betont Meyer-Meisner. Schlussendlich seien es die Verwaltungsfachkräfte, deren Arbeitskraft dafür sorge, dass die Digitalisierung des Public Sector – im laufenden Betrieb – umgesetzt werde. „Wenn man den Mittelbau sowie die Nachwuchskräfte der Verwaltung nicht in den Diskurs einbindet, wird man langfristig vor personellen Problemen stehen, die auch die beste Digitalstrategie nicht abfedern kann.“

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