Herr Lorenz, der Zukunftskongress findet in diesem Jahr zum ersten Mal im Westhafen Event und Convention Center (WECC) statt. Warum der Location-Wechsel?
Lorenz: Der Zukunftskongress wird dieses Jahr zehn Jahre alt und wie immer, wenn man eine Sache länger macht, überkommt einen irgendwann das Gefühl, etwas verändern zu wollen. Diese Lust auf das Neue hat uns in den Westhafen getrieben – auch weil es ein symbolträchtiger Ort ist. Die Bundesregierung hat hier ihren Koalitionsvertrag verhandelt, der genau die Themen des Kongresses (Kapitel 1 & 2) in den Fokus rückt. Aber auch die Lage der Location war entscheidend: Durch das Industriegelände nahe dem Wasser entsteht eine neue, lockerere Atmosphäre.
Gibt es dann auch neue Konzepte und Formate?
Lorenz: Eine neue Location muss immer völlig anders bespielt werden. Es wird zum Beispiel mehr unter freiem Himmel stattfinden. Wir haben Schiffe, auf deren Decks sich Lounges und im Bauch Seminarräume befinden. Wir verändern zudem etwas die Struktur: Aus dem Veranstaltungsplenum wird die Main Stage, für besonders wichtige Themen oder Persönlichkeiten. Generell soll das Programm auch etwas durchlässiger sein und so dem Networking mehr Raum geben. Aufgrund der vielen Anfragen ist es allerdings nun doch wieder recht straff geworden. Immer im Fokus stand für uns dabei, mehr Rückkopplung zu den Teilnehmenden zu schaffen, mehr Arbeitsatmosphäre, mehr Workshop-Charakter. Planen können wir diesbezüglich allerdings viel, umsetzen müssen es Besucher und Partner. Gleichwohl ist es nicht so, dass wir den Zukunftskongress völlig neu erfinden, sondern vielmehr die Stärken dieses sehr erfolgreichen Formats mit einer neuen Location und einer frischeren Herangehensweise vermengen.
Erstmalig wird in diesem Jahr auch der Public Leadership Award verliehen. Was kann man sich darunter vorstellen?
Lorenz: Der Leadership Award, den wir zusammen mit Kienbaum unter der Schirmherrschaft des BMI verleihen, prämiert Personen oder Organisationen, die für den Fortschritt in der Verwaltung stehen, die eine Organisation motivieren, verändern und transformieren. Das ist nicht immer unbedingt eine Frage der Technologie, es geht hier auch um den Menschen. Die großen Tech-Unternehmen haben das bereits erkannt und gehen vermehrt Veränderungs- und Organisationsthemen in ihren Kommunikationsstrategien an. Eine interessante Entwicklung, die den Kern des Zukunftskongresses trifft, die klassische Veränderung der Organisation.
Besonders spannend an dem Konzept ist jedoch das transparente Auswahlverfahren, das sich aus dem Korsett der Verwaltungen löst. In der Jury sitzen keine Verwaltungsleute, sondern Unternehmer wie Lutz Goebel – heute auch Chef des NKR –, Sebastian Klauke, Vorstand der Otto Gruppe, sowie Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helabar, und Tatjana Kiel, CEO Klitschko Ventures. Die Siegerehrung findet am 20. Juli statt. Aktuell haben die Nominierten der Shortlist Zeit, ein zweiseitiges Konzept einzureichen.
Ist etwas Besonderes zum 10-jährigen Jubiläum geplant?
Lorenz: (grinst) Nein, bei uns ist es immer besonders. Meine Philosophie ist: Jedes Mal versuchen, es noch besser zu machen. Dabei stehen die Veranstaltung und deren Teilnehmer sowie Partner im Mittelpunkt, nicht wir als Veranstalter.
Was sind für Sie in diesem Jahr die wichtigsten Themen des Kongresses?
Lorenz: Hinter allem steht die unausgesprochene Frage nach dem Mindset der Verwaltung beziehungsweise des Staates und ob diese noch in eine Welt passt, die auf Tempo setzt, auf Schnelligkeit und Serviceorientierung. Die Verwaltung ist kein Selbstzweck. Auch die Digitalisierung ist das nicht. Sie ist nur ein Mittel, um sich auf die Kernaufgaben einer Verwaltung konzentrieren und ein überdurchschnittliches Serviceniveau anbieten zu können. In meinen Augen sind daher alle Themen wichtig, da sie zusammengenommen diese Gesamtaufgabe ergeben: die Modernisierung Deutschlands durch die Digitalisierung. Insofern spielen eben Themen wie Mentalität und Mindset auf dem Zukunftskongress eine große Rolle.
Ein weiterer Fokus liegt auf Cloud, Registermodernisierung und Governance, also der Ebenen-übergreifenden Zusammenarbeit sowie der damit verbundenen Frage nach Standardisierung und Verbindlichkeit. Der Föderalismus macht dieses Thema komplex. Aber das darf keine Antwort, keine Ausrede sein. Wir müssen Antworten für Bürger und Wirtschaft finden. Sowohl Politiker als auch Gremienmitglieder müssen sich bewusst machen, dass sie den Job eben genau für diese machen und dass von ihnen Kompromissfähigkeit erwartet wird. Es gibt viele gute Projekte, aber die Rückkopplung in die Gesellschaft und die Wirtschaft, die Notwendigkeit hierzu, die vermisse ich. Hier will der Zukunftskongress ein Zeichen setzen. In meinem alten Konzept für das BMI dreht sich alles um die Frage, was der Staat und die Verwaltung dazu beitragen müssen, um Deutschland wettbewerbsfähig zu halten. Dieser Kontext ist bis heute der genetische Code des Zukunftskongresses.
Trotz Fokus auf die Möglichkeiten des Digitalen ist und bleibt der Zukunftskongress eine Präsenzveranstaltung. Warum?
Lorenz: Einerseits wollen die Leute bei digitalen Events nicht länger als eine Stunde vor dem Bildschirm sitzen – diese Zeit ist einfach vorbei nach Corona. Sie besuchen den Kongress schließlich auch, um sich zu vernetzen und die Themen miteinander zu erörtern. Das eigentliche Argument ist allerdings die Offenheit, die bei einer geschlossenen Veranstaltung herrscht. Mir ist immer wichtig, Raum für eine ehrliche und auch mal vertrauliche Debatte zu bieten. Es ist ohnehin ein Problem, dass viele nur darauf achten, wie sie beziehungsweise ihre Worte ankommen und Angst haben, möglicherweise etwas Missverständliches zu sagen. Das potenziert sich bei einem Livestream allerdings noch einmal. Ich würde uns deshalb auch nicht als oldfashioned bezeichnen, es ist vielmehr ein bewusste Entscheidung, beim Zukunftskongress offline zu bleiben. Zusätzlich bieten wir unter der Marke Zukunftskongress auch ganzjährlich digitale Veranstaltungen an.
Stand: 08.12.2025
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