Gründung von GovTech Kommunal GovTech Deutschland öffnet sich für die Kommunen

Von Nicola Hauptmann 4 min Lesedauer

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Mit der Gründung von GovTech Kommunal eröffnet sich auch den Kommunen der Zugang zu GovTech Deutschland und somit auch zur Deutschland Plattform. Was genau können Mitgliedskommunen erwarten? Wir haben nachgefragt bei Marian Schreier, Geschäftsführer von GovTech Kommunal.

Marian Schreier, Geschäftsführer von GovTech Kommunal: „Kommunen erhalten ein Angebot aus einer Hand und müssen sich weder mit der Vergabe noch mit dem Management von Cloud-Services befassen".(Bild:  GovTech Deutschland)
Marian Schreier, Geschäftsführer von GovTech Kommunal: „Kommunen erhalten ein Angebot aus einer Hand und müssen sich weder mit der Vergabe noch mit dem Management von Cloud-Services befassen".
(Bild: GovTech Deutschland)

Kommunale Verwaltungen werden bei der Digitalisierung durch die bekannten Engpässe ausgebremst: Mangel an Ressourcen schon bei der Markterkundung, ebenso beim Betrieb der eingesetzten Lösungen – während die technischen Anforderungen steigen – sowie oft auch unzureichende Digitalkompetenz. Die Unterstützung, etwa durch die Länder, ist unterschiedlich ausgeprägt und nicht flächendeckend. Mit der Öffnung für Kommunen stößt GovTech Deutschland in diese Lücke vor: Am 12. Dezember 2025 haben Kommunen aus sechs Bundesländern GovTech Kommunal gegründet – mit dem Ziel, Angebote für die kommunale Digitalisierung bundesweit verfügbar zu machen. Als eigenständiger Verein unter kommunaler Trägerschaft soll GovTech Kommunal künftig ordentliches Mitglied von GovTech Deutschland werden und den Kommunen auch den Zugang zur Deutschlandplattform ermöglichen.

Die Gründungskommunen von GovTech Kommunal:

Gemeinde Wiesenburg/Mark, Brandenburg
Gemeinde Süderholz, Mecklenburg-Vorpommern
Landkreis Bergstraße, Hessen
Stadt Rüsselsheim am Main, Hessen
Stadt Thalheim/Erzgebirge, Sachsen
Stadt Tengen, Baden-Württemberg
Kreisstadt Eschwege, Hessen
Stadt Brandis, Sachsen
Stadt Hagenow, Mecklenburg-Vorpommern
Gemeinde Tholey, Saarland
Gemeinde Kernen im Remstal, Baden-Württemberg
Stadt Heilbronn, Baden-Württemberg
Amt Güstrow Land, Mecklenburg-Vorpommern

GovTech Kommunal bündelt seine Angebote in drei zentralen Bereichen:

  • anwendungsorientiertes Lernprogramm,
  • Zugang zur direkt verfügbaren Softwarelösungen über die Deutschland-Plattform und
  • die Umsetzung kommunaler Technologielösungen.

Die operative Verantwortung liegt in der Hand von Marian Schreier, Geschäftsführer von GovTech Kommunal, der als ehemals jüngster Bürgermeister im Übrigen auch eigene Erfahrungen in der kommunalen Verwaltung einbringt.

Die Mitgliedschaft bei GovTech Kommunal steht nun allen Städten, Gemeinden und Landkreisen in Deutschland offen. Was genau können Kommunen von GovTech Kommunal erwarten? Welche Lösungen sollen über die Plattform verfügbar gemacht werden?

Fokus Nachnutzung

In einem Workshop Ende Januar / Anfang Februar nächsten Jahres sollen zunächst gemeinsam mit den Kommunen die Bedarfe eruiert werden, wie Marian Schreier erläuterte. Und wie im Gespräch auch deutlich wurde, geht es anschließend nicht darum, das Rad neu zu erfinden: „Die Deutschland-Plattform ist ein wichtiger Baustein zur Lösung des Nachnutzungsproblems: Wir wollen vor allem erprobte gute Lösungen auf die Plattform bringen. D.h. dass wir zum Beispiel mit den Gründungskommunen einen Workshop machen, um Bedarfe zu erfassen und dann passende Softwarelösungen auf die Plattform bringen“, so Schreier.

Wie ist das Verhältnis zu vergleichbaren Initiativen, etwa zum Marktplatz Deutschland des BMDS und dem Marktplatz Deutschland Digital (ehemals „Marktplatz der Zukunft“)? Marian Schreier: „ Wir verstehen uns nicht in Abgrenzung zu anderen Initiativen, sondern verfolgen einen komplementären Weg und stehen dazu mit unterschiedlichen Organisationen im Austausch." Anders als bestehende Angebote ziele die Deutschlandplattform nicht nur auf eine einfache und direkte Beschaffung, sondern ebenso auf den Betrieb: „Kommunen erhalten ein Angebot aus einer Hand und müssen sich weder mit der Vergabe noch mit dem Management von Cloud-Services befassen, die bei anderen Angeboten oft an unterschiedlichen Stellen betrieben werden.“ 

Wie bei den Softwareprodukten für die Plattform setzt man auch bei den Angeboten zur Lösungsentwicklung auf bereits bestehende Lösungen und nutzt dabei die Infrastruktur von GovTech Deutschland. Üblicherweise wird zuerst in einem Vorprojekt von sechs bis zwölf Wochen der Bedarf geklärt, auch in Gesprächen mit den künftigen Nutzerinnen und Nutzern, also den Mitarbeitenden der Kommunalverwaltung. Es folgt eine erste Markterkundung, bei der geeignete technologische Komponenten sowie Unternehmen identifiziert werden, die die Anpassung an die konkreten Bedarfe übernehmen können. Das Vorprojekt endet mit dem Abschlussbericht. Anhand dessen kann die Kommune entscheiden, ob sie in die eigentliche Projektphase, die Entwicklung, einsteigt. In diesem Fall übernimmt GovTech Deutschland das Projektmanagement und koordiniert wie ein Generalunternehmer die Unterauftragnehmer. Diese Projektkoordination ist komplex und daher herausfordernd für die Kommunalverwaltungen, während das Team von GovTech Deutschland schon umfangreiche Erfahrungen in solchen Entwicklungsprojekten einbringt. Das bringt Zeit- und Kostenvorteile für die Kommunen. Und auch hier geht es um Wiederverwendbarkeit: „Wir begleiten nur Lösungsentwicklungen, die auch für andere Kommunen nachnutzbar sind“, betont Marian Schreier.

Ein naheliegendes Thema bei der Nachnutzung sind Open-Source-Lösungen. „Open Source Komponenten sind ein sehr wichtiger Baustein. Das muss man sich immer projektspezifisch anschauen", so der Geschäftsführer von GovTech Kommunal.

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Die nächsten Schritte

Während die Aufnahme in GovTech Kommunal für Kommunen deutschlandweit eröffnet ist, stehen auch bereits die nächsten Schritte fest: In dem bereits erwähnten Workshop Anfang nächsten Jahres soll nicht nur der Bedarf an digitalen Lösungen erfasst werden, auch die konkrete Ausgestaltung der Lernangebote soll Thema sein, um auch hier den Bedarf genau zu treffen. Basierend auf diesen Ergebnissen soll schrittweise eine digitale, skalierbare Infrastruktur aufgebaut werden, die die Kommunen entlastet.

Kommunen tragen den Großteil der staatlichen Daseinsvorsorge. Damit Digitalisierung dort Wirkung entfalten kann, braucht es effiziente, leichtgewichtige Strukturen, gemeinsame technische Grundlagen und einfache Beschaffungswege. GovTech Kommunal schafft genau diesen Rahmen.

Ammar Alkassar, Vorstand von GovTech Deutschland

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