Zukunft der öffentlichen Verwaltung

Generation Z und Verwaltung: Gegensätze ziehen sich an?

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Dennoch müssen wir unterscheiden: Die Attraktivität des öffent­lichen Sektors unterscheidet sich je nach Abschluss und Studienschwerpunkt der Befragten. Agile, kreativdenkende Personen zum Beispiel nehmen den öffentlichen Sektor als weniger anziehend wahr als auf Sicherheit bedachte Personen. Auch die föderale Ebene spielt eine entscheidende Rolle. Während Verwaltungen auf Landesebene in ihrer Attraktivität für junge Menschen laufend steigen und auch die Bundesebene eine wichtige Rolle spielt, bilden kommunale Verwaltungseinheiten das deutliche Schlusslicht. Hier besteht deutlicher Handlungsbedarf, insbesondere in ländlichen Gebieten und Kleinstädten.

Nicht zu vergessen ist hier allerdings auch die fehlende Vergleichbarkeit zu Landes- und Bundesebene, die Bürger:innennähe und die Größe der Fachabteilungen und Referate. Gleichzeitig ist die Konkurrenzsituation, in der Verwaltungen mit dem Privatsektor stehen, nicht zu unterschätzen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Welche Veränderungen braucht die öffentliche Verwaltung, und welche Strategien kann sie ­verfolgen, um als attraktiver Arbeitgeber konkurrenzfähig zu ­bleiben?

How to Gen Z

Wir halten fest: Der öffentliche Dienst stellt grundsätzlich eine ­attraktive Tätigkeit für viele junge Menschen dar. Insbesondere die Aussicht auf eine Verbeamtung ist für viele ein klarer Vorteil gegenüber dem Privatsektor.

Dennoch zeigt sich, dass der öffentliche Dienst ein Imageproblem hat: Charakteristika wie Erfüllung in der Arbeit, Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung oder ein progressives Arbeitsklima sehen nur wenige als tatsächlich erfüllt. Aus diesem Grund brauchen wir mehr Flexibilität, auch oder vor allem, für Verwaltungsangestellte und ­ihre Arbeitsumfelder sowie das Verständnis der Arbeit.

Der Zugang zu sozialen Netzwerken wie Instagram, Linkedin oder TikTok bietet die permanente Möglichkeit, sich und sein Arbeitsumfeld kontinuierlich zu vergleichen und zu hinterfragen. Die flexible Gestaltung von Arbeitszeiten, die Möglichkeit zur Arbeit im Homeoffice ist aus vielen privatwirtschaftlichen (häufig nicht-handwerklichen) Berufen kaum noch wegzudenken. Und sie zieht junge Menschen an.

Einstellungsanforderungen­ überdenken

In einem Gespräch erzählte mir ein Softwareentwickler für die Stadtwerke einer Kleinstadt, dass vor allem mit Blick auf Schul-, Ausbildungs- und Studienabschlüsse noch immer recht starre Einstellungsvorschriften die Regel sind. Als Inhaber:in eines Bachelor­abschlusses seien Zugänge zum ­höheren Dienst in der Regel eingeschränkt.

Obwohl relevante Fähigkeiten auch ohne formale Abschlüsse erworben und genutzt werden könnten, sind vor allem Stellenausschreibungen noch immer mit sehr ­klassischen Einstiegshürden versehen. Dabei können vor allem Quereinsteiger:innen besonders bereichernd sein. Ein erfolgreiches Beispiel zeigt die Studie „Fachkräftemangel im öffentlichen Sektor“ der PwC WPG auf: Ehemalige Mitarbeiter:innen der Telekom konnten nach wenigen Wochen Umschulung erfolgreich für Tätigkeiten bei der Bundesagentur für Arbeit, speziell in Jobcentern, eingesetzt werden.

Mitbestimmung fördern

Zusätzlich ist vielen jungen Menschen die selbstverantwortliche Arbeit in Teams wichtig. Knapp 90 Prozent der in genannter Studie befragten Studierende gaben an, dass sie es bevorzugten, in eigenständiger Arbeitsorganisation zu arbeiten und Prozessschritte lieber selbst wählen als stetig nach prozessualen Vorgaben zu arbeiten. Aber auch das Verständnis von Arbeit wird sich mit der nachkommenden Generation ändern. Während sich unter früheren Generationen die Glaubenssätze hielten, „man müsse bis zum Umkippen arbeiten“, oder „nur wer etwas leiste, sei auch etwas wert“, ist das Selbstverständnis in jüngeren ­Generationen ein anderes. Vor ­diesem Hintergrund ist die Implementierung neuer Prozesse, zeitgemäßer Prozessautomatisierungen und auch monetärer Anreize einmal mehr von enormer Wichtigkeit.

Auf der nächsten Seite: Offenheit, Vertrauen, Mut und Entschlossenheit – und was das konkret bedeutet.

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