Anbieter zum Thema
Die Umsetzung
Den auf den ersten Blick einfachsten Weg, zwei Anwendungen zu integrieren, bieten Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, bei denen die Anwendungen direkt miteinander verbunden werden. Solche Verbindungen lassen sich vergleichsweise schnell realisieren, führen aber zu einer engen Kopplung der Anwendungen und sind somit für die in diesem Projekt angestrebte lose gekoppelte Integration ungeeignet. Die Kommunikationsplattform wird daher nicht im Wege von Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, sondern als Enterprise Service Bus (ESB) realisiert. Ein ESB ist eine Integrationsplattform, die als Vermittler zwischen den Fachanwendungen auftritt. Eine Fachanwendung schickt ihre Daten nicht direkt an eine andere Fachanwendung, sondern an den ESB, der sie dann an die richtige Fachanwendung weiterleitet. Ein ESB führt zu einer losen Kopplung, weil die sendende Fachanwendung nicht wissen muss, welche Fachanwendung die Daten letztendlich verarbeitet.
Das Versenden der Daten erfolgt in Form von Nachrichten über das OSCI-Transport-Protokoll (ein Standard im deutschen eGovernment zur rechtsverbindlichen Abwicklung von Transaktionen über das Internet), über eine Virtuelle Poststelle (VPS). Dabei wird ein asynchrones Interaktionsmuster verwendet, bei dem die VPS die Nachricht in einem virtuellen Postfach ablegt und der Empfänger sie von dort abholt. Die Kommunikationsplattform tritt somit als Vermittler zwischen den Fachanwendungen auf, indem sie einen Service für das Senden und Abholen von OSCI-Nachrichten anbietet. Die Fähigkeit zum Umgang mit der OSCI-Funktionalität muss also nicht in jede einzelne Fachanwendung programmiert werden, sondern die Fachanwendungen können diese Aufgabe an den Service delegieren. Ändert sich das Protokoll oder wird es durch eine anderes ersetzt, muss nur noch dieser Service angepasst oder ersetzt werden, während die Fachanwendungen davon unberührt bleiben.
Die am Datenaustausch beteiligten Fachanwendungen verwenden unterschiedliche Datenformate. Um daher Daten von einer Fachanwendung an eine andere zu übermitteln, müssen die Daten vom Format der sendenden in das Format der empfangenden Anwendung übersetzt werden. Diese Übersetzung erfolgt in zwei Schritten: Zunächst werden die Daten vom Format der sendenden Anwendung in das Format XJustiz übersetzt. XJustiz ist eine Familie von XML-Schemata, die das Austauschformat verfahrensrelevanter strukturierter Daten für alle Kommunikationspartner der Justiz verbindlich festlegen. Im zweiten Schritt werden sie dann vom Format XJustiz in das Format der empfangenden Anwendung übersetzt. Dieses zweistufige Vorgehen dient der Entkopplung der Fachanwendungen. Bei einer direkten Übersetzung in das Zielformat muss die sendende Anwendung für jede Anwendung, an die sie Daten schickt, das Format der Zielanwendung kennen. Ändert sich bei einer Anwendung das Datenformat, müssten alle Anwendungen angepasst werden, die Daten an diese Anwendung senden. Die Verwendung von XJustiz als „kanonisches Datenformat“ reduziert dagegen die Abhängigkeiten. Anwendungen müssen neben ihrem eigenen Datenformat nur ein weiteres Format kennen: XJustiz. Künftig sollen die Fachanwendungen XJustiz direkt verarbeiten, sodass ein eigenes Format wegfällt.
Artikelfiles und Artikellinks
Link: Homepage Oracle
Link: Homepage EDS
(ID:2008430)