Trotz des zunehmenden Einsatzes von Open-Source-Technologien in der Privatwirtschaft, bleibt die öffentliche Verwaltung zurückhaltend. Ein Mangel an Fachkräften, fehlender Support und unzureichende Schulungsangebote hemmen die Akzeptanz und Nutzung, obwohl Open-Source-Software (OSS) als wesentlicher Beitrag zur digitalen Souveränität gilt.
Als Open Source wird Software bezeichnet, deren Quelltext öffentlich ist und von jederman eingesehen und genutzt werden kann.
(Bild: Jérôme Rommé – stock.adobe.com)
Als ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung der digitalen Souveränität gelten Open-Source-Technologien – egal ob auf dem Desktop, in Fachanwendungen oder in den Rechenzentren. Während ihr Einsatz in den Unternehmen schon seit Jahren deutlich zunimmt, tut sich die öffentliche Verwaltung noch immer sehr schwer damit. Allen politischen Willensbekundungen zum Trotz.
Die Gründe hierfür sind vielfältig und liegen bei weitem nicht nur in der Verwaltung. Sie reichen von fehlenden Fachkräften, Supportkapazitäten und Schulungsangeboten bis hin zu ungenügenden rechtlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise im Bereich öffentlicher Vergaben. Eine nicht unwesentliche Ursache liegt zudem in einer unterschiedlichen Wahrnehmung des Themas in der öffentlichen Verwaltung selbst. Schaut man sich Studien in der Zielgruppe der mit IT-Fragen befassten Fachleute in der öffentlichen Verwaltung – wie beispielsweise den entsprechenden Bitkom-Monitor – an, wird ein tendenziell eher optimistisches Bild vom OSS-Einsatz gezeichnet.
Befragt man jedoch die weitaus größere Gruppe der anderen Verwaltungsmitarbeiter, zeigt sich ein deutlich anderes Bild. Im Auftrag von SUSE hat das Umfrageunternehmen Civey daher 1.000 Beschäftigte in öffentlichen Verwaltungen in Deutschland zum Einsatz von Open Source Software befragt. Das Ergebnis ist nicht unerwartet und dennoch ernüchternd:
Nur 35 Prozent der Befragten bewerten die OSS-Nutzung in der öffentlichen Verwaltung überhaupt als wichtig. Die überwiegende Mehrheit sieht in dem Thema entweder wenig oder keine Priorität oder ihr fehlt das notwendige Wissen hierüber. Lediglich knapp 20 Prozent ordnen OSS als Beitrag zur Sicherung der digitalen Souveränität ein. 63 Prozent geben an, dass Open Source Lösungen in ihren Behörden nicht eingesetzt werden oder sie darüber keine Kenntnis haben. Nur 14 Prozent wünschen sich, OSS im bisherigen Umfang oder verstärkt zu nutzen, 5 Prozent wollen die Nutzung sogar einschränken.
(Bild: SUSE)
Schaut man sich die Begründungen hierfür an, offenbaren sich erhebliche Informationsdefizite. Zum einen haben über 40 Prozent der Befragten keine Meinung zu Vor- oder Nachteilen von Open Source Software . Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal wie die Transparenz durch offene Quellcodes wird nur von 15 Prozent bejaht. Gerade einmal 5 Prozent anerkennen die hohe Sicherheit von OSS. Zum anderen spielen wesentliche Merkmale von OSS – die Zusammenarbeit bei der Entwicklung und der Wissensaustausch sowie die Möglichkeit, Anwendungen selbst an den eigenen Bedarf anzupassen oder weiterzuentwickeln – bei der Einschätzung nur eine geringe Rolle. Nur 11 bis 15 Prozent der Befragten stimmen diesen Vorteilen zu.
Als größte Hemmnisse für den OSS-Einsatz wird der Mangel an IT-Fachpersonal genannt (32 Prozent), gefolgt von fehlendem kommerziellem Support (20 Prozent). Dazu kommen Herausforderungen im Einsatz von OSS. Hier sind es vor allem der hohe Einarbeitungsaufwand (16 Prozent), fehlende Schulungsangebote (15 Prozent) und eine geringere Nutzerfreundlichkeit (13 Prozent).
Die immer noch zu langsame Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, der sich durch den demografischen Wandel verschärfende Mangel an Fachkräften und die Lage der öffentlichen Haushalte führen zu einer deutlichen Prioritätensetzung bei den Verwaltungsmitarbeitern. Sie wollen, dass die Digitalisierung ihre Arbeit schneller und weniger komplex gestaltet. Aus diesem Grund stellen für sie Benutzerfreundlichkeit (67 Prozent), geringe Ausfallzeiten (63 Prozent) und Datensicherheit (62 Prozent) dabei die wichtigsten Faktoren dar.
Die Schlussfolgerung aus den Umfrageergebnissen kann sicher nicht sein, auf den Einsatz von Open-Source-Lösungen in der Verwaltung zu verzichten. Angesichts bestehender Abhängigkeiten und globaler Konflikte sowie vor dem Hintergrund der zunehmenden Nutzung von Cloud-Technologien gibt es keine Alternative für einen verstärkten OSS-Einsatz. Wir dürfen jedoch das Ziel, Deutschland digital unabhängiger zu machen, nicht nur durch die Brille der Politik oder der technischen Umsetzung betrachten. Wenn wir einen Mentalitätswechsel bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung erreichen wollen, müssen wir vielmehr die Erwartungen der Menschen, die mit der Technik arbeiten sollen, gleichermaßen berücksichtigen. Daraus folgen für die Politik, die IT-Entscheider in der Verwaltung und auch die Open Source Anbieter drei wesentliche Aufgaben:
Stand: 08.12.2025
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1. Wir müssen die Mitarbeiter deutlich besser über die Zielsetzung des OSS-Einsatzes informieren und von den Mehrwerten sowohl für die Gesellschaft als auch jeden Einzelnen überzeugen. Dabei spielen die Führungskräfte in der Verwaltung eine entscheidende Rolle. Statt Lösungen vorzusetzen, müssen die Mitarbeiter im Prozess der Umstellung auf OSS stärker mitgenommen werden.
2. Gemeinsam müssen wir dafür sorgen, dass Open-Source-Anwendungen nutzerfreundlich und zuverlässig arbeiten. Nur so gewinnen wir Vertrauen und Zustimmung.
3. Die Mitarbeiter benötigen Begleitung bei der Umstellung auf OSS. Hierfür sind Schulungsangebote ebenso notwendig wie ein professioneller Support.
Der Autor
Holger Pfister ist General Manager SUSE Deutschland.