Hessen Frühwarnsystem für Starkregen geht in die Fläche

Von Stephan Augsten 2 min Lesedauer

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Hessen baut sein digitales Starkregen-Frühalarmsystem aus: Nach dem Pilotprojekt im Landkreis Fulda erhalten weitere 14 Landkreise und zwei kreisfreie Städte die Technologie. Dank der investierten Fördermittel werden künftig gut zwei Fünftel der hessischen Bevölkerung vor potenziellen Überschwemmungen gewarnt.

Mit seinem Starkregen-Frühalarmsystem warnt das Bundesland Hessen künftig knapp 42 Prozent seiner Bevölkerung auf etwa 45 Prozent der Landesfläche vor potenzielllen Überflutungen.(Bild:  © HMD)
Mit seinem Starkregen-Frühalarmsystem warnt das Bundesland Hessen künftig knapp 42 Prozent seiner Bevölkerung auf etwa 45 Prozent der Landesfläche vor potenzielllen Überflutungen.
(Bild: © HMD)

Im Zuge des Förderprogramms „Starke Heimat Hessen“ treibt das Bundesland die Digitalisierung des Katastrophenschutzes voran. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus überreichte sieben weitere Förderbescheide für Starkregenfrühalarmsysteme an Kommunen und Landkreise. Damit werden in 14 der 26 hessischen Landkreise sowie in zwei kreisfreien Städten entsprechende Warnsysteme installiert.

Grundlage bildet das 2021 im Landkreis Fulda entwickelte Pilotprojekt „e-Risikomanagement Starkregenfrühalarmsystem“, das mittlerweile flächendeckend in Betrieb ist. „Künftig profitieren rund 42 Prozent der hessischen Bevölkerung – auf fast 50 Prozent der Landesfläche – von einem digitalen Starkregenfrühalarmsystem“, erläuterte Sinemus.

Das System kombiniert Echtzeitdaten verschiedener Quellen. Sensoren messen kontinuierlich Niederschlag, Pegelstände und Abflussverhalten. Diese Werte werden mit den Prognosen des Deutschen Wetterdienstes verknüpft. Künstliche Intelligenz analysiert die Messergebnisse automatisiert und optimiert den Alarmierungsprozess selbstlernend. Im Bedarfsfall löst das System binnen Sekunden einen Alarm aus.

Push-Benachrichtigungen für Bevölkerung

Die Warnung erreicht Bürger über eine kostenlose Smartphone-App mit Push-Nachrichten und Push-Anrufen, sofern die Option „Kritische Hinweise“ am Mobilgerät aktiviert ist. Rettungskräfte und Verwaltung erhalten zusätzlich SMS und VoiceCalls. „Durch das System können Einsatzkräfte, Kommunen und vor allem Bürgerinnen und Bürger 15 bis 45 Minuten vor einem Starkregenereignis und damit einhergehenden Überflutungen gewarnt werden“, betonte Fuldas Landrat Bernd Woide.

Als Bundesland mit besonderen regionalen Gegebenheiten dürfte Hessen von den Systemen profitieren. Jens Mischak aus dem Vogelsbergkreis verwies beispielsweise auf die örtlichen topographischen Herausforderungen: „Aufgrund der vielen Hanglagen sind die Auswirkungen von Starkregenereignissen in der Vulkanregion Vogelsberg besonders ausgeprägt.“ Darmstadts Klimaschutzdezernent Michael Kolmer nannte konkrete Beispiele: Die Starkregenereignisse vom 7. Juli „mit teils über 40 Litern pro Quadratmeter Regen in kurzer Zeit führten zu größeren lokalen Überschwemmungen sowie zahlreichen vollgelaufenen Kellern.“ Eine zentrale Rolle beim Hochwasserschutz spielt außerdem die interkommunale Zusammenarbeit. Andreas Hofmann vom Main-Kinzig-Kreis betonte die kreisgrenzüberschreitende Betrachtungsweise: „Die Nidder kommt vom Wetteraukreis zu uns, Bracht und Salz haben ihre Quellen im Vogelsberg.“

Insgesamt fließen über zehn Millionen Euro aus dem Programm „Starke Heimat Hessen“ in die Implementierung. Das Programm stellt seit 2021 jährlich rund 16 Millionen Euro für kommunale Digitalisierungsvorhaben bereit. Eine neue Förderlinie unterstützt seit 2025 gezielt die Nachnutzung erprobter, datenplattformbasierter Lösungen. „Der Landkreis Fulda hat ein solches System erstmalig mithilfe unserer Förderung realisiert, andere Kommunen in Hessen nutzen es nun nach“, unterstrich Sinemus. Diese intelligente Nachnutzung innovativer Technologien sei ein zentrales Ziel des Förderprogramms. Die Installation soll spätestens in zwei Jahren abgeschlossen sein.

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