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Realität voraus
Inzwischen gibt es denn auch Projekte, in denen sich Ärzte erfolgreich miteinander IT-basiert vernetzen. Hinsichtlich der Accenture-Studie muss hinzugefügt werden: sicher, durch Herstellung von Komptabilität, mit Effizienzgewinnen statt Produktivitätsverlusten und mit besserer Behandlung – und das mit geringem Implementationsaufwand. Das Ärztenetz Rosenheim (änro) darf dabei ebenso als gutes Beispiel gelten wie das Ärztenetz Brandenburg an der Havel oder das Regionale Gesundheitsnetz Leverkusen eG.
Der MEDI Baden-Württemberg e.V. (MEDI BW) hat ein weiteres, groß angelegtes Vernetzungsprojekt gestartet: In Kooperation mit der AOK Baden-Württemberg und der Audi BKK wurden ca. 100 niedergelassene Haus- und Fachärzte der Region Heilbronn elektronisch verbunden; eine landesweite Vernetzung steht bereits zur Diskussion.
Ermöglicht hat diese Projekte eine patentgestützte Schnittstellentechnologie des Unternehmens MicroNova, die auf vorhandene Praxisinformationssysteme aufsetzt. Ärzte können damit ihre bestehenden IT-Systeme weiter verwenden. Der Austausch der medizinischen Informationen erfolgt direkt und damit ohne zentrale Server oder Cloud – und nur nach Freigabe durch die Patienten. Die Daten bleiben damit in den Händen der Patienten und der Ärzte.
Ein elektronischer Netzmedikamentenplan lässt sich ebenso in die Vernetzung integrieren, auch der Versand elektronischer Arztbriefe ist möglich. Das System kann zudem sinnvoll als Mehrwertdienst mit einer künftigen eGK zusammenzuarbeiten, etwa im Bereich der Notfallstammdaten.
Konzertierte Aktion nötig
Diese Projekte zeigen, dass die gewünschte Vernetzung inzwischen technologisch machbar ist. Die große Herausforderung ist nun, einen gangbaren Weg zur flächendeckenden Umsetzung zu finden. Ärzte stehen in einem Spannungsfeld aus Unternehmertum und dem Wunsch, Menschen möglichst gut sowie umfassend zu behandeln. Sie werden Unterstützung benötigen, ihnen allein ist die Digitalisierung des Gesundheitswesens nicht aufzubürden.
Auch die Krankenkassen können diesen Kraftakt nicht ohne Unterstützung stemmen – und keine Industrie kann ihre Lösungen verschenken.
Demnach lautet die große Herausforderung für Politik, Kassen, Ärzte und Industrie, einen bezahlbaren und umsetzbaren Weg zu finden. Für die Patienten sowie alle weiteren Beteiligten bleibt zu hoffen, dass das möglichst schnell gelingt. Einzelne Netze wie in Rosenheim oder Heilbronn können dafür als Vorbild gelten.
Der Autor
Stefan Karl ist Geschäftsführer der MSC Consulting Projects GmbH.
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