Massive-Open-Online-Courses Digitalkompetenzvermittlung auf dem eGov-Campus

Von Michael Koddebusch, Philipp Kuscher und Marc Egloffstein 4 min Lesedauer

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Seit nunmehr fast drei Jahren bietet der eGov-Campus allen Beschäftigten des öffentlichen Sektors die Möglichkeit, sich niederschwellig Digitalkompetenzen für die Verwaltung der Zukunft anzueignen. Auf der Lernplattform steht ein sich stetig erweiterndes Portfolio aus Massive-Open-Online-Courses bereit, aus denen Interessierte sich die jeweils passenden Angebote heraussuchen können.

Unter Digitalkompetenz versteht man das Können, sich in der Informationsgesellschaft zurechtzufinden, in ihr zu lernen und zu arbeiten.(Bild:  Elena – stock.adobe.com)
Unter Digitalkompetenz versteht man das Können, sich in der Informationsgesellschaft zurechtzufinden, in ihr zu lernen und zu arbeiten.
(Bild: Elena – stock.adobe.com)

Um die digitale Transformation für die Verwaltung zu nutzen und die damit verbundenen Potenziale zu erschließen, müssen eine ganze Reihe an Herausforderungen gemeistert werden. Diese lassen sich grob in technische, organisatorische und rechtliche Herausforderungen gliedern. Dazu gehören bspw. die Harmonisierung von Systemlandschaften, die Nutzung neuer Technologien, die Gestaltung des Wandlungsprozesses oder die Sicherstellung der Digitaltauglichkeit von Gesetzen. Um diesen Herausforderungen Herr oder Frau zu werden, ist es unabdingbar, dass sie von digital kompetentem Personal bearbeitet werden. Aber was genau wird gefordert, wenn es um Digitalkompetenz geht?

Was ist eigentlich Digitalkompetenz?

In dem Begriff stecken zwei wichtige Konzepte, die jeweils für sich verstanden werden müssen: Digitalisierung und Kompetenz.

Im Laufe der Jahre wurden immer wieder ähnliche Phänomene mit verschiedenen Begriffen beschrieben: e(lectronic)-Government, Elektrifizierung, Digitalisierung, Digitale Transformation, Digital Government und, und, und. Um ein wenig Struktur in diese Diskussion zu bringen, hat sich irgendwann ein Dreiklang etabliert:

  • Digitisierung: Digitisierung (oder im Deutschen ggf. eher Elektrifizierung) beschreibt die reine Übersetzung von der analogen in die digitale Welt, also dass bspw. der gleiche Prozess vorher über Papierformulare und nun über digitale Formulare abgebildet wird.
  • Digitalisierung: Unter Digitalisierung verstehen wir nicht nur den digitalen Vollzug von ehemals analogen Abläufen, sondern die Optimierung dieser Abläufe. Diese Optimierung geschieht immer unter der Berücksichtigung der Möglichkeiten, die uns neue Technologien und Medien bieten.
  • Digitale Transformation: Die digitale Transformation beschreibt vor allem die Auswirkungen der Digitalisierung. Wie ändern sich Arbeitsweisen, welche Sorgen bestehen bei den Betroffenen, welche Ansprüche haben die Bürger und Bürgerinnen und wie muss der Transformationsprozess gestaltet werden, um sich positiv auszuwirken?

Die digitale Transformation umfasst also sowohl Digitisierung als auch Digitalisierung. Sie erkennt den Transformationscharakter des sich durch digitale Technologien ergebenden Wandlungsprozesses an und steuert diesen.

Wissen, können, kompetent sein – alles das Gleiche?

Auch im Kompetenzdiskurs wird oftmals nicht klar definiert, was eigentlich gemeint ist. Ist man kompetent, weil man viel über ein Thema weiß? Oder hat Kompetenz eher etwas mit Erfahrung und Können zu tun? Beides ist der Fall. In der Bildungstheorie ist Kompetenz das, was sich parallel zu einem Zugewinn an Wissen und dem Zuwachs an Fähigkeiten und Fertigkeiten entwickelt. Wissen hat also einen eher theoretischen Hintergrund, Fähigkeit und Fertigkeit hingegen verlangen praktische Anwendung und Erfahrung. Kompetenz vereint beides. Oft, insbesondere im modernen Kompetenzverständnis, sind neben Wissen und Können auch persönliche Erfahrungen oder Werte im Kompetenzverständnis inbegriffen.

Der eGov-Campus legt bei der Definition von Digitalkompetenzen das Konzept der digitalen Transformation zugrunde und inkludiert so die grundlegenden Inhalte und alles, was aus ihnen resultiert. Dabei vermittelt das Kursangebot natürlich in erster Linie Wissen, das jedoch durch praktische Anwendung und teils kleinere Fallstudien direkt zur Anwendung gebracht wird. Ebenso bieten die Kurse Diskussionsforen und Lernräume, in denen Teilnehmende eingeladen werden, sich auszutauschen, zu vernetzen und Erfahrungen zu teilen.

Jetzt braucht es Zielgruppenorientierung

Um die Frage zu beantworten, welche Digitalkompetenzen es gibt, finden sich sowohl in wissenschaftlichen als auch in politischen (bspw. EU, DigComp 2.2) und praxisnahen (bspw. KGSt Arbeitsergebnis 3/2021) Publikationen Antworten, die für die eigenen Bemühungen zugrunde gelegt werden können. Da der eGov-Campus als ein Forschungsprojekt gestartet ist, liegt ihm ein eher akademisches Verständnis von Digitalkompetenz zugrunde, das nach verschiedenen Kompetenzbereichen und Persönlichkeitsmerkmalen unterscheidet (vgl. Distel et al. 2019, „eGovernment Competences Revisted“).

Der eGov-Campus nutzt dieses Verständnis, bildet es ab und entwickelt es weiter: Um einen ersten praktischen Schritt in Richtung Zielgruppenorientierung zu gehen, wurden im Zuge der Modularisierung ausgewählte Pilot-Kurse für bestimmte Zielgruppen aufbereitet, um eine niederschwellige und effizienzorientierte Weiterbildung der richtigen Zielgruppen zu erreichen. Nachdem diese Pilot-Modularisierung gut angenommen und evaluiert wurde, wird das Konzept in diesem Jahr auf andere Kurse der Lernplattform ausgeweitet.

Der erste Schritt ist einfach!

Der eGov-Campus versteht sich als Ausgangspunkt für das Bestreben nach mehr Digitalkompetenz – jede und jeder, der/die sich im Sinne der digitalen Transformation (weiter)bilden möchte, wird hier ein passendes Angebot finden. Daran anschließend liegt der Ball bei allen Beschäftigten und den Verwaltungsorganisationen selbst. Der erste Schritt ist jedoch schnell gemacht.

Die Autoren

Michael Koddebusch ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Informations­management der Universität Münster.
Philipp Kuscher ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Public und Nonprofit Management der Universität Potsdam, im Projekt in Kooperation mit dem Stein-Hardenberg Institut.
Marc Egloffstein ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Wirtschaftspädagogik – Technologiebasiertes Instruktionsdesign der Universität Mannheim.

eGov-Campus

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