gesponsertAbhängigkeiten bewusst machen und schrittweise reduzieren Digitale Souveränität: Anspruch, Realität und der Weg dazwischen

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Digitale Souveränität ist mehr als ein technisches Ziel. Sie entscheidet darüber, ob Verwaltungen ihre IT selbst gestalten oder von externen Vorgaben abhängig bleiben, und damit über Resilienz, Steuerungsfähigkeit, hoheitliche Selbstbestimmung und Zukunftsfähigkeit des Staates.

Johannes Rosenboom ist SVP Sales, Marketing und BDM Public und KRITIS Sector bei Materna.(Bild:  www.henning-photographie.de)
Johannes Rosenboom ist SVP Sales, Marketing und BDM Public und KRITIS Sector bei Materna.
(Bild: www.henning-photographie.de)

Spätestens seit Lieferkettenkrisen, Cyberangriffen und der Dominanz globaler IT-Plattformen ist klar: IT-Abhängigkeiten sind immer auch strategische Abhängigkeiten.

Wie souverän die öffentliche IT in Deutschland tatsächlich ist, zeigt das kürzlich veröffentlichte Souveränitätsbarometer der öffentlichen IT von next:public. Die bundesweite Befragung von IT-Verantwortlichen aus Bund, Ländern und Kommunen liefert ein realistisches Lagebild jenseits politischer Zielbilder. Das Ergebnis: Die öffentliche IT ist vielfältig und hybrid, zugleich aber in hohem Maße abhängig. Rund zwei Drittel der Befragten bewerten ihre Abhängigkeit von internationalen, außereuropäischen IT-Anbietern als stark oder sehr stark und besonders ausgeprägt auf kommunaler Ebene.

Auffällig ist, dass sich die größten Abhängigkeiten dort zeigen, wo Verwaltung täglich arbeitet: bei Bürosoftware, Betriebssystemen sowie Kommunikations- und Kollaborationstools. Fachverfahren bilden eher die Ausnahme, da sie häufiger von öffentlichen oder nationalen Anbietern bereitgestellt werden. Gleichzeitig offenbart sich ein strukturelles Problem: Die Wechsel- und Gestaltungsmöglichkeiten sind gering. Nur wenige Verwaltungen können IT-Lösungen flexibel austauschen oder eigenständig anpassen. Technische Komplexität, proprietäre Schnittstellen, fehlende Alternativen und Kompetenzengpässe führen zu einem dauerhaften Vendor Lock-in – eher Normalzustand als Ausnahme.

Diese Befunde machen deutlich: Digitale Souveränität ist kein Entweder-oder zwischen nationalen und internationalen Lösungen. Sie entsteht nicht durch Abschottung, sondern durch bewusste Gestaltungsfähigkeit. Souverän ist, wer Wahlmöglichkeiten hat, Abhängigkeiten transparent bewerten kann und technologische Entscheidungen selbstbestimmt trifft. Für Materna bedeutet das: Souveränität beginnt nicht bei einzelnen Technologien, sondern bei Architekturentscheidungen, Governance-Strukturen und klaren Verantwortlichkeiten. Digitale Souveränität heißt, unbeabsichtigte oder unkontrollierbare Abhängigkeiten bewusst zu machen und schrittweise zu reduzieren zugunsten eigenständiger Handlungs- und Entscheidungsfreiheit.

Ein zentraler Hebel ist die souveräne Cloudifizierung. Der Übergang in Cloud-Modelle ist für die Verwaltung unvermeidlich und bietet zugleich die Chance, Modernisierung und Souveränität zusammenzudenken. Voraussetzung sind offene Standards, Multi-Cloud- und Hybrid-Ansätze, transparente Datenhaltung sowie klar definierte Exit-Strategien. Ebenso entscheidend ist der gezielte Aufbau von Kompetenzen in den Verwaltungen selbst und bei öffentlichen IT-Dienstleistern. Ohne Wissen, Organisation und Entscheidungsfähigkeit bleibt digitale Souveränität ein wohlklingendes Zielbild.

Digitale Souveränität ist zudem auch ein Beschaffungsprozess. Jede einzelne Beschaffung ist eine Entscheidung für oder gegen digitale Souveränität. Als größter Nachfrager digitaler Güter und Dienstleistungen hält der Staat den entscheidenden Hebel selbst in der Hand: durch eine gezielte Einkaufspolitik zugunsten deutscher und europäischer Anbieter. Damit ließen sich eigene Lösungsfähigkeit, Innovation, wirtschaftliches Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit stärken. Das derzeit vorherrschende Beschaffungsverhalten wirkt dem jedoch häufig entgegen und zementiert bestehende US-Vendor-Lock-ins weiter. Das Souveränitätsbarometer zeigt: Das Bewusstsein für digitale Souveränität ist vorhanden, konkrete Maßnahmen sind vielerorts angestoßen. Jetzt geht es darum, digitale Souveränität als dauerhafte Gestaltungsaufgabe und kontinuierlichen Prozess zu begreifen, nicht als einmalige strategische Entscheidung. Nur so bleibt der Staat auch digital unabhängig, resilient und handlungsfähig.

Der Autor: Johannes Rosenboom ist SVP Sales, Marketing­ und BDM Public und KRITIS Sector bei Materna.

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