EU Digital Identity Wallet Die digitale Brieftasche der EU

Von Chiara Maurer 3 min Lesedauer

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Die Trilog-Verhandlungen der EU sind abgeschlossen und eine Einigung zur eIDAS 2.0 Verordnung wurde erzielt. Was gilt es jetzt zu beachten und wie stehen die Deutschen zu dem digitalen Handy-Ausweis?

„Die EU hat den Weg für breit angelegte Pilotversuche frei gemacht, jetzt kommt es darauf an, dass diese rasch umgesetzt und für die Bürgerinnen und Bürger verfügbar werden“, so Susanne Dehmel vom Bitkom (©  mixmagic – Getty Images Pro via Canva.com)
„Die EU hat den Weg für breit angelegte Pilotversuche frei gemacht, jetzt kommt es darauf an, dass diese rasch umgesetzt und für die Bürgerinnen und Bürger verfügbar werden“, so Susanne Dehmel vom Bitkom
(© mixmagic – Getty Images Pro via Canva.com)

Personalausweis, Führerschein und Gesundheitskarte dürften in fast jedem Geldbeutel zu finden sein – und bald auch auf dem Smartphone? In der Nacht zu Donnerstag hat die EU eine politische Einigung über Kernelemente der eIDAS 2.0 Verordnung getroffen und den Weg dafür geebnet.

Ziel der digitalen Brieftasche, des sogenannten „EU Digital Identity Wallet“, ist es, EU-Bürgern zu ermöglichen, sich künftig bei digitalen Verwaltungsvorgängen, Bankgeschäften, Arztbesuchen, Alterskontrollen oder auch einfach beim Online-Shopping ausweisen zu können. So soll der Grundstein für einen digitalen europäischen Binnenmarkt geschaffen werden.

Eine Befragung des Digitalverbands Bitkom dazu zeigt: Mehr als die Hälfte der Deutschen (58 Prozent) würden gerne Dokumente wie Personalausweis und Führerschein, aber auch Gesundheitskarte oder Zeugnisse, auf dem Smartphone speichern. Dabei sprachen sich zwei Drittel der Smartphone-Nutzer (65 Prozent) für eine einzige App aus, die alle Dokumente beinhaltet; 13 Prozent hingegen bevorzugen mehrere Anwendungen für verschiedene Ausweise.

Der eco-Verband der Internetwirtschaft e.V. gibt jedoch zu bedenken, was es bei der neuen Verordnung zu beachten gibt: „Die EU muss die Mitgliedstaaten dazu anhalten, Lösungen digitaler Identitäten wie ID-Wallets so anzubieten, dass sie für Nutzer:innen attraktiv und überzeugend genug sind, um sie auch wirklich zu nutzen. Für einen erfolgreichen Wettbewerb mit bestmöglichen Lösungen und einer erfolgreichen Durchsetzung des Wallets sollte sich die EU aus unserer Sicht dafür einsetzen, dass mehrere zertifizierte Wallets nebeneinander im Markt existieren können, von einer rein staatlichen Lösung ist unbedingt abzusehen“, so eco-Vorstand Prof. Norbert Pohlmann.

Ähnlich sieht das auch Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung, gerade mit Blick auf die Potenziale Deutschlands, so digitaler Lücken zu schließen: „Ein Ökosystem Digitale Identitäten, das auf der neuen eIDAS-Verordnung basiert, bietet die einmalige Chance, viele Lücken in der deutschen eID-Entwicklung zu schließen, die in der vergangenen Dekade entstanden sind. Dazu gehört, dass auch in Deutschland privatwirtschaftliche Akteure zertifizierte EU Digital Identity Wallets ausstellen können.“ So entstehe ein Wettbewerb um nutzerfreundliche, sichere Angebote, wie es vonseiten Bitkoms heißt. Zudem würden verschiedene Nutzergruppen erreicht und viele unterschiedliche Anwendungsszenarien entwickelt.

Damit zusammen hängt auch die Frage nach der Zertifizierungen der EU-Wallets. Pohlmann: „Die Anforderungen an eine EU-Zertifizierung müssen einheitlich, realistisch, praxisnah und DSGVO-konform sein. Eine pauschale, undifferenzierte Verpflichtung zur Akzeptanz der Wallets durch private Dienstanbieter hingegen, konfrontiert die Unternehmen der Internetwirtschaft nur unnötig mit Rechtsunsicherheiten und hohen finanziellen Aufwänden.“

Laut Bitkom zahle jedoch auch die Nutzerfreundlichkeit auf das Konto der Akzeptanz ein. Ein Hemmnis dabei könnte aus Sicht des Digitalverbands deshalb sein, dass in der Verordnung pauschal für alle Anwendungen ein hohes Sicherheitsniveau mit entsprechend komplexen Sicherheitsvorgaben festgelegt wurde. Der bessere Weg wäre eine flexible Anpassung des notwendigen Sicherheitsniveaus an die jeweiligen Anwendungsfälle. Bereits existierende eID-Systeme in Europa funktionieren bereits erfolgreich auf einem niedrigerem, aber ebenfalls sicheren Niveau. Daran haben sich viele Bürgerinnen und Bürger bereits gewöhnt“, so Dehmel.

Dabei zeigen sich einige Bürger jedoch auch besorgt über die digitale Speicherung ihrer Daten. Die größte Sorge gilt dabei vor allem dem Missbrauch durch Kriminelle; 78 Prozent äußerten diesen Einwand. 57 Prozent der Befragten hingegen fürchten den Missbrauch der Daten durch ausländische Staaten, 31 Prozent den Missbrauch durch den Deutschen Staat und ein Viertel durch Unternehmen. Doch auch die Angst vor einem Smartphone-Zwang (23 Prozent) und zu komplizierter Bedienung (27 Prozent) spricht für einige Bürger noch gegen die Technik.

Dass es funktionieren kann zeigen jedoch EU-Länder, in denen digitale Identitäten bereits im Alltag angekommen sind. So hat beispielsweise Italien bereits einen digitalen Ausweis eingeführt, der mit der elektronischen Identitätskarte (CIE) verknüpft ist. Wie auch der SPID ermöglicht der Ausweis es den Italienern, Zugang zu öffentlichen und privaten digitalen Diensten zu erhalten, ist dabei jedoch wesentlich sicherer.

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