Live aus dem CDO-Zirkel

Das Rad des Sisyphos oder: Alternativen zum Adam-Prinzip

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Doppelt und dreifach

Doch diese Strukturen gibt es weiterhin. Zentraleinheiten, die nach dem Eine/r-für-alle-Prinzip arbeiten? Meist Fehlanzeige oder im OZG-Kontext als Vorgehensmodell leider verbrannt, sozusagen aus dem Paradies verbannt. Doppelt und dreifach hält besser? Nee, danke. Das dürfte – eigentlich – schon längst überholt sein. Ist es aber nicht, sondern Realität.

„Wir müssen uns Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen!“ So hatte es der französische Existenzialist Albert Camus (1913–1960) formuliert. „Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen“, behauptete der Philosoph weiterhin.

Nun kann man an dieser Stelle einen New-Work-Begriff wie #Purpose einbringen und hinterfragen, ob der dafür passende Menschenschlag in deutschen Behörden existiert. Ob Mann oder Frau dort glücklich damit ist, sprichwörtliche Steine tagtäglich aufs Neue durch die Gegend zu rollen, ohne jegliche Veränderung oder gar Verbesserung im Ablauf, stets routiniert nach eindeutig definierten Prozessen. (Achtung, Spoiler: Vorurteile à la Beamtenmikado sind in den meisten Amtsstuben kaum noch auffindbar.)

Hoffnungslos absurd

Ob man „die menschliche Existenz als hoffnungslose Absurdität“ betrachten muss, wie es Camus ebenfalls beschrieb? Ich hoffe nicht. Und das erlebe ich auch in den mittlerweile mehr als 14 Jahren, seitdem ich beruflich mit der öffentlichen Verwaltung im Kontakt bin, nicht. Zumindest nicht, dass die Menschen dort damit tatsächlich glücklich wären.

Gleichzeitig muss man sich das ­Sisyphos-Bild, in dem der arme Kerl immer und immer wieder ­denselben Stein denselben Berg heraufrollt, vor Augen halten: Jeden Tag exakt dasselbe zu tun, mag manche Menschen zufriedenstellen, wenn diese einen nur geringen Anspruch an Abwechslung im Arbeitsalltag stellen.

Doch bei all dem vielen Wandel sollte man bitte unbedingt darauf achten, dass ein spezielles N vorhanden ist und erhalten bleibt: ­Genau das kleine N, das den Unterschied zwischen Veränderungsmüdigkeit und Veränderungsmündigkeit ausmacht.

Hierbei ist sowohl der Aspekt der Mitbestimmung (also mit N und Mündigkeit) gemeint als auch das zu vermeidende, das transparent anzusprechende und das klug damit umzugehende Risiko, dass Menschen (ohne N, also mit Müdigkeit) irgendwann erschöpft und überfordert werden, wenn sich „einfach alles jeden Tag“ verändert.

Für den cleveren Umgang mit „change everywhere and everyday“ ist es nach meiner mittlerweile fast 30-jährigen Berufserfahrung mit Veränderungen in Organisationen (OE) und der Weiterentwicklung von Menschen (PE) extrem wichtig und hilfreich, auch kleine Fortschritte sichtbar zu machen – etwas, das dem armen Sisyphos nicht erlaubt war und im digitalen Wandel meist zu kurz kommt.

Vom Feiern erreichter Meilensteine und erzielter Projekterfolge meist abgesehen, da sogleich schon das nächste Projekt ansteht und man sich viel zu selten die Zeit gönnt, um „via Erfolg und Feier“ den eigenen Akku aufzuladen. (Und dies gilt nicht nur für die Mitarbeitenden, sondern gleichermaßen für CDOs, denn die meisten von ihnen sind ebenfalls Menschen mit Emotionen und endlicher Energie.)

Hier spielt auch das Rad wieder mit hinein: Selbiges jedes Mal aufs Neue zu „erfinden“, ohne dass echte Veränderungen und Verbesserungen sichtbar und spürbar werden, macht nicht nur müde. Frust, sinkendes Engagement und „Quiet Quitting“ können auch dann resultieren, wenn einem als Mitarbeiterin oder Mitarbeiter solch eine Sisyphosarbeit mittels „Changewashing“, mangels echter Ehrlichkeit und Authentizität oder auch aufgrund fehlenden Wissens, dass es woanders längst neue Lösungswege gibt, wieder und wieder vor die Nase gesetzt wird.

Ob es so ist oder sich für die Betroffenen (statt tatsächlich Beteiligten) nur so anfühlt, ist dabei fast wurscht. Hierbei die richtige Transparenz in Entscheidungen und die Ehrlichkeit bei Ergebnissen einzubringen und all dies offen zu kommunizieren, ist häufig Teil der täglichen Arbeit von CDOs.

Auf der nächsten Seite: Fail fast, fail early & der Apfel der Erkenntnis.

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