Seit einem Jahr kann der öffentliche Nahverkehr bundesweit für 49 Euro im Monat genutzt werden. Zum ersten Geburtstag gibt es viel Lob – und den einen oder anderen Wunsch. Zum Beispiel möchte Hessen eine Weiterführung des Tickets und fordert den Bund zur gemeinsamen und dauerhaften Finanzierung durch die Länder auf. Politiker aus Sachsen-Anhalt gehen aber davon aus, dass es bald mehr als 49 Euro kosten wird.
In Hessen und in Sachsen-Anhalt ist man sich zum großen Teil einig: Das Deutschlandticket soll auch nach 2025 weiter gelten – über die Kosten und einen Ausbau des Verkehrsnetzes muss man aber noch diskutieren.
Ein Jahr nach der Einführung des Deutschlandtickets hat das hessische Verkehrsministerium das Angebot als „großen Schritt in Richtung Mobilitätswende“ bezeichnet. „Das Deutschlandticket ist eine Tarifrevolution, die zeigt, wie erfolgreich einfache ÖPNV-Angebote sein können. Es steht für Einfachheit und ist preislich hoch attraktiv“, teilte das Ministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. Für die Zukunft des Angebots sei aber eine langfristige und tragfähige Finanzierung über das Jahr 2025 hinaus erforderlich.
„Das Land Hessen bekennt sich zu einer Weiterführung des Deutschlandtickets in 2026 und darüber hinaus und fordert den Bund deshalb auf, das Deutschlandticket dauerhaft gemeinsam mit den Ländern zu finanzieren“, erklärte das Ministerium weiter. Der Bund müsse den Ländern dauerhaft höhere Mittel zur Verfügung stellen. Dann habe das Deutschlandticket eine Zukunft und der ÖPNV die Chance, seiner Rolle als wichtige öffentliche Dienstleistung gerecht zu werden, erklärte das Ministerium.
Allein im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) gibt es laut eigenen Angaben aktuell rund 430.000 aktive Deutschlandticket-Abos. „Das Deutschlandticket hat zweifelsohne erheblich dazu beigetragen, dass aktuell die Fahrgastnachfrage wieder etwa auf Vor-Corona-Niveau ist – trotz beispielsweise verstärktem Homeoffice“, teilte ein Sprecher mit. Besonders groß sei die Nachfrage nach Fahrten am Wochenende für die Freizeit und auf schnellen Linien, die über einzelne Regionen hinausgingen.
Wichtig für die Gewinnung weiterer Fahrgäste ist nach Einschätzung des RMV die finanzielle Sicherung des Angebots über mehrere Jahre hinweg, damit sich die Menschen mit ihren Mobilitätsgewohnheiten anpassen und die Nahverkehrsbranche eine einheitliche Vertriebsplattform realisieren kann. Zudem müssten mehr Linien und Fahrten angeboten werden.
Zwei Drittel der Ticket-Abos in Nordhessen sind von Neukunden
Im Gebiet des Nordhessischen Verkehrsverbunds liegt die aktuelle Zahl der Deutschlandticket-Abonnements nach NVV-Angaben bei rund 56.600. „Zwei Drittel der Deutschlandticket-Abonnentinnen und -Abonnenten sind Neukundinnen und -kunden, ein Drittel sind aus anderen Abo-Verträgen zum Deutschlandticket gewechselt“, teilte eine Sprecherin mit. Auch nach der Einführung des Deutschlandtickets nutzten weiterhin viele Fahrgäste das Schüler- oder das Seniorenticket. Diese Angebote seien hessenweit gültig und deutlich günstiger als das Deutschlandticket.
Die Fahrgastzahlen im NVV-Gebiet sind nach Angaben des Verbunds in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen und liegen wieder auf dem Vor-Corona-Niveau, teilweise auch deutlich darüber. Allerdings hätten die erhöhten Fahrgastzahlen mitunter auch zu Problemen geführt: Auf besonders beliebten Strecken sei es vorgekommen, dass wegen überfüllter Regionalzüge Fahrgäste nicht mitgenommen werden konnten oder die Fahrradmitnahme nicht möglich war. „Dies zeigt, dass ein günstiges Ticket-Angebot mit einem weiteren Ausbau des ÖPNV-Angebots einhergehen muss, damit die Nutzung von Bus und Bahn für Fahrgäste weiterhin attraktiv bleibt“, sagte die Sprecherin.
Pro Bahn: Auch an Gelegenheitsfahrgäste denken
Nach Ansicht des Fahrgastverbands Pro Bahn Hessen ist das Deutschlandticket ein guter Anreiz zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Es vereinfache das Problem des Tarifdschungels und sei mit einem Preis von 49 Euro deutlich günstiger, als die meisten Monatskarten es vorher waren. Allerdings sei eine „stabile und zuverlässige Betriebsqualität und Infrastruktur“ nötig, damit die Nutzung des Angebots attraktiv sei und die Fahrgastzahlen weiter wachsen könnten. „An der Forderung nach Preisstabilität des Deutschlandtickets sowie vergünstigten Ticketangeboten für Menschen auf dem Bildungsweg und Menschen mit geringeren Einkommen halten wir uneingeschränkt fest“, betonte ein Sprecher.
Außerdem gebe es Menschen, die nur sehr selten den ÖPNV nutzten oder generell ein geringes Mobilitätsbedürfnis hätten. Für diese Fahrgäste müsse es ein attraktiveres Angebot an Einzelfahrscheinen und Tageskarten geben.
Unternehmerverband: Steuergeld besser in Sanierung des Netzes stecken
Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) kritisierte, die Subvention des Tickets sei mit drei Milliarden Euro im Jahr viel zu hoch. Das Steuergeld sollte anders eingesetzt werden, forderte der VhU-Verkehrsexperte Christoph Schäfer. „Der ÖPNV muss größer, besser und zuverlässiger werden, nicht billiger. Das Deutschlandticket subventioniert überwiegend Bahnfahrer aus den Speckgürteln der Ballungsgebiete.“ Der unterstellte Zuwachs an Nutzern sowie die beabsichtigte CO2-Vermeidung durch Umsteiger blieben weitgehend aus.
„Das vorhandene Steuergeld sollte für die Sanierung des maroden Netzes und für den Ausbau des Angebots ausgegeben werden, also für eine dichtere Zugtaktung und auch nächtliche Fahrten, für mehr Schienenwege, bessere Signaltechnik, attraktivere Bahnhöfe, längere Bahnsteige und moderne Informationssysteme – sowohl in den Städten als auch im ländlichen Raum“, forderte Schäfer.
Stand: 08.12.2025
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Sachsen-Anhalt erwartet einen steigenden Preis beim D-Ticket
Nach Angaben des Infrastrukturministeriums nutzen in Sachsen-Anhalt mehr als 200.000 Fahrgäste das D-Ticket und bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben haben knapp 14.000 Fahrgäste ein Deutschlandticket-Abo abgeschlossen. Das Ticket leiste einen bedeutenden Beitrag zur Mobilität, sagte Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel. Auch sie teilt die Ansicht Hessens, dass sich der Bund, genauso wie die Länder, klar und deutlich zu einer langfristigen Mitfinanzierung des Deutschlandtickets bekennen muss.
Da die Finanzierungszusagen des Bundes bislang nur bis einschließlich 2025 gelten und sich eine Preisgarantie für Nutzerinnen und Nutzer nur noch für dieses Jahr beschränken, ist Verkehrspolitiker Kröber mit der Bilanz des ersten Jahres nicht zufrieden. Man habe viele Fragen bisher nicht klären können, sagte er. „Die Finanzierung in den nächsten Jahren ist offen.“ Sachsen-Anhalts Infrastrukturministerin Lydia Hüskens geht davon aus, dass der Preis beim Deutschlandticket bald nicht mehr bei 49 Euro im Monat liegen wird. „Die Preisentwicklung wird beim Deutschlandticket definitiv nicht Halt machen. Ich rechne damit, dass es im nächsten Jahr eine Preiserhöhung geben wird“, sagte die FDP-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. Hüskens plädiert dafür, den Preis für das Deutschlandticket künftig nicht politisch festzulegen, sondern an die allgemeine Preissteigerung zu koppeln.
Der Magdeburger Bundestagsabgeordnete Martin Kröber befürchtet ebenfalls einen steigenden Ticketpreis. „Aktuell legen die Länder 1,5 Milliarden bereit, der Bund ebenso. Man muss auf jeden Fall eine Dynamisierung einbauen, die Kosten steigen. Wenn wir im Laufe des Jahres nicht eine Lösung finden, die Mittel anwachsen zu lassen, dann wird es nächstes Jahr eine Preiserhöhung geben“, sagte der SPD-Politiker, der im Bundestag im Verkehrsausschuss sitzt. „Der Ticketpreis darf auf keinen Fall steigen.“
Ähnlich sehen das die Grünen. „Für uns ist klar: Das D-Ticket darf nicht teurer werden“, schrieb Landeschefin Madeleine Linke auf der Plattform X. 49 Euro seien für Auszubildende oder Freiwilligendienstleistende schon jetzt zu viel. Das Thema könnte am Wochenende auch auf dem Landesparteitag der Grünen eine Rolle spielen. Ein Antrag enthält die Forderung, das Deutschlandticket ohne automatische Preisanpassung zu finanzieren.
Zudem fordert der SPD-Abgeordnete einen besseren Nahverkehr auf dem Land, denn auch er sieht ein Problem mit dem bisherigen Verkehrsnetz: „Wenn ich nicht über einen ziemlich langen Zeitraum ein klares Angebot auf die Beine stelle, wird auch niemand überlegen, Bus und Bahn zu fahren – gerade im ländlichen Raum“, sagte Kröber. „In der Prignitz zum Beispiel hat man das Verkehrsangebot massiv nach oben geschraubt und nach einem halben Jahr waren die ganzen Diskussionen da: Da fährt doch keiner mit, haben viele gesagt.“ Zwei Jahre habe es gedauert, bis die Leute verstanden hätten, dass der Bus wirklich alle halbe Stunde komme. „Dann sind die Fahrgastzahlen gestiegen.“