Warum der öffentliche Dienst eine Community-Strategie braucht Ciao, Fachkräftemangel

Ein Gastbeitrag von Felix Appel 3 min Lesedauer

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Wie kann die staatliche Daseinsvorsorge angesichts des sich verschärfenden Fachkräftemangels auch künftig gewährleistet bleiben? Felix Appel skizziert in seinem Gastbeitrag, wie die Zukunft des öffentlichen Dienstes sichergestellt werden könnte.

Felix Appel, Gründer von franconia.one, schreibt in seiner Kolumne über die Bedeutung von Communities für die digitale Transformation in der Verwaltung.(Bild:  privat)
Felix Appel, Gründer von franconia.one, schreibt in seiner Kolumne über die Bedeutung von Communities für die digitale Transformation in der Verwaltung.
(Bild: privat)

Der öffentliche Dienst steht vor einer strukturellen Krise: Laut dbb Monitor fehlen derzeit rund 570.000 Mitarbeitende – etwa 20.000 mehr als im Vorjahr. Bis 2030 dürfte sich diese Lücke auf über eine Million Fachkräfte vergrößern. Eine Entwicklung, die zentrale Aufgaben der Daseinsvorsorge bedroht – von Bildung über Gesundheit bis zur inneren Sicherheit.

Klassische Instrumente wie Employer Branding, finanzielle Anreize oder Social Media Recruiting erzielen Aufmerksamkeit – doch sie verändern wenig an starren Strukturen, fehlender Mitgestaltung und dem Gefühl, im System nicht wirklich etwas bewegen zu können.

Communitys als strategischer Hebel

Der öffentliche Dienst braucht einen Kulturwandel – und eine klare Community-Strategie. Communitys schaffen Räume für echten Austausch, fördern Eigenverantwortung und stärken das Wir-Gefühl. Sie ermöglichen informellen Wissenstransfer, beschleunigen Innovationen und motivieren Mitarbeitende durch Partizipation statt reiner Pflichterfüllung.

Die Praxis zeigt: In immer mehr Bundesländern entstehen digitale Netzwerke, die auf Selbstorganisation und ehrenamtlichem Engagement beruhen. Auch Programme wie die Digitallotsen setzen auf Peer-Learning und kollegiale Unterstützung bei der digitalen Transformation. Der Austausch ist freiwillig, der Nutzen konkret: Mitarbeitende helfen einander, teilen Erfahrungen und entwickeln gemeinsam Lösungen.

Sie glauben, das betrifft Sie nicht?

Dann unterschätzen Sie, wie stark Community-Denken längst Teil Ihres Alltags ist: Mitarbeitende, Bürgerinnen, Wähler, Stakeholder – all das sind Communitys.

Wer mit ihnen nur kommuniziert, aber keine echte Verbindung schafft, verliert Vertrauen, Bindung und Wirkung. Der öffentliche Dienst kann es sich nicht mehr leisten, auf klassische Steuerung zu setzen, wo Gemeinschaft und Zusammenarbeit gefragt sind. Stellen Sie sich der Frage: Wie gestalte ich Beziehungen – nicht nur Prozesse?

Community Management ist keine Nebensache – es ist Führungsaufgabe.

Doch Technologie allein reicht nicht. Plattformen ohne Community Management, Governance und Ressourcen bleiben oft leer. Erfolgreiche Communitys brauchen: klare Strukturen und Rollen, sichtbare Unterstützung durch Führung, kontinuierliche Moderation und Pflege.

Führung als Enabler

Community Management ist keine Nebensache – es ist Führungsaufgabe. Pilotprojekte, etwa rund ums OZG oder in der Digitalisierung, bieten ideale Testfelder: Sie zeigen, wie Plattformen, Moderation und Governance ineinandergreifen müssen, damit Engagement entstehen kann. Tools wie Intranets oder Kollaborationsplattformen sind dabei nur Mittel zum Zweck. Ohne Sponsoring durch Führung bleibt jede Initiative eine Randerscheinung. Sichtbare Unterstützung verleiht Legitimität und Dynamik. Wenn Führungskräfte aktiv hinter Communitys stehen, machen sie den Unterschied zwischen toter Plattform und lebendigem Netzwerk.

Dezentralität ermöglicht Identifikation

Communitys brauchen Gestaltungsspielräume. Zentralisierung hemmt Beteiligung. Wo Mitarbeitende Verantwortung übernehmen und ihre Themen einbringen können, entsteht echte Identifikation. Wer gestalten darf, bleibt – und wächst.

Wer übernimmt Verantwortung?

Wer setzt sich im öffentlichen Dienst eigentlich strategisch mit Communitys auseinander? Ist Community-Management bei Ihnen schon Führungsaufgabe – oder bleibt es engagierten Einzelnen überlassen?

Eine globale Strategie könnte genau hier ansetzen:

  • Communitys institutionell verankern,
  • Verantwortlichkeiten klären,
  • Räume schaffen – digital wie analog – und
  • gezielt in Moderation, Plattformen und Beziehungspflege investieren.

Die Frage ist nicht mehr, ob der öffentliche Dienst Communitys braucht. Die Frage ist: Wer übernimmt die Verantwortung, sie möglich zu machen?

Fazit

Der öffentliche Dienst braucht nicht mehr Stellenanzeigen, sondern neue Formen der Zusammenarbeit. Community-Strategien vernetzen Mitarbeitende, schaffen Bindung, Entwicklung und Attraktivität. Sie sind kein „Nice-to-have“, sondern ein strategischer Schlüssel gegen den Fachkräftemangel.

Jetzt ist die Zeit, partizipative Netzwerke aufzubauen – für einen öffentlichen Dienst, der nicht nur funktioniert, sondern auch inspiriert.

Der Autor

Felix Appel ist Überzeugungstäter im öffentlichen Dienst. Nach über 17 Jahren in Verwaltung, Führung und Aufbauarbeit gründete er 2024 franconia one, um Verwaltung neu zu denken – menschlicher, vernetzter, digitaler. Sein Schwerpunkt liegt auf Community Building und Community Management als strategischen Hebeln für eine zukunftsfähige Verwaltung.

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