Regulierung generativer KI ChatGPT an Unis: Wenn Anwendung und Forschung generativer KI verschmelzen

Von Serina Sonsalla 4 min Lesedauer

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Der Einsatz von generativer KI, wie ChatGPT ist den meisten Studierenden alles andere als unbekannt. Doch nur ein Drittel der Studierenden weiß von den Regeln zur Nutzung von KI an ihren Hochschulen – das zeigt eine aktuelle Studie des Bitkom zum Thema „Digitalisierung an Hochschulen“.

Digitale Transformation an Hochschulen: Der Umgang mit Generativer KI für Gelehrte gehört zum Standard; zeigt Chancen aber auch Regulierungslücken. (© kasto – stock.adobe.com)
Digitale Transformation an Hochschulen: Der Umgang mit Generativer KI für Gelehrte gehört zum Standard; zeigt Chancen aber auch Regulierungslücken.
(© kasto – stock.adobe.com)

Die Nutzung von digitalen Geräten gehört schon lange zum Studium dazu. Schnell ist dann auch ChatGPT auf dem Smartphone oder Laptop geöffnet. Doch wo werden eigentlich die Grenzen gesetzt beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) an Hochschulen und wie sieht die digitale Lage aus der Perspektive von Studierenden aus?

Obwohl die meisten Studierenden KI bereits zum Lernen und zur Prüfungsvorbereitung nutzen, weiß nur etwa ein Drittel über die einschlägigen Regeln an ihrer Hochschule Bescheid. Das ergab eine aktuelle Studie des Bitkom über die Digitalisierung an Hochschulen, im Zuge dessen 500 Studierende online befragt wurden.

Zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz in Hochschulen

Die Uni ist eine Forschungseinrichtung, wo nicht nur mit Künstlicher Intelligenz geforscht, sondern auch mit ihr gearbeitet wird. Der Einsatz von KI in deutschen Hochschulen unterliegt keinen einheitlichen Richtlinien. Stattdessen regeln die einzelnen Hochschulen das individuell. Anders als in Schulen wird an der Uni auch ein höheres Maß an Eigenverantwortlichkeit erwartet, indem zum Beispiel Wissenslücken innerhalb eines Eigenstudiums geschlossen werden müssen. KI kann in dieser Hinsicht nützlich sein, um Wissen aufzubereiten, das sonst eigentlich bereits vorausgesetzt wird. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass etwa 68 Prozent der Studierenden ChatGPT vor allem als Recherchetool nutzt, 40 Prozent zur Erstellung von Zusammenfassungen, jeweils 37 Prozent zur Vorbereitung von Präsentationen und zur Korrektur von Texten und etwa 35 Prozent zur Übersetzung von Texten. Doch auch für Prüfungen spielt ChatGPT eine besondere Rolle: Denn 33 Prozent der Befragten hat ChatGPT bereits zur Prüfungsvorbereitung genutzt, 26 Prozent zum Schreiben von Hausarbeiten, 9 Prozent für das Schreiben von Abschlussarbeiten und 4 Prozent sogar während einer laufenden Prüfung.

„Künstliche Intelligenz ist aus dem Uni-Leben nicht mehr wegzudenken. Viele Studierende nutzen generative KI wie ChatGPT, nur die wenigsten Hochschulen wissen aber, wie sie damit zum Beispiel bei Prüfungen, Studienarbeiten oder in der wissenschaftlichen Forschung umgehen sollen“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.

Lediglich 17 Prozent sind mit den zentralen Richtlinien für generative KI vertraut, während bei ungefähr einem Fünftel der Befragten die Regeln vereinzelt von Lehrkräften festgelegt werden. Andererseits gaben 33 Prozent an, dass keine Regeln vorhanden sind und ein weiteres Drittel machte entweder keine Angaben dazu oder ist nicht über das genaue Regelwerk informiert. „Eine Regel, die niemand kennt, ist bedeutungslos. Um es aber für alle auch im Prüfungskontext fair und verbindlich zu halten, gilt es, transparente und klare Regeln zu schaffen und umzusetzen. Damit die Potenziale der Technologie genutzt werden können, brauchen Studierende und Lehrende Sicherheit, was beim Einsatz von KI in Wissenschaft und Lehre verboten, was erlaubt und was sogar erwünscht ist“, erklärte Wintergerst.

ChatGPT lehren oder verbieten?

Bezüglich des Einsatzes von ChatGPT herrscht Uneinigkeit bei den Studierenden: Laut der Studie sind etwa 44 Prozent der Befragten der Meinung, dass die Nutzung von ChatGPT für Hausarbeiten und Abschlussarbeiten verboten werden sollte. Ebenso viele Studierende wünschen sich jedoch, dass der allgemeine Einsatz von ChatGPT an allen Hochschulen künftig zum Standard gehört. 74 Prozent sind daher der Auffassung, dass an Universitäten gelehrt werden sollte, wie man ChatGPT richtig nutzt, während etwa 54 Prozent kritisieren, dass die Verwendung von ChatGPT den Studierenden einen ungerechten Vorteil in der Uni verschafft. Des Weiteren sind 60 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der Einsatz von ChatGPT dazu führt, dass Hochschüler und Hochschülerinnen weniger selbstständig denken und lernen.

Studieren im digitalen Zeitalter

Die Nutzung von digitalen Geräten in der Vorlesung ist Standard: Lehrmaterialien, wie Bücher und Vorträge oder die Ausfertigung einer Powerpoint-Präsentation, werden online bereitgestellt. Seit der Corona-Pandemie werden Lehrveranstaltungen teilweise auch digital abgehalten. Während der Ausgangssperre wurden Prüfungen sogar im heimischen Zimmer geschrieben und das hat sich noch heute bewährt: Denn obwohl die meisten Prüfungen zwar wieder analog durchgeführt werden, geben 22 Prozent der Studierenden an, dass sie schriftliche Prüfungen online ablegen können. 14 Prozent können das sogar bei mündlichen Prüfungen.

Die meisten Befragten in dieser Studie entscheiden sich für ein hybrides Lernen, also eine Mischung von Online- und Präsenzveranstaltung. Sieben von zehn Studierenden wünschen sich dennoch mehr Digitalisierung an ihrer Hochschule. So fordern 87 Prozent, dass die deutschen Hochschulen mehr in die Digitalisierung investieren müssen. Der Bitkom-Präsident äußerte sich dazu folgendermaßen: „Dafür brauchen die Hochschulen finanzielle Sicherheit. Deshalb muss das im Koalitionsvertrag angekündigte Bundesprogramm Digitale Hochschule kommen. Wer ausgerechnet an der Digitalisierung der Bildung spart, spart an der falschen Stelle.“

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