Mehr Datenschutz Bildungssektor als Zielscheibe für Cyberattacken

Ein Gastbeitrag von Frank Schwaak 4 min Lesedauer

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Cyberkriminelle nehmen heute nicht mehr nur wirtschaftlich lukrative Ziele, sondern auch öffentliche Einrichtungen wie Landratsämter, Kindergärten und Schulen ins Visier. Gerade vor solchen erfolgreichen Propaganda-Angriffen warnte das BSI. Doch wie können Bildungsinstitute ihre sensiblen Daten schützen und sicherstellen, dass Bildung frei und sicher zugänglich bleibt? Hier kommt das Konzept der Cyberresilienz ins Spiel.

Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen in Deutschland und muss deshalb besser geschützt werden, damit auch die Daten und sensiblen Informationen von Schülern, Studenten, Lehrern und anderen Mitarbeitern sicher sind.(©  kichigin19 – stock.adobe.com / KI-generiert)
Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen in Deutschland und muss deshalb besser geschützt werden, damit auch die Daten und sensiblen Informationen von Schülern, Studenten, Lehrern und anderen Mitarbeitern sicher sind.
(© kichigin19 – stock.adobe.com / KI-generiert)

Nach dem PISA-Desaster wurden die Rufe nach einer Reform des Bildungssystems immer lauter. Hackerangriffe wie auf die Hochschulen in NRW oder der Ransomware-Hacker-Angriff auf die Caritas-Betreuungseinrichtungen in München verdeutlichen, dass die IT-Systeme bei dieser Reform nicht außer Acht gelassen werden sollten – gerade weil der Bildungssektor an fünfter Stelle der Branchen steht, die in der EMEA-Region die größte Menge an sensiblen Daten speichern. Organisationen im Bildungssektor dürfen sich dementsprechend nicht länger nur darauf konzentrieren, neue Systeme einzuführen, um das Bildungsangebot digitaler aufzustellen. Denn ein Zuwachs an digitalen Diensten heißt auch eine sich stetig vergrößernde Angriffsfläche für Bedrohungsakteure. Zur Abhärtung gegen Cyberangriffe wie etwa durch Ransomware muss die Erhöhung der Cyberresilienz nun das Ziel sein.

Warum ist Cyberresilienz so wichtig für den Bildungssektor?

Cyberresilienz ist ein zentraler Faktor in der Verteidigung gegen Cyberangriffe im Bildungssektor. Sie umfasst die Fähigkeit, Bedrohungen zu erkennen, darauf zu reagieren und sich davon zu erholen. Angesichts der zunehmenden Digitalisierung von Bildungseinrichtungen ist die Sicherheit von Netzwerken, Systemen und Daten von entscheidender Bedeutung. Durch die Stärkung der Cyberresilienz können Schulen und Universitäten besser auf Angriffe reagieren, Schäden minimieren und den Unterrichtsbetrieb aufrechterhalten. Dies erfordert eine umfassende Strategie, die präventive Maßnahmen, Schulungen für Mitarbeiter und Schüler sowie einen klaren Notfallplan inklusive Backup einschließt. Letztendlich trägt eine robuste Cyberresilienz dazu bei, die Integrität der Bildungsinstitutionen zu schützen und den kontinuierlichen Zugang zu Bildungsmöglichkeiten zu gewährleisten. Doch welche konkreten Maßnahmen können IT-Security-Verantwortliche umsetzen, um die Cyberresilienz zu erhöhen?

In acht Schritten zu mehr Cyberresilienz

Die Daten mit denen Bildungsinstitute umgehen, sind oftmals hochsensibel, denn sie enthalten persönliche Informationen über Noten und Bewertungen oder sogar Daten zu Erkrankungen, die die schulische Leistung betreffen. Um diese Daten besser vor Angriffen durch Bedrohungsakteure zu schützen, können Unternehmen ihre Angriffsfläche mit acht Tipps reduzieren:

  • 1. Datensicherheit steht an erster Stelle: Cybersicherheit konzentriert sich in der Regel eher auf die Infrastruktur als auf die Daten. Obwohl eine gute Infrastruktur wichtig ist, reicht sie allein nicht aus. Die Datensicherheit sollte deshalb im Mittelpunkt einer umfassenden Cybersicherheitsstrategie stehen, damit moderne Cyberangriffe wirksam bekämpft werden können.
  • 2. Identifizieren Sie sensible Daten: Nicht alle Daten sind gleich zu behandeln. Handelt es sich etwa um eine Word-Datei, die vertrauliche Informationen wie Zahlungsdaten von Studenten oder Lehrkräften enthält oder um eine Datei, die keine vertraulichen Daten enthält? Durch die Priorisierung von wichtigen Daten kann eine effektivere Verteidigung erreicht werden.
  • 3. Genaue Kontrolle der Zugangsrechte: Haben oder hatten nur autorisierte Personen und Teams Zugang? Gibt es eine Multi-Faktor-Authentifizierung? Generell ist ein Zero-Trust-Konzept zu empfehlen. Das bedeutet, dass jeder Zugriff von jedem Gerät aus potenziell als gefährlich betrachtet wird. So muss der Nutzer regelmäßig seine Legitimität nachweisen, anstatt nur einmal wie bei einer simplen Passwort-Überprüfung.
  • 4. Veraltete Daten entfernen: Die Relevanz von Daten, die seit Monaten oder Jahren nicht mehr genutzt wurden, sollte regelmäßig geklärt werden. Alte Aufzeichnungen können wichtig sein, aber auch sensible Informationen enthalten. Unnötige Daten gilt es wieder zu löschen.
  • 5. Erkennung von Datenbewegungen: Angreifer konzentrieren sich in der Regel auf einen bestimmten Bereich und extrahieren die dort vorhandenen Daten, bevor sie weiter vorgehen. Aus diesem Grund ist eine transparente Darstellung von Datenbewegungen und anderen unregelmäßigen Aktivitäten wichtig. Werden Unregelmäßigkeiten rechtzeitig erkannt, können Schäden an Daten oder Systemen vermieden werden. Es ist dabei insbesondere wichtig, Datenbewegungen in hybriden Umgebungen zwischen SaaS, Cloud und On-Premises zu beobachten.
  • 6. Dem Datenwachstum begegnen: Täglich wächst die Menge an Daten, einschließlich sensibler Daten. Organisationen im Bildungssektor sollten daher das Datenwachstum in ihren lokalen, Cloud- und SaaS-Anwendungen überwachen. Dabei ist es wichtig, die sensiblen Daten in und zwischen diesen Bereichen zu bewerten und zu überprüfen, ob sie sich in die richtige Richtung bewegen, zum Beispiel durch genehmigte Arbeitsprozesse.
  • 7. Benennen Sie einen Data Owner: Oftmals ist in den Organisationen nicht klar definiert, wer für die Überwachung der Daten und die Festlegung und Umsetzung der Datenstrategie verantwortlich ist. Die Rolle des Data Owners besteht dabei in erster Linie darin, die Risiken der Organisation kontinuierlich zu bewerten und der Führung der Organisation Bericht zu erstatten.
  • 8. Backup nicht vergessen: Heute müssen Organisationen fest damit rechnen, irgendwann von einem Cybersecurity-Vorfall betroffen zu sein. Um auch dann schnell wieder arbeitsfähig zu sein, ist die Wiederherstellung der Daten mit einer Backup und Recovery-Strategie essenziell.

Auf Grundlage dieser acht Schritte lässt sich eine konkrete Datenstrategie festlegen, die wiederum die Cyberresilienz und Datensicherheit in Bildungsinstituten erhöht. Damit kommen sie ihrer Pflicht nach, die sensiblen Informationen ihrer Schüler, Studenten und Lehrer vor unrechtmäßigem Zugriff zu schützen.

Fazit

Cyberangriffe sind unvermeidbar. Dabei stehen insbesondere Bildungsinstitute in der Pflicht, die sensiblen Daten ihrer Schüler und Lehrkräfte zu schützen. Unser Bildungssystem muss vor Cyberangriffen deshalb besser geschützt werden: Datensicherheit und Cyberresilienz müssen gestärkt und gewährleistet sein, um den ungehinderten Zugang zu Bildung für alle sicherzustellen. Die IT-Verantwortlichen können dabei viele konkrete Schritte unternehmen, um die Angriffsfläche zu reduzieren. Vor allem gilt es, den Überblick über sensitive Daten zu behalten, Zugriffsrechte besser zu verwalten und eine konkrete Datenstrategie zu implementieren. So haben Cyberbedrohungen wie Ransomware-Angriffe oder Phishing-Attacken keine Chance.

Frank Schwaak
Field CTO für die Region EMEA bei Rubrik.

Bildquelle: Rubrik Inc.

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