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Gratwanderung
Kritisch sieht sie deswegen Motivationsschreiben, die genauso für andere Kommunen oder andere Stellen geschrieben sein könnten. Das Anschreiben von Halir dagegen passt: Eine DIN-A4-Seite individuell auf Stadt und Stelle zugeschnitten. Ohne Aufschneiderei formuliert er, warum er mit seinen Fähigkeiten die gestellten Anforderungen erfüllen kann. Eine Gratwanderung: sich verkaufen, ohne zu sehr von sich eingenommen zu sein.
Zunehmend mehr Bewerber schreiben über sich, ihre Teamfähigkeit sowie soziale oder methodische Fähigkeiten. „Wer da zu toll und sicher rüberkommt, wird später im Interview damit konfrontiert“, weiß Rahm. Das bestätigt Rainer Diebold. Der Personalleiter der Stadt Reutlingen fragt in Vorstellungsgesprächen von Führungskräften gerne intensiver nach.
Haben die Bewerber schlüssige Antworten, ist er zufrieden. Tauchen Widersprüche etwa mit den Zeugnissen auf, die im Gespräche nicht ohne Herumdrucksen geklärt werden können, wird es kritisch. Der tabellarische Lebenslauf von Sven Halir ist vollständig, sauber strukturiert und relativ knapp gehalten. Dass etwa bei einem Universitätsabgänger noch etliche Praktika aufgeführt sind, ist verständlich.
Je älter der Bewerber und je länger seine Karriere, umso genauer sollte er überlegen, was er weglässt oder wie detailliert er kleinere Karriereschritte oder spezifische Kenntnisse und Erfahrungen dokumentiert. Denn: Übersichtlichkeit geht dann vor Vollständigkeit, findet Rahm, der weiß, wie viele Spezifika bei einem IT-ler auftauchen können.
Das sieht Diebold anders, denn ihm ist Vollständigkeit wichtig. Hin und wieder sind sich auch Experten nicht einig oder pflegen einen unterschiedlichen Stil. Schon um solche Details abzuklären, sollten sich Bewerber telefonisch bei der betreffenden Kommune melden. Vor allem bekommen sie von der Stelle und dem Arbeitsumfeld einen besseren Eindruck, können sich gezielter bewerben oder es auch bleiben lassen, wenn es offensichtlich nicht passt.
Dass in heutigen Zeiten jemand mal arbeitslos war, ist für Diebold kein Thema. „Es gibt zunehmend befristete Stellen“, erklärt seine Kollegin Karin Grund ergänzend, letztlich kommt es ihr auf die Qualität der Bewerbungen an. Dazu gehören neben den passenden fachlichen Fähigkeiten persönliche, etwa ehrlich mit Arbeitslosigkeit umzugehen. Denn sie ist sicher, dass sie versteckte Lücken im Lebenslauf ahnt. Und spätestens im Bewerbungsgespräch könne das für die betreffenden Bewerber peinlich werden.
Fokussieren
Für Zeugnisse gilt: Konzentration auf das Wesentliche. Für Halir gehören dazu noch das Abiturzeugnis, das Masterzeugnis von der Uni und die Zeugnisse seiner beiden bisherigen Arbeitsstellen.
Bewerber, die bereits in mehreren Unternehmen oder Einrichtungen der Öffentlichen Hand gearbeitet haben, können sich auch auf die drei letzten Zeugnisse beschränken und bringen alles andere mit, wenn sie zu einem Gespräch eingeladen werden.
Grundsätzlich gilt, dass Bewerber mit längeren Lebensläufen und vielen Zeugnissen alles parat haben sollten. Denn die Personaler wissen es zu schätzen, wenn sie gezielt informiert und nicht überschüttet werden. „Wenn ich ein Mail mit 60 Anhängen erhalte und die Person soll künftig am PC arbeiten, kommen bei mir fachliche Zweifel auf“, berichtet Grund von einem solchen Fall.
Karriereportale im Öffentlichen Dienst
Dem Fachkräftemangel mit Know-how begegnen
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