Mit dem Digitalpakt Schule unterstützt der Bund die Länder und Gemeinden bei Investitionen in die digitale Bildungsinfrastruktur. Doch wie geht es nach dessen Ablauf weiter und wo besteht Nachbesserungsbedarf? Dazu der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Jens Brandenburg.
Dr. Jens Brandenburg ist Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung.
Noch bis 2024 läuft der Digitalpakt Schule – wie fällt Ihr bisheriges Fazit aus?
Brandenburg: Digitale Bildung hat ein riesiges Chancenpotenzial. Mit dem Digitalpakt hilft der Bund, aber das Geld wurde von den Ländern und Kommunen lange Zeit kaum abgerufen. So wurde Fortschritt ausgebremst. Zum Glück geht es beim Digitalpakt jetzt mit erhöhtem Tempo auf die Zielgraden. Davon profitieren bereits rund 28.000 Schulen in ganz Deutschland. Besonders freue ich mich über die tolle Entwicklung der länderübergreifenden Projekte. Hier legen wir das Fundament für eine neue digitale Bildungsinfrastruktur in unseren Schulen und erschließen das immense Potenzial der künstlichen Intelligenz für die Bildung.
Der Bundesrechnungshof riet Ende letzten Jahres davon ab, den Digitalpakt Schule weiterzuführen, da unter anderem die erhofften Erfolge beim digitalen Lernen nicht nachweisbar sind. Nun wurde die zugesagte Anschlussfinanzierung tatsächlich erstmal auf Eis gelegt. Was bedeutet das für die Digitalisierung an den Schulen?
Brandenburg: Es ist schwierig, direkte Lernerfolge zu sehen, wenn die digitale Infrastruktur noch im Aufbau ist. Denn Technik allein ist kein Wirkmechanismus der Pädagogik. Erst der gezielte Einsatz vorhandener Technik durch kompetente Lehrkräfte bringt die Wirkung. Eine Anschlussfinanzierung wurde auch nicht auf Eis gelegt. Es stehen noch Mittel zur Verfügung, die bis Ende 2025 und bis Ende 2026 für länderübergreifende Projekte genutzt werden können und müssen. Diese Mittel sind von entscheidender Bedeutung, um die Digitalisierung der Bildung in den Schulen weiter voranzutreiben.
Welche konkreten Pläne gibt es für die weitere Finanzierung der Schuldigitalisierung – weder Länder noch Kommunen können die Kosten schließlich allein stemmen?
Brandenburg: Angesichts der enormen Herausforderungen setzen wir uns dafür ein, Schulen mit dem Digitalpakt 2.0 noch zielgenauer und unbürokratischer bei der Digitalisierung zu unterstützen. Aber der Bund kann die nötigen Investitionen der Länder damit nur ergänzen.
Immer wieder wird beim Digitalpakt Schule der bürokratische Aufwand für Schulen und Schulträger bemängelt. Wird dieser Aspekt bei weiteren Förderprogrammen berücksichtigt und wie lässt sich die Bürokratie überhaupt abbauen beziehungsweise wie können Schulen und Schulträger bei dem Prozess unterstützt werden?
Brandenburg: Wir müssen aus den Erfahrungen des ersten Digitalpakts lernen. In der nächsten Runde des Digitalpakts dürfen bürokratische Antragsverfahren keine Hemmschwelle mehr sein. Wir wollen außerdem verstärkt auf Daten und wissenschaftliche Begleitung setzen. Wir müssen noch mehr testen und messen, was in den Klassenzimmern tatsächlich funktioniert und was nicht.
Probleme gibt es an den Schulen zahlreiche. Wie eine aktuelle Bitkom-Umfrage zeigt, hapert es beispielsweise noch immer an der technischen Ausstattung. Zudem bemängeln die Schüler, dass der IT-Support meist von bereits überlasteten Lehrkräften übernommen wird. Wie sollen entsprechende Defizite abgebaut werden?
Brandenburg: Richtig ist, dass die Internet-Anbindung vielerorts besser werden kann. Die Bitkom-Studie zeigt, dass Smartboards in den Schulen Normalität sind, die Lehrkräfte digital aufgeschlossen sind und drei Viertel der befragten Schülerinnen und Schüler ihren Laptop von der Schule gestellt bekommen haben. Das sind Effekte des Digitalpakts. Unbefriedigend ist, dass sich bei der IT-Administration noch zu wenig bewegt. Für die IT-Administration standen in Pandemie-Zeiten 500 Millionen Euro zur Verfügung. Für diesen Teil des Digitalpakts werden aber die Mittel am schlechtesten abgerufen. Viele Kommunen suchen einerseits Fachkräfte. Andererseits gibt es aber auch zu wenige tragfähige Lösungen und Angebote am Markt, die die Kommunen mit Mitteln aus dem Digitalpakt finanzieren könnten.
Nun kommen auch immer wieder neue Technologien – wie Künstliche Intelligenz beziehungsweise ChatGPT auf – die an den Schulen für Wirbel sorgen. Einen einheitlichen Umgang mit diesen gibt es nicht. Welche Maßnahmen sind geplant, um deren Einsatz sinnvoll zu gestalten und zu regulieren?
Brandenburg:ChatGPT ist an Schulen und Hochschulen angekommen. Mehrere Länder haben für den KI-Einsatz im Unterricht schon ausgewogene Richtlinien formuliert. Neue Techniken werden also nicht verboten, der Einsatz wird differenziert abgewogen. Das finde ich vernünftig. Und was Rechtsfragen der Digitalisierung angeht, so hilft wiederum der Bund. Das BMBF-Projekt DIRECTIONS entwickelt eine Lösung zur Datenschutz-Zertifizierung für schulische IT-Produkte der unterschiedlichsten Art. Das ist der einzige rechtlich vorgesehene Weg, die Datenschutz-Zuverlässigkeit vorab zu prüfen. Das gibt es bisher nicht. Aus dem Projekt entstehen dafür alle nötigen Schritte und Verfahren.
Die technische Ausstattung der Schulen ist nur ein Aspekt der Digitalisierung des Bildungswesens. Vielfach werden auch die IT- und Digitalkenntnisse der Lehrkräfte bemängelt. Mittelpunkt für die Fortbildung sollen die Kompetenzzentren für digitalen und digital gestützten Unterricht sein. Wie ist hier der aktuelle Stand? Lässt sich bereits ein Nutzen erkennen?
Brandenburg: Gut ausgebildete Lehrkräfte sind unerlässlich, damit alle Schülerinnen und Schülern diese Zukunftskompetenzen unabhängig von Herkunft oder Elternhaus erwerben können. Lehrkräfte müssen wir durch entsprechende Fortbildungsangebote stärken, damit sie sich souverän mit ihrer fachlichen Expertise in der digitalen Welt bewegen können. Hier setzen wir mit den „Kompetenzzentren für digitales und digital gestütztes Unterrichten in Schule und Weiterbildung“ an. Wir fördern den Kompetenzverbund lernen:digital mit vier thematischen Kompetenzzentren und einer Transferstelle. Ziel sind neue und bessere Fortbildungsangebote für modernen digitalen Unterricht. Getragen von einer engen Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und den für die Lehrkräftefortbildung zuständigen Akteuren in den Ländern. Ziel ist dabei voneinander zu lernen und nicht 16-Mal am gleichen Problem zu arbeiten. Diese Vernetzung ist angelaufen. Bis 2026 können die Kompetenzzentren nun wissenschaftsbasierte Fortbildungsmodule entwickeln. So sollen Lehrkräfte zum Beispiel dabei unterstützt werden, KI-Systeme pädagogisch sinnvoll einzusetzen oder mithilfe digitaler Tools passgenau mit der sozialen Heterogenität in der Schülerschaft umzugehen.
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