Starkregen, Hitzewellen, Gefahr durch Cyberangriffe – das sind nur einige der Herausforderungen, vor denen Kommunen derzeit stehen. Ein Diskussionspapier zur urbanen Resilienz stellt konkrete Lösungsansätze und Maßnahmen vor, wie Städte lebenswert und zukunftsfähig gestaltet werden können.
Paris nutzt natürliche Ressourcen – Wasser aus der Seine – für ein stadtweites Fernkältesystem.
Weltweit stehen Städte vor einem großen Transformationsprozess: immer stärkere Urbanisierung, Klimawandel, Erfordernisse der Digitalisierung, aber auch Cyberbedrohungen stellen nicht nur Metropolen vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund haben das Urban Land Institute (ULI) und BNP Paribas REIM ein gemeinsames Diskussionspapier erarbeitet, in dem sie über die Ursachen für die neuen Herausforderungen aufklären, gleichzeitig aber auch Lösungsansätze vorstellen und Wege zu einer höheren urbanen Resilienz aufzeigen.
Das ULI, eine mitgliedergeführte Forschungs- und Bildungsorganisation mit weltweit über 45.000 Mitgliedern, hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit der Öffentlichen Hand durch Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch die Lebensqualität in den Städten und Kommunen zu verbessern. Um spezifische Themen auf Expertenniveau diskutieren und bearbeiten zu können, hat das ULI Germany spezielle Product Councils eingerichtet. In die Erstellung des Diskussionspapiers „Stadttransformation vs. urbane Resilienz – Wie Städten eine nachhaltige Transformation gelingt“ haben mehrere Experten des Product Councils „Sustainable Cities“ ihr Fachwissen und ihre Erfahrung eingebracht.
Städte: „so unerlässlich wie verletzlich“
Aus dem starken Wachstum der Städte und der daraus resultierenden Verdichtung ergeben sich große Herausforderungen für das Flächenmanagement. Zudem seien Städte als sehr komplexe Systeme besonders anfällig für Funktionsversagen in verschiedenen Bereichen, etwa im Gesundheitssystem, bei Cyberattacken auf Digitalnetze oder Extremwetterereignissen, so die Argumentation.
Gleichzeitig werden die Städte aber auch als ein Schlüssel zur Bewältigung der Klimakrise gesehen. Insgesamt brauche es für eine nachhaltige Stadtentwicklung stärkere Robustheit gegen Schocks bei gleichzeitiger Flexibilität, kurz: urbane Resilienz. Hier bezieht sich das Papier auf das Programm der Vereinten Nationen für menschliche Siedlungen (UN-Habitat).
Bei der Frage nach der Verantwortung erinnern die Verfasser auch an die „Neue Leipzig-Charta“, zu der sich die in Europa für Stadtentwicklung zuständigen Ministerinnen und Minister 2020 bekannt haben. Eine grüne, gerechte und produktive Stadtentwicklung sei demnach am Gemeinwohl zu orientieren, falle aber nicht allein in die Verantwortung der Öffentlichen Hand.
Die Neue Leipzig Charta zur Rolle der Digitalisierung
„Die Digitalisierung trägt als Querschnittsthema maßgeblich zu den aktuellen Veränderungen bei und betrifft alle Dimensionen der nachhaltigen Stadtentwicklung“, heißt es in der Neuen Leipzig Charta von 2020. Zum einen werden die Chancen der Digitalisierung betont: Sie ermögliche innovative, qualitativ anspruchsvolle Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen (z. B. in den Bereichen Mobilität, Energieeffizienz, digitale Verwaltung und Beteiligung), gleichzeitig aber Risiken genannt wie die mögliche Vertiefung räumlicher und sozialer Unterschiede sowie Datenschutzrisiken. Digitalisierungsprozesse seien daher umweltfreundlich, inklusiv und gerecht zu gestalten. Die digitale Souveränität Europas wird als wesentliche Voraussetzung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit der EU beschrieben: „Mit ihrem Potenzial, digitale Lösungen in die Breite zu tragen und sie an die jeweiligen lokalen Bedingungen anzupassen, tragen Kommunen entscheidend zu diesem Ziel bei.“
Bogotá, Paris und Lünen: von Best Practices lernen
Vor allem aber zeigt das Diskussionspapier konkrete Lösungen auf: In Kopenhagen etwa waren zwei Herausforderungen gleichzeitig zu bewältigen – die Überflutungen bei Starkregen sollten minimiert und der Bedarf an nachhaltiger Mobilität gedeckt werden. Die Stadt entwickelte dazu einen Plan, der auf zwei Grundsätzen oder Pfaden basiert: Nach dem „blauen Pfad“ soll Regenwasser direkt ins Meer geleitet werden, nicht in die Abwasserkanäle. Im „grünen Pfad“ wird das Wasser für die Begrünung der Stadt genutzt, dazu wurden u.a. Asphaltflächen in Grünflächen umgewandelt. Dazu passt auch die Mobilitätsinitiative, mit der mehr Raum für Fahrradfahrer geschaffen und der Autoverkehr in der Innenstadt stark reduziert wurde.
Kopenhagen verknüpft den Schutz vor Überschwemmungen mit der Förderung nachhaltiger Mobilität.
Den Fahrradverkehr forciert auch Bogotá – die Stadt hat in den Ausbau ihres Fahrradnetzes investiert, ein Leihfahrradsystem eingeführt und sogar Stadtautobahnen für den motorisierten Verkehr gesperrt.
Ein Vorbild für viele Städte, die unter Hitzewellen leiden, kann dagegen Paris sein. Hier wird Wasser aus der Seine für das Kühlungssystem „Fraîcheur de Paris“ (Pariser Kühle) zur Kühlung von Gebäuden und Einrichtungen in der ganzen Stadt genutzt. Im Vergleich zu individuellen Klimaanlagen reduziert sich der Energieverbrauch um 50 Prozent. Die Autor:innen rechnen mit einer wachsenden Nachfrage nach solchen Fernkältelösungen in den Städten Europas.
Die Stadt Lünen in Nordrhein-Westfalen hat mehrere Maßnahmen umgesetzt, um die Innenstadt wieder zu beleben: Ein leerstehendes Kaufhaus wurde entkernt und die Außenteile in Wohnungen umgebaut. In einem Stadtteilzentrum wurden Begegnungsflächen geschaffen – für mehr Interaktion statt Einkauf. In Veranstaltungen wie „Stadtlabor“ und „Stadtgespräch“ wurden Bürgerinnen und Bürger mit einbezogen. Als weitere Best Practices sind Lösungen aus Hamburg, Mexiko-Stadt, Houston und Manchester beschrieben. Isabella Chacón Troidl, Vorsitzende der Geschäftsführung, BNP Paribas REIM und Co-Chair ULI Product Council, betont die Bandbreite der Lösungen: „So vielfältig wie die Städte weltweit und ihre Herausforderungen sind, sind auch unsere Beispiele für gelungene Projekte zur Stärkung der Resilienz.“ Honoré Achille Simo, Executive Director, JLL und Co-Chair ULI Product Council, sieht die Städte trotz der Unterschiede aber strukturell vor ähnlichen Herausforderungen. Die Beispiele zeigten nicht nur, was alles möglich ist und bereits umgesetzt wird: „Sie geben auch Anregungen über die Grenzen der Stadt hinaus.“
Stand: 08.12.2025
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Aus der Analyse zu Stand und Entwicklung urbaner Räume leiten die Verfasser zehn konkrete Wege zu mehr Resilienz ab:
Strategien zur Stärkung der Anpassungs- und Zukunftsfähigkeit formulieren. Diese verankern als Basis für politische Verantwortungsträger.
Bewusstsein für Krisen schärfen. Verantwortungsträger (Stadt, Wirtschaft, Bürger) für die neuen Aufgaben fit machen und Bereitschaft aller zum Handeln aufbauen.
Städtisches Risikomanagement in die Stadtplanung integrieren und eine Lernkultur schaffen.
Ausreichenden Wohnraum und soziale Infrastruktur für alle Haushalts- und Sozialgruppen schaffen.
Intensiver Austausch zwischen allen lokalen Stakeholdern, Förderung gemeinsamer Projekte.
Tragfähige und inklusive soziale Angebote zur Teilnahme der gesamten Stadtgesellschaft bieten.
Eine nachhaltige, robuste und redundante Infrastruktur für Transport, Energie und Versorgung schaffen.
Mit der Bevölkerung über die Resilienz ihrer Städte sprechen, Handlungsbedarf aufzeigen und in die Erarbeitung von Lösungen einbeziehen.
Dezentrale Stadtstrukturen stärken.
Monostrukturen aufbrechen durch aktive Förderung breitgefächerter und vielfältiger Strukturen.