Kommentar

Warum wir eine neue Sicherheitsinfrastruktur brauchen

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Neuausrichtung unserer Infrastruktur gefordert

Trotz des breiten Spektrums der Angriffe – auf Supply-Chain und Datenspeicherung oder durch Ransomware – weisen sie alle auf einige deutliche und gemeinsame Schwachstellen hin, die aus sicherheitstechnischer Sicht ausschlaggebend sind. Alle Organisationen weltweit, nicht nur die US-Regierung, sollten eine neue, auf Sicherheit ausgerichtete Infrastruktur aufbauen, um künftige Angriffe abzuschrecken und die möglichen Auswirkungen eines erfolgreichen Einbruchs zu minimieren. Eine solche neue Architektur basiert auf drei Säulen:

Zero-Trust-Konzept

Dieses Sicherheits-Fundament gibt es schon seit einiger Zeit, aber es gewinnt erst jetzt an Zugkraft bei der Implementierung – nicht zuletzt, weil es in der Executive Order ausdrücklich hervorgehoben wird. Zero Trust ist eine Methodik, die davon ausgeht, dass alle Daten, Geräte, Apps und Benutzer innerhalb oder außerhalb des Unternehmensnetzwerks von Natur aus unsicher sind und vor jedem Zugriff authentifiziert und verifiziert werden müssen. Entscheidend ist, dass es sich um eine ganzheitliche Strategie handelt. Sie umfasst sowohl technische Protokolle wie Multi-Faktor-Authentifizierung und Identitätszugriffsmanagement als auch eine übergreifende dynamische und äußerst wachsame Denkweise, die in die Arbeitsweise einer Organisation integriert ist und proaktiv gegen Cyber-Bedrohungen schützt. Dieser Ansatz erfordert einen Strategiewechsel auf allen Ebenen einer Organisation, da er davon ausgeht, dass jede Schwachstelle – selbst auf der Ebene des einzelnen Mitarbeiters – erheblichen Schaden anrichten kann.

Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (E2EE)

Mit der Zunahme von Cyberattacken steigt auch die Bedeutung der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Viele Plattformen weisen Sicherheitslücken auf, weshalb Unternehmen zunehmend E2EE als grundlegendes Sicherheitsmerkmal fordern. Einige beliebte Kollaborations- und eMail-Plattformen haben jedoch weder konkrete Pläne für den Einsatz von E2EE erstellt oder bemühen sich erst jetzt um die Integration grundlegender Sicherheitsprotokolle, nachdem sie jahrelang ohne diese gearbeitet haben. Die Definition der „Ende-zu-Ende-Verschlüsselung“ ist zudem durch die inflationäre Verwendung des Begriffs im Marketing abgenutzt worden: Bei einer echten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung werden die Daten auf dem System oder Gerät des Absenders verschlüsselt und nur der Empfänger kann sie entschlüsseln. Es wurden sogar schon einige Plattformen ertappt, die falsche Angaben gemacht haben oder nur eine schwache Form von E2EE einsetzen.

Daher ist es entscheidend, nicht nur die richtige E2EE-Form zu wählen, sondern diese auch völlig transparent zu kommunizieren. Eine dezentrale Lösung auf Basis von Double-Ratchet-E2EE ermöglicht beispielsweise, dass jeder einzelne Anruf, jede Nachricht und jede Datei auf jedem Gerät separat verschlüsselt wird, wobei die Schlüssel vom Gerät selbst und nicht von einem zentralen Server generiert werden. Dies hat den Vorteil, dass die Informationen bis zur kleinstmöglichen Einheit geschützt werden, und es entsteht ein System, das mit jeder Nachricht für Hacker komplexer – und nicht wertvoller – wird.

Dezentrale Datenspeicherung und -sicherung

Dezentralisierung schützt die Datenbestände vor Ort und nicht in einem zentralen Bollwerk. Damit haben Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten selbst in der Hand und sind nicht mehr den Risiken ausgesetzt, die sich aus der Entscheidung eines Anbieters über die Speicherung seiner Daten ergeben können. Lösungen, die von der Edge aus schützen, vermeiden eine einzelne große „Nutzlast“ und haben damit eine viel bessere Chance, Daten vor Cyberkriminellen zu schützen.

Im Fall von Microsoft ergab das Fehlen einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (Microsoft speichert, wie viele andere eMail-Anbieter auch, Daten im Klartext auf seinen Servern) in Verbindung mit der zentralen Datenspeicherung eine gefährliche Kombination. Im Grunde ist es ressourcenschonender, wenn Anbieter einfach eine Perimeter-Verteidigung um ihren zentralen Hub herum aufbauen und die Unternehmen die Verantwortung für diesen Schutz wiederum ihren Anbietern überlassen. Der große Nachteil dieses Ansatzes ist jedoch, dass mutwillige Angreifer, die diese Perimeter-Verteidigung überwinden und sich Zugang zu diesen Servern verschaffen, mit einem Schlag Zugriff auf alle Daten in diesem zentralen Hub erhalten – was bei Microsoft dazu geführt hat, dass die Mails von über 30.000 Unternehmen offengelegt wurden.

Die Entscheidung für ein On-Premises- oder Hybrid-Arrangement kann daher das entscheidende Zünglein auf der Waage für die Sicherheit sein. Denn eines steht fest: Wenn eine solche Infrastruktur weiterhin mit zentraler Datenspeicherung und -sicherung sowie veralteten Sicherheitsprotokollen vorherrscht, werden wir mit ziemlicher Sicherheit eine erneute Zunahme dieser Art von Cyberangriffen erleben.

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Der Weg nach vorn

Es gibt bereits einige einzelne Tools und Plattformen wie Protonmail und Tresorit, die auf diese neue Sicherheitsinfrastruktur setzen – und das ist ein guter Anfang. Wenn Unternehmen jedoch zukunftssicher sein und sich gegen die wachsende Bedrohung durch Cyberangriffe verteidigen wollen, muss ein viel größerer und grundlegenderer Wandel stattfinden. Genauso, wie wir den Klimawandel nicht mit einer öl- und kohlebetriebenen Energieinfrastruktur bewältigen können, werden wir die aktuellen Sicherheitsherausforderungen nicht lösen, indem wir uns auf Architekturen aus den 1970er Jahren verlassen.

Es bedarf eines radikalen Umdenkens und des Einsatzes neuer Werkzeuge und Ansätze. Aus diesem Grund begrüßen wir diesen Schritt der US-Administration, um jahrelange Mängel der Sicherheitspraktiken im öffentlichen Bereich zu beheben. Nur wenn sich Regierungen weltweit diese schwierigen Lektionen über Zero Trust, Verschlüsselung und Daten-Compliance zu Herzen nehmen, kann die digitale Infrastruktur für alle Beteiligten sicherer werden.

*Der Autor: Morten Brøgger, CEO bei Wire

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