Offen und unsicher? Open Source: 7 Vor(ur)teile unter der Lupe

Ein Gastbeitrag von Rico Barth

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Unsicher, kein Support, generell ungeeignet für den Einsatz in kritischen Infrastrukturen. Das denken viele über Open-Source-Software. Dabei haben sieben von zehn deutschen Unternehmen Systeme mit offenem Quellcode im Einsatz – und sind zufrieden.

Vorurteile über Open Source halten sich hartnäckig.(Bild:  © – ar130405 – stock.adobe.com)
Vorurteile über Open Source halten sich hartnäckig.
(Bild: © – ar130405 – stock.adobe.com)

Open Source ist aus vielen Unternehmen nicht mehr wegzudenken, dennoch halten sich einige hartnäckige Vorurteile über die vermeintliche Unsicherheit quelloffener Lösungen.

1. Open Source ist nur ein vorübergehender Trend

Der Begriff Open Source entstand in den späten 1990er-Jahren, die Idee dahinter gibt es aber bereits seit den 80ern. Zu dieser Zeit, als etwa Apache, das GNU-Projekt oder Linux gerade erst auftauchten, hätte das Konzept eines offenen Quellcodes nur eine Randerscheinung bleiben können. Doch entschlossene Entwickler wie Linus Torvalds setzten sich durch. Open Source ist längst weltweit zu einem wirtschaftstreibenden Faktor geworden. Red Hat, ein US-amerikanisches Open-Source-Unternehmen, wurde beispielsweise 2019 vom IT-Riesen IBM für rund 34 Mrd. US-Dollar übernommen und seitdem entwickelt sich die Open-Source-Sparte immer mehr zum Umsatztreiber des IT-Giganten. Aber auch aus Deutschland kommen immer sehr erfolgreiche Player wie Suse. Das Nürnberger Unternehmen erwirtschaftete in 2020 immerhin Umsätze von einer halben Milliarde US-Dollar. Randerscheinungen sehen anders aus. Oder auch Mastodon, das Open-Source-Projekt aus Berlin, ist mit einem exponentiellen Wachstum gerade auf einem guten Weg, Twitter abzulösen.

2. Open Source öffnet Hackern Tür und Tor

Möglich. Bei einer offenen Software kann jeder User den Quellcode einsehen und editieren. Auch böswillige Hacker, indem sie Angriffspunkte ausnutzen und die Systeme infiltrieren. Tatsächlich sorgt aber gerade diese Offenheit für mehr Sicherheit. Durch die Zusammenarbeit großer Communitys aus privaten Anwendern, Mitarbeitern in Unternehmen, Behörden und Ministerien sowie Open-Source-Anbietern wird der Code genau beobachtet. Einfallstore und Sicherheitslücken werden sehr schnell erkannt und geschlossen. Schneller, als es mit proprietärer Software möglich wäre. Bekanntes Beispiel ist der Internetbrowser Firefox, bei dem die User ununterbrochen zum Datenschutz beitragen und die Sicherheit mit extern entwickelten Erweiterungen erhöhen.

3. Jeder kann Fehler in den Code einbauen

Gewollt oder ungewollt kann tatsächlich jeder Bugs und Fehler in den Code einbauen. Allerdings ist die Chance gering, dass es eine fehlerhafte Programmzeile in eine freigegebene Version schafft. Alle Änderungen werden dokumentiert und sind jederzeit nachvollziehbar. Sie werden getestet und, falls nötig, wieder entfernt. Wer schon mal bei Wikipedia mitgearbeitet hat, kennt das. Sobald eine Änderung in einem Artikel auftaucht, wird der Text überprüft und schnell korrigiert. Aber nicht nur der Sicherheitsgedanke spielt eine entscheidende Rolle. Je nach Anforderungen und gewünschten Funktionen lassen sich Open-Source-Systeme schnell individuell konfigurieren. Durch offene Schnittstellen ist die Integration in vorhandene Systemlandschaften bei Weitem leichter als mit Closed-Source-Systemen.

4. Open-Source-Communitys sind ein Haufen Chaoten

Open-Source-Communitys bestehen nicht aus Hobbyentwicklern. Die User sind meist IT-Experten aus unterschiedlichen Branchen, die Software professionell nutzen. Durch Diversität, Transparenz und das gewaltige Know-how entstehen Ideen, Features und Funktionen, die es sonst wahrscheinlich nie in ein Programm geschafft hätten. Die Entwickler hinter der Software arbeiten nach genauen Fahrplänen, bevor sie eine neue Version veröffentlichen. Von einer losen Gruppe aus Nerds kann nicht die Rede sein.

5. Open Source kann aktuelle Kundenanforderungen nicht erfüllen

Mitarbeiter von IT-Unternehmen, die businessrelevante Open-Source-Software anbieten, agieren in der Regel professionell und zügig in der Umsetzung von Kundenwünschen. Denn Qualität und Geschwindigkeit sind sehr wichtige Faktoren für Anwender von Open-Source-Software. Deswegen liegt der Fokus der Anbieter auf der marktorientierten Weiterentwicklung, sehr gutem Service und zuverlässiger Maintenance. Sie wissen, dass Erfolg vergänglich ist. Bei Stillstand können User schneller abspringen, da Open-Source-Lösungen eben von Natur aus auch niedrigere Abhängigkeitsgrade als Closed-Source-Alternativen aufweisen. Eine größere Kundenfokussierung als im Open-Source-Bereich gibt es daher nur selten.

Auf der nächsten Seite: Kritis und Open Source. Und was ist mit dem Support?

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