Digitalisierung in der Stadtentwicklung Olympia: Keine Siegertreppe für Deutschlands Sportstätten

Ein Gastbeitrag von Andreas Michel 3 min Lesedauer

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Die Olympischen Spiele lenken den Blick auch auf den hiesigen Leistungssport und entfachen in Deutschland Debatten über Sportförderung und den Zustand der Sportstätten.

Sportstätten sollten sich an den Bedürfnissen ihrer tatsächlichen Nutzer orientieren. Hier kann Digitalisierung unterstützen.(©  103tnn - stock.adobe.com)
Sportstätten sollten sich an den Bedürfnissen ihrer tatsächlichen Nutzer orientieren. Hier kann Digitalisierung unterstützen.
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Der erhebliche Modernisierungsbedarf vieler Sportanlagen gibt Anlass zur Sorge. Dabei sind Sportstätten mehr als nur Orte für Höchstleistungen – sie fungieren als soziale Treffpunkte und stärken den Zusammenhalt in Gemeinden. Um diesem vielfältigen Anspruch gerecht zu werden, sollten sich Sportstätten stärker an den Bedürfnissen ihrer tatsächlichen Nutzer orientieren. Diese können je nach Standort stark variieren. Wie lässt sich eine solche bedarfsgerechte Ausrichtung von Sportstätten konkret umsetzen?

Marode Anlagen: Deutschlands Sportstätten im Abseits

Sportstätten in Deutschland sind für Profis, Schulen und Breitensportvereine gleichermaßen wichtig. Die Realität zeigt jedoch ein ernüchterndes Bild: Viele Anlagen sind veraltet und entsprechen nicht mehr den Anforderungen ihrer Nutzer. Ein massiver Modernisierungsstau betrifft sowohl Sport- als auch Schwimmhallen.

Zwei Hauptprobleme kristallisieren sich heraus:

  • Der dringende Verbesserungsbedarf der Anlagen, um den Ansprüchen des Spitzen- und Breitensports gerecht zu werden.
  • Eine ineffiziente Auslastung, da vorhandene Belegungspotenziale nicht ausgeschöpft werden.

Interessanterweise lassen sich beide Herausforderungen auf eine gemeinsame Ursache zurückführen.

Blinde Flecken in der Sportstättenplanung

Das zentrale Problem in der Sportstättenplanung ist das mangelnde Wissen um die tatsächliche Nutzung der Anlagen. So sind Bedarf und Nutzung nur schwer zu planen und zu steuern. Wie, von wem und in welchem Umfang werden welche Sportstätten genutzt? Wie verändert sich das Nutzungsverhalten mit der Zeit? Lokale Daten sind der Schlüssel. Eine systematische Erfassung der Nutzungsdaten bildet die Grundlage für fundierte Entscheidungen. Nur so können Engpässe identifiziert, Maßnahmen zur Verbesserung der Auslastung entwickelt und eine sinnvolle Sportentwicklungsplanung erstellt werden. Diese datenbasierte Herangehensweise ermöglicht es, die Ressourcen gezielt und effektiv einzusetzen.

Digitale Abhilfe für eine gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung

Digitale Plattformen und Anwendungen könnten eine Schlüsselrolle bei der Optimierung der Nutzung von Sportstätten spielen, da sie wertvolle Informationen über die Auslastung und den Zustand der Sportstätten liefern. Durch Online-Belegungssysteme und Echtzeitdaten können Nutzungszeiten effizienter geplant und Engpässe vermieden werden, da sich ungleichmäßige Verteilungen durch einen Wechsel zwischen Überlastung und Leerstand vermeiden lassen.

Zudem lässt sich so die Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Nutzenden verbessern. Die Lücke zwischen vorhandenen Angebotenen und den tatsächlichen Bedürfnissen der Nutzenden wird geschlossen. Denn nur durch Beteiligung aller relevanten Stakeholder können Bedarfe richtig ermittelt werden und Bauvorhaben zielgerichtet geplant werden. Sport- und

Bewegungsräume bieten so ein erhebliches Potenzial für Konzepte der gemeinwohlorientierten Stadtentwicklung und Stadtplanung.

Frisches Geld: Bedarfsorientierter fördern

Die Finanzierung der notwendigen Modernisierungen bleibt eine Herausforderung, doch auch hier können Daten unterstützen. Im deutschen Fördersystem profitieren häufig Städte und Gemeinden, die bereits ausgearbeitete Konzepte haben. Durch eine datenbasierte Sportentwicklungsplanung lässt sich klar dokumentieren, dass die Fördermittel für Maßnahmen ausgegeben werden, die einen empirisch belegten Bedarf decken. So werden Fehlinvestitionen von öffentlichen Geldern vermieden.

Kooperationen mit Start-ups können die Finanzierbarkeit einer datenbasierten Entscheidungsfindung erleichtern. Durch Nutzung bestehender Lösungen lassen sich finanzielle Mittel einsparen, während Städte und Gemeinden gleichzeitig von externer Expertise profitieren. Für den Erfolg solcher Partnerschaften sind jedoch klare Rahmenbedingungen und transparente Prozesse unerlässlich.

Fit für die Zukunft

Sportliche Großereignisse wie die Olympischen Spiele scheinen ein Licht auf den akuten Handlungsbedarf bei deutschen Sportstätten. Eine umfassende Modernisierung und strategische, datenbasierte Planung ist erforderlich, um Deutschland in Bewegung zu halten. Will Deutschland im Spitzen- und Breitensport ein sportliches Vorbild sein und seine Bürgerinnen und Bürger für den Sport begeistern, muss es ab sofort höher, schneller, weiter und digitaler heißen.

Der Autor

Andreas Michel, Geschäftsführer und Mitgründer von Locaboo.

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