Sechs Faktoren, um die OZG-Umsetzung zu beschleunigen Öffentliche Verwaltung schneller digitalisieren

Ein Gastbeitrag von Jürgen Breithaupt 6 min Lesedauer

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Die Geschwindigkeit der Verwaltungsdigitalisierung in Deutschland kommt nicht aus der Kritik. Die Positionierung Deutschlands im internationalen Ranking macht wenig Fortschritte, und die ­Zielverfehlungen des Onlinezugangsgesetzes sowie die massiven Kürzungen der Digitalisierungsbudgets trüben die Stimmung. Doch ist die Situation wirklich so festgefahren? Nein – vor allem sechs Erfolgsfaktoren können den Prozess zuverlässig beschleunigen.

Viele, aber nicht alle Aufgaben in der Verwaltung lassen sich mithilfe von Standardsoftware lösen.(©  OleCNX - stock.adobe.com)
Viele, aber nicht alle Aufgaben in der Verwaltung lassen sich mithilfe von Standardsoftware lösen.
(© OleCNX - stock.adobe.com)

Zweifellos lief die Realisierung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) ­bisher nicht immer ideal, das Tempo könnte höher sein. Aber: Es gibt erfreulicherweise ausreichend engagierte und pragmatisch denkende wie handelnde Entscheider:innen in der öffentlichen Verwaltung und bei deren IT-Diensteistern, die seit Inkrafttreten des OZGs im Jahr 2017 wichtige Weichen gestellt und Rahmenbedingungen geschaffen haben. Dabei haben sich in den vergangenen Jahren sechs Erfolgsfaktoren herauskristallisiert, durch die sich die Digitalisierung der Verwaltung weiter beschleunigen lässt. Faktoren, die bereits erfolgreich von IT-Dienstleistern der Verwaltung in enger Zusammenarbeit mit der IT-Industrie in die Tat umgesetzt werden.

Erfolgsfaktor 1: Eine Ende-zu-Ende-Architektur aufbauen

Die Digitalisierung der Verwaltung lässt sich in gewisser Weise mit dem Bau eines Hauses vergleichen: In beiden Fällen ist ein fundierter Bauplan erforderlich. Er sollte alle Bestandteile genau beschreiben und – im Falle der Digitalisierung – letztlich Ende-zu-Ende-Prozesse ohne Medienbrüche ermöglichen, also Front- und Backend miteinander verbinden.

Entscheidend ist, nicht direkt auf Produktebene anzusetzen, sondern eine Stufe höher auf der funktionalen Ebene. Denn dann können Verwaltungen ihre IT-Strukturen unabhängig von konkreten Hard- und Software-Produkten entwickeln und machen sich nicht von Beginn an abhängig von einzelnen Herstellern oder Anbietern. Sinnvoll ist auch, die verschiedenen Funktionsblöcke nicht zu groß zu denken: Eine allumfassende Software-Suite von nur einem Hersteller zu nutzen, mag zunächst praktisch klingen. Im Sinne der Souveränität und Flexibilität muss es aber nicht die beste Lösung sein.

Erfolgsfaktor 2: Einen ­effizienten Prozess zur Softwareentwicklung ­etablieren

Viele Aufgaben in der Verwaltung lassen sich mithilfe von Standardsoftware lösen. Dennoch stellen ­einige Bereiche spezifische An­forderungen und sind auf Individualsoftware angewiesen – die ­wiederum entwickelt, betrieben und gepflegt werden muss. Die ­Herausforderungen dabei: Die Verantwortlichen müssen die Kosten über den gesamten Lebenszyklus der Software hinweg unter Kon­trolle halten, es soll keine Abhängigkeit vom Entwicklungspartner entstehen, und die Anwendungen sollen offen für technische Innovationen sein und von ihnen profitieren können.

Die Strategien und Tools der IT-Industrie bieten der Verwaltung hier wertvolle Orientierung. So konnte die IT-Industrie etwa dank sogenannter CI/CD-Pipelines (Continuous Integration/Continuous Delivery) die Release-Zyklen spürbar verkürzen, also Software schneller ausliefern. Entwicklung und Betrieb (DevOps) lassen sich so zudem eng verzahnen. Ein weiterer Vorteil: Die Software wird am Ende der Pipeline in sogenannten Containern ausgeliefert, wodurch sie mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Hardware funktioniert – Stichwort Unabhängigkeit oder Souveränität.

Erfolgsfaktor 3: Low-Code-Plattformen einführen

Demografischer Wandel und Mangel an Fachkräften; Zunahme der Aufgaben für die öffentliche Verwaltung und höheres Tempo bei der Servicebereitstellung; Krisensituationen, die professionelle Reaktionen erfordern. Angesichts solcher Herausforderungen werden Low-Code-Plattformen für die Verwaltung immer wichtiger: Platt­formen, mit denen sich etwa Softwarelösungen ohne viel Programmieraufwand umsetzen lassen.

Sie schließen die Lücken zwischen Standard- und Individualsoftware. Fachbereiche können so mit wenig oder ganz ohne Unterstützung durch die IT-Bereiche eigene IT-Unterstützungsprozesse modellieren und direkt lauffähig machen. Zahlreiche Prozesse lassen sich somit deutlich schneller digitalisieren, die Abhängigkeit von IT-Fachkräften sinkt. Zudem profitieren die mit solchen Plattformen erstellten Prozesse und Funktionen, wenn der Plattformanbieter neue Features und andere Innovationen bereitstellt. Gerade für die IT-Dienstleister der öffentlichen Verwaltung in Deutschland stellen Low-Code-Plattformen eine strategisch sinnvolle Ergänzung ihres Produktportfolios dar, da sie damit ihre Service­qualität gegenüber ihren Kunden, nämlich der Verwaltung, attraktiver und leistungsfähiger gestalten können.

Auf der nächsten Seite: weitere drei Erfolgsfaktoren.

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