Digitale Besucherlenkung Naturschutz am Schreibtisch – Digitale Rangerin passt auf

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Rund eine Million Besucher hat der Nationalpark Eifel im Jahr. Viele nutzen das Handy. Die digitale Besucherlenkung zum Schutz der Natur wird wichtiger. Der Nationalpark ist Pionier auf dem Gebiet.

Damit Menschen auf Abwegen weder die Natur noch sich selbst in Gefahr bringen, pflegt   Digital-Rangerin Jasmin Daus die Wegekarten für den Nationalpark Eifel.(Bild:  frei lizenziert /  Pixabay)
Damit Menschen auf Abwegen weder die Natur noch sich selbst in Gefahr bringen, pflegt Digital-Rangerin Jasmin Daus die Wegekarten für den Nationalpark Eifel.
(Bild: frei lizenziert / Pixabay)

Im Nationalpark Eifel spielt nicht der Mensch die Hauptrolle – absoluten Vorrang hat die Natur. Deshalb dürfen die markierten Wege in dem Artenschutz-Paradies nicht verlassen werden. Nicht für ein schnelles Selfie als Erinnerung, nicht für Instagram und auch nicht um die Wanderung abzukürzen.

Es gibt schließlich ein 240 Kilometer langes offizielles Wegenetz für Wanderer, von dem 104 Kilometer gleichzeitig Radwanderwege sind. Und dennoch werden immer wieder Besucher auf Abwegen ertappt. Gängige Ausrede in vielen Fällen: „Die App auf meinem Handy hat den Weg aber so gezeigt.“

In solchen Fällen ist Jasmin Daus gefragt. Die Digitale Rangerin arbeitet im Nationalpark-Team daran, dass im Internet und auf Freizeit-Apps möglichst nur offizielle Wege angegeben sind. Und dass Touren-Vorschläge von Privatleuten zu vermeintlichen Highlights mit den Regeln des 110 Quadratkilometer großen Schutzgebietes übereinstimmen. Im Gegensatz zu den Nationalpark-Rangern mit dem markanten Hut, die in Gelände unterwegs sind, betreibt die 28-Jährige Naturschutz am Schreibtisch.

„Leute verlassen sich zu sehr auf ihr Smartphone“

„Das Hauptproblem ist: Die Leute verlassen sich zu sehr auf ihr Smartphone und gehen davon aus, dass das stimmt, was da drin ist“, erzählt die Geografin. Sie bearbeitet die Datengrundlagen von Google Maps und OpenStreetMap, stellt eigene Tourenvorschläge in Wander-Apps und Touren-Plattformen ein. Und sie tritt mit Usern in Kontakt, wenn diese Touren veröffentlicht haben, die nicht zu den Vorschriften passen.

Dann schreibt sie einen freundlichen Kommentar etwa in dieser Art: „Hey, deine Tour führt durch eine Ruhezone im Nationalpark Eifel abseits der freigegebenen Wege. Kannst du sie bitte korrigieren?“. Oder auch: „Hier gibt es viele sensible Arten, deshalb halte dich bitte an bestimmte Spielregeln, bleib auf den ausgewiesenen Wegen, nimm den Hund an die Leine, mach kein Feuer und nimm den Müll wieder mit“. Dabei greift sie zum „Du“, wie es in der Community üblich ist. Es geht auch darum, freundlich auf Alternativen hinzuweisen.

Oft komme eine positive Rückmeldung und ein „Daumen hoch“-Zeichen. „Manche User greifen die Hinweise sehr dankbar auf und finden das toll“, berichtet die Geografin. Und was passiert, wenn es keine Reaktion gibt? Daus hat Kontakte, die Beiträge löschen können. In den Plattformen Outdooractive und Komoot veröffentlicht der Nationalpark eigene Tourenvorschläge – ebenso auf der eigenen Homepage.

Über 200 Verstöße im Jahr

Für das Bundesamt für Naturschutz in Bonn ist die digitale Besucherlenkung ein wichtiges Thema. Naturlandschaften gehören zu den beliebtesten Naherholungs- und Reisezielen. Beispielsweise empfängt der Nationalpark Eifel, der einer von 16 in Deutschland ist, etwa eine Million Besucher pro Jahr. Die etwa 40 Eifel-Ranger stellen bei ihren Kontrollgängen in der Regel über 200 Regelverstöße pro Jahr fest. Digitale Ranger gibt es bundesweit bislang nur in den Nationalparks Sächsische Schweiz, Bayerischer Wald, Eifel, Berchtesgaden und im Biosphärenreservat Rhön.

Bei Google Maps ist inzwischen für den Nationalpark Eifel nur noch das offizielle Wegenetz dargestellt, berichtet Daus. Doch es ist mühsam, mit der Vielzahl der Einträge mitzuhalten. Jeder könne ein vermeintliches Highlight in die Pampa setzen und von einem tollen Aussichtspunkt schwärmen, beklagt sie. „Und andere versuchen dann, dahin zukommen“.

Immer wieder gibt es Berichte von der daraus entstehenden Störung, manchmal sogar Zerstörung, der Natur. Aber die Menschen können sich auf Abwegen auch selbst in Gefahr bringen. Auch in der Eifel gab es Rettungseinsätze für Besucher, die unkritisch den Anweisungen auf ihrem Handy gefolgt sind. „Ich hab’ mich verlaufen, es wird immer verbuschter, es wird auch schon dunkel. Wie komme ich zurück nach Einruhr?“, berichtet Daus über verzweifelte Besucher, die über den Notruf 112 nach Hilfe riefen – und bekamen.

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