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Lebenslagen-orientierte Services
Perspektivisch sollten die Angebote noch stärker auf die einzelnen Lebenslagen des Bürgers ausgerichtet werden. Bürger denken in Services, die zu ihrer aktuellen Lebenslage passen, nicht in den Leistungskategorien der Öffentlichen Verwaltung. Künftig werden sie, wie beim Online-Einkauf, durch sämtliche erforderlichen Schritte geführt. Sie müssen nicht mehr jeden einzelnen Service separat ansteuern und bearbeiten. Stattdessen werden ihnen die zu ihrer Lebenslage gehörenden Services angezeigt.
Bei der Geburt eines Kindes wird ihnen dann nicht nur der Antrag auf Elterngeld angeboten, sondern gleichzeitig auch die Reservierung für einen Betreuungsplatz. Und über den Bearbeitungsstatus bleiben sie, ähnlich der Sendungsverfolgung im Onlinehandel, auf dem Laufenden.
Der IT-Planungsrat folgt diesem Zukunftsszenario mit dem Ziel einer 1-Klick-App, mit der Bürger Geburtsurkunde, Kindergeld und Elterngeld beantragen können. Übertragen auf die Lebenslage „Studium“ könnten Studenten bei der Immatrikulation an einer Universität Angebote für Wohnheimplätze erhalten und BAföG beantragen.
Ein weiterer echter Fortschritt wäre in diesem Zusammenhang die Möglichkeit, Services der Öffentlichen Hand mit denen der Privatwirtschaft zu kombinieren. Beispiel: Bei der Kfz-Zulassung legen Autohersteller das Auto im Portalverbund bereits digital an und es muss nur noch dem Fahrzeughalter zugewiesen werden. Der Bürger erhält automatisiert eine Information, wenn das Auto zum TÜV muss oder wird von seiner Werkstatt informiert, wenn der Reifenwechsel ansteht.
Mit Once Only Services weiter perfektionieren
Zukünftig soll ein Bürger seine Daten nur einmal angeben müssen, in der Folge sollen diese nachgenutzt werden. Entsprechende Vorgaben zu Once-Only-Diensten bestehen auf europäischer Ebene bereits. Services der Öffentlichen Verwaltung werden damit weiter perfektioniert.
Dies ist in Einklang mit dem Datenschutzregeln in Deutschland zu bringen. Der Bürger muss der Datenübermittlung in jedem Schritt einwilligen, die Verwendung seiner Daten muss für ihn in jedem Schritt nachvollziehbar sein. Die Daten liegen in unterschiedlichen Fachverfahren und Registern. Dies stellt hohe Anforderungen an den automatisierten Datenaustausch. Die Schaffung umfassender und sicherer Lösungen ist eine große Herausforderung, die Deutschland und die weiteren EU-Mitgliedstaaten in der nächsten Zeit beschäftigen wird.
Ähnliches gilt für die Bereitstellung digitaler Nachweise und die Modernisierung öffentlicher Register. Behörden können nach Einwilligung des Bürgers auf Führerschein, Geburtsurkunde oder einen Handelsregistereintrag zugreifen. Der Bürger muss keine Unterlagen herumtragen oder Nachweise in Aktenordnern suchen. Ein auf einer App hinterlegter Führerschein kann – wie in Österreich bereits konkretisiert – Polizeikontrollen verkürzen und die Anmietung eines Autos beschleunigen.
Top-Herausforderung Kooperation
Eine wesentliche Herausforderung – sowohl bei digitalen Lebenslagen-orientierten Services als auch bei Once Only – ist die Vielzahl der Akteure. Es wird nicht mehr singulär eine Leistung angeboten, sondern es entsteht ein Gesamtkontext. Die Zeiten, in denen an der digitalen Werkbank nur der Verfahrensverantwortliche mit dem IT-Verantwortlichen saß, gehören der Vergangenheit an. Am Beispiel der Lebenslage „Studieren“ müssen heute unter anderem die digitalen Services der Universität, des Studentenwerks und des Amtes für Ausbildungsförderung zusammengebracht werden. Das funktioniert durch Kooperationen über die föderalen Ebenen hinweg und über eine Aufgabenverteilung. Dem IT-Planungsrat kommt hier als Bund-Länder-Gremium eine Schlüsselrolle zu.
Ein Fortschritt für Bürger und Verwaltung
81 Prozent der Deutschen sehen die Regierungen auf Bundes- und Landesebene auf dem richtigen Weg mit ihren angeschobenen Maßnahmen. So lautet die gute Nachricht aus der Studie „Digital Government Barometer“. Lebenslagen- und Once-only-Prinzip werden zu einer weiteren deutlichen Steigerung der Nutzerfreundlichkeit führen.
Bürger und Unternehmen sind die Hauptnutznießer der Digitalisierungsmaßnahmen. Es kommt aber im Ergebnis auch den Behörden zugute, wenn sich in den Ämtern keine Warteschlangen mehr bilden, Sachbearbeiter sich den fachlich anspruchsvollen Aufgaben widmen können, weil Tätigkeiten automatisiert wurden, und Behörden nicht länger analog Nachweise austauschen.
Für 41 Prozent der Deutschen ist, so ein weiteres Studienergebnis, der virtuelle Behördengang zu kompliziert. Such- und Anspruchsverhalten der Nutzer haben sich deutlich verändert: Informationen werden gegoogelt, Verwaltungsleistungen müssen sich mit Angeboten aus dem eBusiness messen lassen. Die OZG-Umsetzung bietet die Chance, nutzerfreundliche Services auf komfortablen Plattformen zu realisieren und damit den virtuellen Behördengang auch in Deutschland selbstverständlich werden zu lassen.
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