Standardisierte Schnittstellen

Interoperabilität statt Dogmen

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Eine andere Verwaltung ist möglich

Es geht letztlich nicht ums Schlechtreden, sondern um die Forderung an die neue Bundesregierung, dass wir endlich ehrlich erfassen, wo Projekte stehen, wo es noch hakt und sich nicht für Scheinerfolge zu feiern. Wenn Deutschland bei der Digitalisierung nicht weiter zurückfallen soll, braucht es nicht noch mehr „Reförmchen”. Eine engere Zusammenarbeit mit GovTech-Start-ups – etwa durch direkte Beauftragungen, eine wirklich vereinfachte Vergabe oder neue Marktplätze – leistet nicht nur einen Beitrag zur Innovationskraft, sondern stärkt auch die vielbeschworene digitale Souveränität Deutschlands. Diese darf jedoch nicht allein mit Open Source gleichgesetzt werden. Es geht auch darum, gezielt europäische Unternehmen zu unterstützen und schlicht die besten Technologien am Markt zu nutzen, unabhängig vom Lizenzmodell. Durch eine solche Stärkung des Wettbewerbs unter hiesigen Unternehmen entsteht unterm Strich mehr Wahlfreiheit und Auswahl für den Staat. Der Staat muss sich dabei als strategischer Kunde verstehen, nicht als Generalunternehmer für alles. Technologie darf nicht länger in erster Linie als Risiko gesehen werden. Das Argument der Sicherheit sollte wenn überhaupt zu der Forderung führen, Systeme mit den notwendigen Voraussetzungen zu entwickeln, statt jegliche Modernisierung zu blockieren.

Was sich ändern muss:

  • Eigenentwicklungen nur in sicherheitsrelevanten oder strategisch notwendig Fällen.
  • Ansonsten sollte eine konsequente „Buy, don’t build“-Strategie vorherrschen, wo gute Lösungen fertig verfügbar sind.
  • Beschaffung sollte Mittel zum Zweck und nicht die Hauptbeschäftigung ganzer Behörden sein.
  • Mehr Vertrauen vom Staat und der Verwaltung auf allen Ebenen in ihre Subjekte.

Die Gefahr vier weiterer Jahre der Stagnation ist nach wie vor groß: Der Koalitionsvertrag stellt sämtliche Maßnahmen unter den Vorbehalt künftiger Finanzierungsspielräume. Umso wichtiger ist es, Digitalisierung als notwendige Bedingung für eine funktionierende Verwaltung, für effizientere Prozesse – und letztlich für Vertrauen in den Staat zu begreifen. Technologie kann über alle Herausforderungen hinweg letztlich eine Querschnittsfunktion bilden. Richtig ist aber auch: Der alleinige und verengte Fokus darauf, wie wir ihn etwa aktuell in den USA beobachten können, wirkt dagegen kontraproduktiv.

Andreas Michel
ist Mitgründer und CEO von Locaboo. Er ist Experte für Innovationsmanagement und erfahrener Produktentwickler mit Stationen in diversen Technologieunternehmen.

Bildquelle: Locaboo

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