Standardisierte Schnittstellen Interoperabilität statt Dogmen

Ein Gastbeitrag von Andreas Michel 3 min Lesedauer

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Ein zu starker Fokus auf bestimmte Technologien (beispielsweise Open-Source-Zwang) hemmt Fortschritt. Entscheidend ist nicht das Lizenzmodell, sondern ob Lösungen über offene, standardisierte Schnittstellen verfügen. Nur so kann echte Wiederverwendbarkeit, Integration und Weiterentwicklung gewährleistet werden.

Standardisierte Schnittstellen sorgen im Verwaltungsalltag für Kosteneffizienz und signifikant erhöhte Planbarkeit.(Maksym - stock.adobe.com)
Standardisierte Schnittstellen sorgen im Verwaltungsalltag für Kosteneffizienz und signifikant erhöhte Planbarkeit.
(Maksym - stock.adobe.com)

Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Veröffentlichung der DIN SPEC 66336 im März 2025. Erstmals definiert diese Norm klare Qualitätsanforderungen für digitale Verwaltungsleistungen, unter anderem mit Blick auf Interoperabilität, offene APIs und die Nutzung offener Standards. Doch so vielversprechend dieser Ansatz ist: Eine Norm entfaltet ihre Wirkung erst, wenn sie breit akzeptiert und aktiv angewendet wird. Auch die Deutsche Verwaltungscloudstrategie (DVS), die langfristig eine gemeinsame Cloud-Infrastruktur für den Bund schaffen soll, ist bislang eher ein strategisches Konzept als ein gelebter Standard.

Vielfalt statt Einheitszwang

Open-Source-Projekte sind heute oftmals integraler Bestandteil selbst kritischer IT-Infrastrukturen, die meist von kleinen, häufig unterfinanzierten Teams oder Einzelpersonen getragen werden. Zahlreiche Sicherheitsvorfälle der jüngeren Vergangenheit zeigen die Verwundbarkeit dieser Modelle. Fehlende Kompensation, steigender Druck und strukturelle Überlastung führen dazu, dass viele ihre Projekte aufgeben – oder darüber nachdenken. Der Koalitionsvertrag betont die Rolle privater IT-Dienstleister. Doch zugleich zeigt sich in Teilen nach wie vor eine gewisse Open-Source-Verliebtheit. Wer es ernst meint mit Open Source muss diesen Anspruch mit struktureller Unterstützung für die Community hinterlegen. Dazu gehört im Zweifel auch die Haftungsrisiken zu tragen. Wer Open Source nutzt, muss sich auch über die Haftungsrisiken in Klaren sein. Denn im Gegensatz zu Lösungen aus der Privatwirtschaft bei denen die privaten Anbieter die Haftungsrisiken übernehmen, ist man bei Open Source Lösungen selbst der Anbieter und haftet. Ein Thema, dass häufig übersehen und ausgeklammert wird.

Nutzerzentrierung und Skalierbarkeit müssen höchste Priorität haben

Neben Bürgerinnen und Bürgern fordern auch Unternehmen dringend eine konsequent digitale Verwaltung: Laut des Deutschen Startup Monitors 2024 ist sie mit Abstand die meistgenannte Forderung (58,5 Prozent). Der Koalitionsvertrag greift die Nutzerzentrierung auf und beschreibt eine Verwaltung, die „digital, vernetzt, leistungsfähig und lebenslagenorientiert arbeitet – zunehmend antragslos, barrierefrei und digital only“. Das ist ein deutliches Statement, die vergangenen Jahre haben leider gezeigt, dass der Wille allein nicht ausreicht. Die Initiative für einen handlungsfähigen Staat benennt einen zentralen analogen Hebel: einen Mentalitätswandel hin zu mehr Vertrauen und weniger Misstrauen.

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