Cyber Innovation Hub

Innovationen für die Bundeswehr

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Wie sieht die Arbeitsweise des CIHBw aus?

Weizenegger: Der bestimmende Faktor für Innovation ist Zeit. Um dem gerecht zu werden, verfolgen wir einen Minimum-Viable-Product-Ansatz. Diese prototypischen Lösungen verbessern und erweitern wir im laufenden Prozess immer weiter. Dabei setzen wir im CIHBw vor allem auf schnell umsetzbare Dual-Use-Lösungen. Das sind zivile Software oder Produkte von Start-ups, die am Markt bereits verfügbar sind, die wir identifizieren, anpassen und für militärische Systeme nutzbar machen. Dieses Vorgehen ist besonders schnell, da auf langwierige Ausschreibungen verzichtet werden kann. So erzielen wir schnell echte Wirkung für die Soldatinnen und Soldaten.

Petrescu: Initiativen wie die Innovation-Challenge, bei der auch Yarded entstanden ist, sind für mich perfekte Beispiele für die starke Arbeit, die der Cyber Innovation Hub leistet. Viele digitale Innovationen scheitern aus unserer Erfahrung, weil die Lösung überhaupt nicht gebraucht wird. Der CIHBw hingegen geht genau den richtigen Weg – sie fragen ihre Truppe: Was braucht ihr? Das bedeutet dann auch, dass die betreffenden Parteien eng im Innovationsprozess eingebunden sind. Im Fall von Yarded waren das beispielsweise die drei Offiziere, von denen die Idee stammte. Bei einem anderen Projekt mit der Luftwaffe programmierte das Team selbst Teile des Preflight-Managers, der zur Flugvorbereitung benötigte Dokumente digital und vorgabekonform für Piloten zur Verfügung stellt.
Aus unserer Sicht ist der CIHBw im Kosmos der Bundeswehr als ein agiles, Impulse gebendes Element zu betrachten, das bestehende Prozesse hinterfragt und innovative Lösungen schnell und effizient testen will. Alle genannten Punkte passen enorm gut zu unserer Arbeitsweise und Philosophie und machen die Zusammenarbeit aus unserer Sicht so erfolgreich. Teams bei der Innovation Challenge saßen zum Beispiel teilweise zusammen und haben den ganzen Weg über einen Tag hinweg mit Spielzeugautos nachgestellt – nur um sicherzustellen, dass die fertige Lösung am Ende wirklich effizient ist und praxisnah auf den Weg gebracht wird. So kann aber Nutzerzentrierung eben auch aussehen und wir sind froh, dass der CIHBw dabei die gleichen Werte vertritt.

Hintergrund

Der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) wurde im März 2017 gegründet, um die digitale Transformation der deutschen Streitkräfte zu unterstützen und voranzutreiben. Unter dem Motto „Empowering Innovation in Defence“ dient der CIHBw als Schnittstelle zwischen Start-up-Ökosystem und Bundeswehr und setzt Projekte direkt in die Praxis um. Damit agiert der Hub als „Do-Tank“.

Laut Bundesministerium für Verteidigung dient der Cyber Innovation Hub als „schnelles Beiboot“ und ist „die erste militärische digitale Innovationseinheit in Europa und das Vorbild für vergleichbare Einheiten in weiteren deutschen Bundesministerien und Behörden“. Nach der Pilotphase wurde der Hub 2020 als Innovationseinheit der Bundeswehr in der BWI GmbH fortgeführt.

cyberinnovationhub.de

Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen CIHBw und dem Start-up-Ökosystem konkret ab?

Weizenegger: Als CIHBw sind wir die Schnittstelle zwischen Bundeswehr und Start-up-Szene. Wir suchen aktiv nach wirkungsvollen Lösungen, die die Truppe schnell voranbringen und alltägliche Probleme der Soldatinnen und Soldaten lösen. Aus diesem Grund bieten wir jungen Start-ups die Möglichkeit, ihre Produkte, Software oder Ideen „im Feldversuch“ mit militärischen Anwendern zu erproben. So können Start-ups unter idealen Bedingungen den Product-Market-Fit unter Beweis stellen. Und wir können Produkte schnell einkaufen, die bereits jetzt, leicht angepasst, verfügbar sind. Diese Schnelligkeit ist unüblich im öffentlichen Sektor und sollte noch viel stärker als Vorbild dienen.
Ich bin überzeugt: Wir sollten die Zusammenarbeit mit dem Start-up-Ökosystem sogar ausweiten. Damit uns das noch besser gelingt, müssen wir ein verlässlicher und schnellerer Kunde für Start-ups werden. Mit kürzeren Innovationszyklen passen wir uns bereits jetzt immer besser an das Tempo von Start-ups an – das ist für unsere Partner und deren Investoren enorm wichtig. Die veränderte Wahrnehmung zeigt sich auch in der gestiegenen Investitionsbereitschaft von Venture-Capital-Fonds im Bereich Defence-Tech. Der CIHBw steht täglich im engen Austausch mit VCs und ist ein geschätzter Kompetenzträger.

Philipp Petrescu, CEO von MVP Factory.(©  MVP Factory)
Philipp Petrescu, CEO von MVP Factory.
(© MVP Factory)

Wie können Innovationsprozesse in der Bundeswehr am effektivsten vorangetrieben werden?

Petrescu: Unserer Ansicht nach nimmt der CIHBw bei diesem Prozess eine Schlüsselrolle ein. Er ist als Speedboat zu verstehen und kann der Bundeswehr natürlich gleichzeitig als Vorbild dienen. Beispielsweise durch die Innovations-Challenges und die Anwendung agiler Methoden ist es uns gemeinsam bereits gelungen, die Arbeitsweise innerhalb der gesamten Bundeswehr digitaler und innovativer zu machen – weil die Truppen merken, dass diese Ansätze funktionieren. Es ist außerdem wichtig, verschiedene Innovationslevel zu unterscheiden und passende Prozesse für unterschiedliche Projekte zu entwickeln. Langfristige Infra­strukturprojekte erfordern andere Ansätze als kurzfristige, agile Entwicklungsprojekte.
Ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg ist das Team. Beim CIHBw handelt es sich um ein hochmotiviertes Team, das sowohl über umfassendes Fachwissen als auch über eine starke operative Leitung und agile Arbeitsweisen verfügt. Das färbt ab. Und was wir nie vergessen sollten: Wenn wir von Innovation sprechen, bedeutet das auch immer eine Begleitung im Change-Prozess. Oftmals ist es nicht nur eine große digitale Lösung, sondern viele verschiedene Maßnahmen, die dazu führen, dass eine Organisation schrittweise ­flexibler und agiler wird.

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